Rottach-Egern / Landkreis Miesbach – Venedig, der Markusplatz, Menschen zwischen Cafés und historischen Gebäuden – und als Gegenpol die Leonhardifahrt in Kreuth: Die aktuelle Ausstellung „Traumland“ von Ekaterina Zacharova in der HypoVereinsbank Rottach-Egern führt an Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemeinsam ist ihnen ihre Anziehungskraft. Doch die Gemälde erzählen auch davon, was passiert, wenn aus Sehnsuchtsorten viel besuchte Ziele werden.
Die Ausstellung „Traumland“ führt nicht nur in die Ferne. Fotos: Copyright Hendrik Heuser
Wer die Bilder von Ekaterina Zacharova betrachtet, sollte ihnen etwas Zeit geben. Auf den ersten Blick wirken die großformatigen Ölgemälde oft wie lebendige Momentaufnahmen. Menschen schlendern über Plätze, sitzen in Cafés, Kellner tragen Tabletts durch das Gewimmel. Doch je länger man hinschaut, desto mehr Details tauchen auf.
Zacharova arbeitet mit kräftigen, pastosen Pinselstrichen. Die Farbe liegt teilweise regelrecht plastisch auf der Leinwand. Aus der Entfernung entsteht daraus eine stimmige Szene, aus der Nähe zerfällt sie in einzelne Farbflächen, Lichtreflexe und kleine Beobachtungen. Eine Mimik, ein Schatten, ein architektonisches Detail – vieles erschließt sich erst beim zweiten oder dritten Blick.
Zwischen Venedig und dem Tegernseer Tal
In der Ausstellung stehen zwei Welten besonders deutlich nebeneinander. Ein Schwerpunkt liegt auf sommerlichen Szenen aus Venedig. Der Markusplatz wird zum Schauplatz eines geschäftigen Treibens, Menschen begegnen sich, sitzen in Cafés oder ziehen durch die Stadt.
Doch „Traumland“ meint nicht einfach schöne Urlaubsbilder. Im Mittelpunkt steht nach Angaben zur Ausstellung die Frage, was mit den schönsten Sehnsuchtsorten der Erde passiert, wenn ihre Attraktivität gleichzeitig zu einer Belastung wird. Massentourismus kann demnach nicht nur Landschaften und Orte verändern, sondern auch das Leben der Menschen, die dort zu Hause sind, und gewachsene Traditionen verdrängen.
Einen bewussten Gegenpol dazu bildet die Kreuther Leonhardifahrt. Hier zeigt Zacharova eine gewachsene regionale Tradition und damit ein Stück Identität aus ihrer heutigen Heimat am Tegernsee.
Viele kleine Geschichten auf einer Leinwand
Die Wirkung der Bilder entsteht dabei nicht zuletzt durch ihre Dichte. Fast könnte man sich in den Gemälden verlieren. Je länger der Blick auf einer Szene bleibt, desto mehr gibt es zu entdecken.
Diese besondere Bildsprache passt zum Thema der Ausstellung: Wo viele Menschen gleichzeitig unterwegs sind, entsteht Bewegung, Begegnung und manchmal auch eine gewisse Unübersichtlichkeit. Zacharovas Malweise fängt diese Dynamik mit zahlreichen einzelnen Pinselstrichen und kräftigen Farben ein.
Ekaterina Zacharova stammt ursprünglich aus Moskau. Sie studierte an der renommierten Surikow-Kunsthochschule in Moskau und lebt und arbeitet seit rund 30 Jahren in Gmund am Tegernsee. In der Region ist sie keine Unbekannte: Auch in Rosenheim waren ihre Arbeiten in der Vergangenheit bereits mehrfach bei Ausstellungen zu sehen.
„Traumland“ ist noch bis zum 27. November 2026 in der HypoVereinsbank, Nördliche Hauptstraße 17 in Rottach-Egern, zu sehen. Die Ausstellung kann während der regulären Öffnungszeiten der Bank besucht werden.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Info: Hendrik Heuser / Beitragsbild, Fotos: Copyright Hendrik Heuser)






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