Rosenheim – Was tun mit den Rosenheimer Stadttauben? Diese Frage sorgt seit Jahren für Diskussionen – und beschäftigte nun erneut den Ausschuss für Umwelt, Energie und Umwelt. Im Mittelpunkt stand ein Antrag der SPD-Stadtratsfraktion, weitere Taubenhäuser in der Innenstadt zu prüfen.
Die SPD sieht darin einen nachhaltigen Ansatz: Durch gezielte Fütterung, Betreuung und den Austausch von Eiern gegen Gipseier soll die Population langfristig reduziert werden. Gleichzeitig würden Sauberkeit verbessert, Tierschutzaspekte berücksichtigt und Kosten gesenkt.
Ein Taubenhaus mit begrenzter Wirkung
Bereits 2012 wurde in Rosenheim ein erstes Taubenhaus nach dem sogenannten Augsburger Modell auf dem Dach des Parkhauses P4 in der Stollstraße errichtet. Ziel war es, die wild lebenden Stadttauben an einen festen Ort zu binden und so ihre Vermehrung kontrollieren zu können. Betreut wird die Anlage seitdem von einem Taubenwart, der sich um Futter, Wasser, Reinigung und den Austausch von Eiern kümmert.
Infokasten: Woher kommen die Stadttauben?
Stadttauben sind keine „Wildtiere“ im klassischen Sinn, sondern Nachfahren domestizierter Felsentauben. Bereits vor mehreren tausend Jahren wurden sie vom Menschen als Nutz- und Brieftauben gezüchtet. Im Laufe der Zeit entkamen viele Tiere oder wurden ausgesetzt und verwilderten.
Bis heute sind Stadttauben stark an den Menschen gebunden: Gebäude ersetzen für sie natürliche Felswände, und sie sind häufig auf menschliche Nahrungsquellen angewiesen.
Nach anfänglich verhaltener Akzeptanz hat sich das Taubenhaus laut Stadtverwaltung etabliert. Aktuell halten sich dort regelmäßig rund 30 Tauben auf, bei durchschnittlich 10 bis 20 Eiern. Allerdings habe sich gezeigt, dass eine vollständige Verhinderung des Bruterfolgs die Akzeptanz der Tiere senkt – weshalb nicht alle Eier ersetzt werden. Insgesamt sei die Nutzung stabil, auch wenn Störungen durch Marder oder Vandalismus immer wieder auftreten.
Um die geschätzte Gesamtpopulation von rund 2000 Tauben im Stadtgebiet spürbar zu reduzieren, wären laut Verwaltung jedoch deutlich mehr solcher Einrichtungen nötig. Genau hier setzt die Kritik an: Schon bei der Suche nach einem Standort für das erste Taubenhaus habe es große Schwierigkeiten gegeben. Viele private Eigentümer seien nicht bereit, ihre Dächer zur Verfügung zu stellen. Zudem müssten die Anlagen sicher zugänglich sein – was auf vielen Gebäuden nicht gewährleistet ist. Auch die Problematik der Verschmutzung bleibt ein Thema.
Mehrheit sieht Kosten und Nutzen kritisch
Entsprechend skeptisch fiel die Reaktion im Ausschuss aus. CSU-Stadträtin Maria Bichler stellte die Kostenfrage in den Raum: „Bei rund 2000 Tauben bräuchten wir 60 weitere Taubenhäuser.“ Eine Größenordnung, die aus Sicht der Mehrheit nicht realistisch erscheint. Auch andere Stadträte schlossen sich dieser Einschätzung an.
Alternative Ansätze wurden ebenfalls diskutiert, letztlich aber verworfen. So verwies die Stadt auf Erfahrungen mit einem Falken-Nistkasten am Turm der Kirche St. Nikolaus. Zwar hatten sich dort zwischen 2017 und 2022 Wanderfalken angesiedelt und auch gebrütet – ein spürbarer Einfluss auf die Taubenpopulation sei jedoch nicht feststellbar gewesen. In anderen Jahren nutzten Turmfalken den Nistkasten, die nicht als natürliche Feinde von Tauben gelten.
Am Ende wurde der SPD-Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt – lediglich eine SPD-Stadträtin stimmte dagegen. Einig war man sich stattdessen in einem anderen Punkt: Das bestehende Fütterungsverbot soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Denn nach wie vor gebe es Bürger, die gezielt Tauben füttern. CSU-Stadtrat Wolfgang Bergmüller schilderte dazu eine persönliche Erfahrung: Als er eine Frau darauf ansprach, habe diese so aggressiv reagiert, dass er sich zurückgezogen habe.
Die Diskussion zeigt: Eine einfache Lösung für das Taubenproblem in Rosenheim ist weiterhin nicht in Sicht. Zwischen Tierschutz, Kosten und praktischer Umsetzbarkeit bleibt das Thema ein Dauerbrenner.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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