Bayern – Der Herbst gilt eigentlich als Hochsaison für Pilze. In diesem Jahr ist die Suche auf vielen Wiesen und Weiden Bayerns allerdings schwieriger als gewohnt. Die langanhaltende Trockenheit des Sommers hat die Böden vielerorts stark ausgetrocknet. Das macht auch die Suche nach seltenen Wiesenpilzen schwierig.
Trotz der schwierigen Bedingungen haben der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und die Universität Bayreuth jetzt eine bayernweite Kartierung gefährdeter Wiesenpilze gestartet. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.
Pilze können vorhanden sein, ohne sichtbar zu werden
Damit Pilze oberhalb des Bodens sichtbar werden, brauchen sie ausreichend Feuchtigkeit. Zwar haben die jüngsten Niederschläge in einigen Regionen für etwas Entspannung gesorgt, vielerorts reicht die Feuchtigkeit aber noch nicht aus.
Dass derzeit nur wenige Pilze zu sehen sind, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Arten verschwunden sind. „Wenn man keine Pilze finden kann, bedeutet das nicht automatisch, dass die Arten verschwunden sind“, erklärt LBV-Projektmanagerin Lotte Krüger. „Das eigentliche Pilzgeflecht lebt verborgen im Boden und kann dort überdauern, bis die Bedingungen wieder günstiger werden. Wir hoffen deshalb, dass sich die Pilzsaison lediglich verzögert hat und in den kommenden Wochen noch viele spannende Nachweise gelingen.“
Viel Zeit bleibt den Pilzexperten in manchen Regionen allerdings nicht. Im Bayerischen Wald und in den Alpen können bereits ab Mitte Oktober stärkere Bodenfröste auftreten. Viele Wiesenpilze bilden dann keine Fruchtkörper mehr und sind damit oberirdisch nicht mehr nachweisbar.
Kartierung trotz schwerer Bedingungen
Für das Forschungsprojekt sind die schwierigen Bedingungen in diesem Herbst kein Grund, die Kartierung infrage zu stellen. Die Untersuchungen laufen über drei Jahre und berücksichtigen damit auch die natürlichen Schwankungen zwischen einzelnen Pilzsaisons.
Zusätzlich kommen moderne genetische Methoden zum Einsatz. Die Universität Bayreuth untersucht dafür Umwelt-DNA aus Bodenproben. Auf diese Weise können Pilzarten nachgewiesen werden, auch wenn sie gerade keine sichtbaren Fruchtkörper bilden.
Trockenheit betrifft auch Pilze im Wald
Nicht nur auf Wiesen ist die aktuelle Entwicklung zu beobachten. Auch in Bayerns Wäldern werden derzeit deutlich weniger Pilze gefunden als in normalen Jahren.
„Wenn Pilze ausbleiben, ist das nicht nur für Schwammerlsuchende enttäuschend. Pilze sind die unsichtbaren Motoren unserer Ökosysteme. Sie bauen abgestorbenes Material ab, versorgen Pflanzen mit Wasser und Mineralien und vernetzen ganze Lebensgemeinschaften“, erklärt der Vorsitzende der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft Dr. Christoph Hahn.
Besonders im Blick steht dabei nicht ein einzelnes trockenes Jahr, sondern die zunehmende Häufung solcher Wetterlagen.
„Viele Pilzarten können einzelne Dürreperioden überstehen. Problematisch wird es, wenn Trockenjahre immer häufiger auftreten und die Erholungsphasen dazwischen ausbleiben. Dann geraten ganze Pilzgemeinschaften unter Druck“, so Hahn.
Welche langfristigen Folgen diese Entwicklung haben wird, ist nach seinen Angaben noch nicht vollständig absehbar.
„Pilze bilden die Grundlage zahlreicher ökologischer Prozesse. Verändern sich ihre Lebensgemeinschaften, kann das schwerwiegende Auswirkungen auf die Stabilität ganzer Ökosysteme haben. Deshalb müssen wir den Schutz von Pilzen viel stärker in den Blick nehmen als bisher.“
Wiesenpilze als Hinweis auf wertvolle Lebensräume
Bei der bayernweiten Kartierung geht es nicht nur darum, möglichst viele Pilzarten zu finden. Die Wissenschaftler wollen auch mehr darüber erfahren, wo seltene und gefährdete Wiesenpilze vorkommen.
„Viele Menschen verbinden Pilze vor allem mit dem Wald. Dabei gibt es auch im Offenland eine beeindruckende Vielfalt hoch spezialisierter Arten“, sagt LBV-Projektmanagerin Lotte Krüger. „Wiesenpilze sind wichtige Indikatoren für naturschutzfachlich besonders hochwertige Wiesen, Weiden und Feuchtgebiete. Deshalb erfassen wir ihre Vorkommen jetzt erstmals systematisch auf LBV-Flächen in ganz Bayern.“
Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten CHEGD-Arten. Der Begriff fasst fünf Pilzartengruppen des Offenlands zusammen: Clavariaceae mit Keulen- und Korallenpilzen, Hygrocybe mit den Saftlingen, Entoloma mit den Rötlingen, Geoglossaceae mit den Erdzungen und Dermoloma, zu denen die Samtritterlinge gehören.
Viele dieser teilweise auffällig gefärbten Pilzarten gelten als bedroht. Ihr Vorkommen kann Hinweise auf den Zustand von Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten geben. Als eine Ursache für den Rückgang wird unter anderem die intensive Landwirtschaft und die abnehmende extensive Bewirtschaftung genannt.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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