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USA-Experte Josef Braml an der TH Rosenheim: „Wir müssen endlich den aufrechten Gang lernen“

Eindringlich forderte Dr. Josef Braml Europa zu mehr Souveränität und Stärke in der Weltpolitik auf. Foto: Copyright Anton Maier

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

17. Oktober 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim – Wie unabhängig kann Europa von den USA werden, und wie müssen sich Politik und Wirtschaft auf die veränderte Weltlage einstellen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Politikwissenschaftler und USA-Experte Dr. Josef Braml bei einem Vortrag an der Technischen Hochschule Rosenheim. Er warnte vor einseitigen Abhängigkeiten und forderte mehr Eigenständigkeit für Europa.

Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Unternehmen und Hochschule“ statt, die die TH Rosenheim gemeinsam mit der Wirtschaftsvereinigung Seeoner Kreis organisiert. Gerald Rhein, Vorsitzender des Seeoner Kreises, betonte zur Begrüßung, wie wichtig es sei, die Abhängigkeit von den USA zu verringern und die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. Dazu müssten Politik und Unternehmen beitragen. Der Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sei deshalb von großer Bedeutung.

Braml sieht tiefe Krise in den USA

Zu Beginn seines Vortrags analysierte Braml, warum Donald Trump zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt wurde. Er sieht dessen Erfolg als Ausdruck einer tiefer liegenden gesellschaftlichen Krise. Viele Amerikaner hätten einen sozialen Abstieg erlebt oder fürchteten, wirtschaftlich abgehängt und von politischen und wirtschaftlichen Eliten benachteiligt zu werden. Diese Abstiegsängste nutze Trump gezielt für sich, so Bramls Einschätzung. „Trump ist kein politischer Unfall, sondern das Symptom einer tieferen amerikanischen Krise“, sagte der Politikwissenschaftler. Die aggressive und dominante Art des Präsidenten biete seinen Wählern ein Ventil für ihre Frustration. „Mit Trump haben die Leute sozusagen eine Handgranate gewählt, die das System wegbläst. Und er hat sie nicht enttäuscht“, sagte Braml.

USA verfolgen eigene Interessen

Ein Schwerpunkt des Vortrags war das Verhältnis zwischen Europa und den USA. Braml warnte davor, davon auszugehen, dass die Vereinigten Staaten unabhängig vom jeweiligen Präsidenten dauerhaft für Europas Sicherheit und wirtschaftlichen Erfolg sorgen würden. Die US-Regierung richte ihre Politik vor allem an den eigenen Interessen aus und konzentriere sich strategisch auf den Wettbewerb mit China.
Nach Bramls Einschätzung ist der klassische multilaterale Freihandel damit an sein Ende gekommen. Die Großmächte verknüpften wirtschaftliche Fragen zunehmend mit Zöllen, Technologiekontrolle und nationaler Sicherheit. Auch Trumps Vorgehen gegenüber anderen Staaten sei nicht einfach als Inkompetenz zu verstehen, sondern folge einer eigenen Machtlogik. Braml warf dem Präsidenten vor, bewusst Regeln zu brechen und demokratische Institutionen anzugreifen.

Europa soll unabhängiger werden

Aus diesen Entwicklungen leitete Braml die Forderung nach mehr strategischer Eigenständigkeit Europas ab. Der Kontinent müsse in der Lage sein, sich selbst zu schützen und als eigenständiger Akteur aufzutreten. Erst wenn Europa verteidigungsfähig sei, werde es von den USA und China als ernst zu nehmender Verhandlungspartner akzeptiert, argumentierte der Politikwissenschaftler.
Auch wirtschaftlich müsse Europa unabhängiger werden. Dazu zählten aus seiner Sicht der Schutz kritischer Infrastruktur, weniger einseitige Abhängigkeiten bei Rohstoffen und Technologien sowie eigene Handlungsmöglichkeiten in der Wirtschaftspolitik. Unternehmen sollten ihre Lieferketten, Absatzmärkte und Rohstoffquellen breiter aufstellen, statt sich auf einen dominierenden Partner zu verlassen. Zudem müsse sich die Wirtschaft stärker gegen Krisen absichern. Entscheidungen sollten nicht allein auf möglichst niedrige Kosten und eine effiziente Logistik ausgerichtet sein. Braml plädierte dafür, die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten stärker zu berücksichtigen.

„Wir müssen endlich den aufrechten Gang lernen“

Für mehr europäische Eigenständigkeit brauche es nach Bramls Ansicht auch eine stärkere europäische Identität. Investitionen sollten verstärkt in die eigene Infrastruktur und Technologie fließen. Eine engere europäische Integration, ein leistungsfähiger Binnenmarkt und ein gestärkter Euro könnten dazu beitragen, die wirtschaftliche und politische Position Europas zu verbessern.
Zugleich forderte Braml ein selbstbewussteres Auftreten gegenüber den USA. „Es ist kaum anzusehen, wie unterwürfig unsere Spitzenpolitiker gegenüber Trump und der amerikanischen Führung auftreten. Das Gegenteil muss der Fall sein. Wir müssen endlich den aufrechten Gang lernen!“, sagte er.

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Professorin Dr. Brigitte Kölzer-Löffler von der TH Rosenheim, Julian Schulz, Leiter Vertrieb Folie bei der Schattdecor SE, Carsten Ritterbach, Geschäftsführer des Forum Holzbau, Professorin Dr. Carlin Fleischmann von der TH Rosenheim und Josef Braml über die angesprochenen Entwicklungen. Auch das Publikum konnte Fragen an die Runde stellen.
(Quelle: Pressemitteilung TH Rosenheim / Beitragsbild: Copyright Anton Maier)

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