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Zwei junge Bartgeier starten im Berchtesgadener Land in die Freiheit

Bartgeier in der Luft vor blauem Himmel. Foto: re

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

26. Juni 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Berchtesgaden / Bayern – Fast eineinhalb Jahrhunderte nach ihrer Ausrottung in den deutschen Alpen kehren Bartgeier Schritt für Schritt zurück. Im Nationalpark Berchtesgaden sind jetzt zwei weitere Jungvögel ausgewildert worden. Mit „Alosa“ und „Zierli“ wächst die Zahl der seit 2021 freigelassenen Bartgeier auf zwölf.

Das gemeinsame Wiederansiedlungsprojekt des LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und des Nationalparks Berchtesgaden geht damit in sein sechstes Jahr. Ziel ist es, die Bestände des imposanten Greifvogels in den Ostalpen dauerhaft zu stärken und wieder eine selbstständige Population aufzubauen.

Die beiden Jungvögel wurden in einer Felsnische im Klausbachtal untergebracht. Dort verbringen sie zunächst noch einige Wochen, um ihre Flugmuskulatur aufzubauen. Erst danach werden sie zu ihren ersten Flügen in die Alpen aufbrechen.

Erste Bartgeier aus Belgien und Frankreich

Eine Besonderheit in diesem Jahr: Erstmals stammen die ausgewilderten Bartgeier aus Zuchtstationen in Belgien und Frankreich. Das Weibchen „Alosa“ wurde am 20. März im französischen Zuchtzentrum Asters geboren. Sein Name erinnert an die Naturschutzstiftung Alosa, die das Projekt seit Jahren unterstützt.

Der zweite Jungvogel schlüpfte ebenfalls am 20. März im belgischen Tierpark Pairi Daiza und wurde anschließend im französischen Zoo Beauval von einem erfahrenen Bartgeier großgezogen. Er erhielt den Namen „Zierli“ zu Ehren des früheren Nationalparkleiters Dr. Hubert Zierl, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feierte. Ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, soll ein Bluttest in den kommenden Wochen zeigen.

„Mit nun zwölf erfolgreich ausgewilderten Bartgeiern sind wir auf einem guten Weg, diesen wichtigen Aasfresser endgültig in unsere heimische Gebirgswelt zurückzubringen. Schon jetzt kehrt ein Großteil der Vögel bei ihren weiten Wanderungen durch den Alpenraum immer wieder in den Nationalpark zurück“, sagt der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden Dr. Roland Baier.

„In ihrer neuen Heimat im Klausbachtal werden sich die jungen Bartgeier in den kommenden Wochen ohne jeglichen direkten Kontakt zu Menschen entwickeln. Ein intensives wissenschaftliches Monitoring soll sicherzustellen, dass sie sich gut aneinander und an die völlig neue Umgebung gewöhnen“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

Erste Flugversuche in wenigen Wochen erwartet

Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen dürften die beiden Jungvögel in etwa drei Wochen erstmals die Felsnische verlassen. Dabei könnten sie sogar Unterstützung von bereits ausgewilderten Bartgeiern erhalten. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Nepomuk, Generl oder Wiggerl die Neuankömmlinge in der Nische inspizieren werden. Diese erfahreneren Bartgeier aus unserem Projekt können ihnen wichtige Fähigkeiten im Luftraum oder an den Futterplätzen vermitteln“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.

Das Wiederansiedlungsprojekt soll voraussichtlich bis 2030 fortgesetzt werden. Jedes Jahr sollen weitere Bartgeier in den Berchtesgadener Alpen ausgewildert werden. Langfristiges Ziel ist eine stabile Population, die ohne menschliche Unterstützung bestehen kann.

Wer die Entwicklung der beiden Jungvögel verfolgen möchte, kann dies über eine Live-Webcam in der Auswilderungsnische tun. Außerdem lassen sich die späteren Flugrouten der Bartgeier über GPS-Sender im Internet nachverfolgen.
(Quelle: LBV / Nationalpark Berchtesgaden / Beitragsbild: Symbolfoto re)

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