Rosenheim – Google Maps kennt den schnellsten Weg – oder zumindest glaubt die App das. Wer von der Rosenheimer Innenstadt Richtung Wasserburg unterwegs ist, wird laut CSU-Stadtratsfraktion teilweise über den Mittelweg und Langenpfunzen geschickt. Warum nicht über die Westerndorfer Straße? Die CSU sorgt sich dabei vor allem um Verkehr durch Wohngebiete mit Tempo 30 und wollte deshalb wissen, ob die Stadt bei Google erreichen kann, dass der Verkehr stärker über die Hauptverkehrsstraßen geführt wird. Die Antwort der Verwaltung fällt allerdings anders aus.
Mittelweg statt Westerndorfer Straße
Konkret geht es um die Routenführung von der Rosenheimer Innenstadt in Richtung Wasserburg. Nach Darstellung der CSU führt Google Maps den Verkehr teilweise über den Mittelweg und Langenpfunzen, anstatt die Westerndorfer Straße als Hauptverkehrsverbindung zu nutzen.
Das Problem aus Sicht der CSU: Durch solche Navigationsempfehlungen kann Durchgangsverkehr auf Nebenstraßen und durch Wohngebiete mit Tempo-30-Zonen geführt werden. Straßen, die nicht für größere Verkehrsmengen ausgelegt sind, werden dadurch zusätzlich belastet. Mit ihrer Anfrage vom 9. Juli 2026 wollte die CSU-Stadtratsfraktion deshalb prüfen lassen, ob die Stadt Möglichkeiten hat, auf Google einzuwirken und eine solche Routenführung zu verhindern.
Verwaltung sieht Google nicht als richtigen Hebel
Die Verwaltung hat sich dazu eine Untersuchung der Universität St. Gallen angesehen. Darin geht es unter anderem um die Frage, wie Kommunen mit Verkehrsverlagerungen umgehen können, die durch Navigationssysteme entstehen. Als geeignete Möglichkeiten werden vor allem Maßnahmen vor Ort genannt. Dazu gehören beispielsweise Abbiegebeschränkungen, Straßensperrungen beziehungsweise sogenannte modale Filter, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, bauliche Barrieren oder angepasste Tempolimits.
Eine direkte Zusammenarbeit mit Entwicklern von Navigationssystemen wird dagegen nicht als zielführend bewertet. Auch das bewusste Melden falscher Verkehrshindernisse oder Unfälle, um die Routenführung zu verändern, sei keine geeignete Lösung.
Die Rosenheimer Verwaltung will deshalb nicht auf Google zugehen, um die Routenberechnung für bestimmte Straßen zu beeinflussen. Die Navigationsentscheidungen beruhen auf komplexen automatisierten Systemen und könnten nicht einfach durch einzelne Anfragen einer Stadt gesteuert werden.
Google Maps beeinflussen – geht das doch?
In der Sitzung wurde allerdings deutlich, dass die Frage nicht ganz so eindeutig gesehen wird. Oberbürgermeister Abuzar Erdogan sagte mit Blick auf eine mögliche direkte Einflussnahme auf Google: „Man kommt an die nicht ran.“ CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller widersprach. Er habe von einem Experten die Information bekommen, dass es über eine entsprechende Plattform von Google durchaus eine Möglichkeit gebe, Änderungen beziehungsweise Ausschlüsse zu beantragen.
Welches konkrete Verfahren damit gemeint war, wurde in der Sitzung allerdings nicht näher erläutert. Unsere Recherche zeigt: Google bietet tatsächlich ein sogenanntes Maps Content Partner Program an. Darüber können unter anderem Behörden offizielle Daten zu Straßen, Verkehrsregelungen und Einschränkungen an Google übermitteln. Dazu gehören beispielsweise Straßendaten, Abbiegebeschränkungen, Tempolimits und Sperrungen. Google Maps Content Partner Program
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Stadt darüber festlegen kann, dass eine grundsätzlich befahrbare Straße bei der normalen Routenberechnung von Google Maps nicht mehr vorgeschlagen wird. Die offiziellen Informationen von Google beschreiben vor allem die Übermittlung und Aktualisierung tatsächlicher Straßen- und Verkehrsbeschränkungen.
Kein Problem nur in Rosenheim
Rosenheim ist mit der Frage nicht allein. Auch andere Städte und Gemeinden beschäftigen sich damit, dass Navigationssysteme Verkehr über Neben- und Wohnstraßen führen, die nicht für größeren Durchgangsverkehr ausgelegt sind.
Die grundsätzliche Frage lautet deshalb auch andernorts: Soll versucht werden, die Navigation selbst zu beeinflussen – oder muss die Verkehrsführung vor Ort so verändert werden, dass unerwünschter Durchgangsverkehr gar nicht erst über bestimmte Straßen geführt wird?
Andere Kommunen haben bereits versucht, Navigationssysteme mit vorgegebenen Vorrangrouten zu unterstützen. Die Stadt Bergisch Gladbach hat beispielsweise ein Lkw-Vorrangroutennetz festgelegt und in Navigationssysteme einpflegen lassen. Ziel war unter anderem, Irrfahrten zu vermeiden und Wohngebiete weniger zu belasten.
Das Beispiel zeigt, dass Kommunen durchaus Möglichkeiten haben, offizielle Verkehrsdaten und Vorrangrouten in digitale Navigation einfließen zu lassen. Allerdings geht es in Bergisch Gladbach um die Navigation von Lkw. Für den Rosenheimer Fall stellt sich die Frage anders: Hier geht es darum, ob eine grundsätzlich befahrbare Strecke für den normalen Autoverkehr bei der Routenberechnung von Google Maps gezielt weniger berücksichtigt oder ausgeschlossen werden kann.
Die Rosenheimer Verwaltung sieht dafür jedenfalls keinen zielführenden Ansatz über eine direkte Kontaktaufnahme mit Google und setzt stattdessen auf Maßnahmen bei der Verkehrsführung vor Ort.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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