Rosenheim –
Rosenheim – Der Radverkehr in der Stadt Rosenheim war eines der bestimmenden Themen in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehrsfragen und ÖPNV. Die Stadträte befassten sich mit einem neuen Radverkehrskonzept, der Weiterplanung mehrerer Fahrradstraßen und einem neuen Ziel für den Radverkehrsanteil. Die Stadt will den Radverkehr damit in den kommenden Jahren stärker berücksichtigen. Die Beschlüsse betreffen allerdings nicht nur Radfahrer, sondern auch die künftige Aufteilung des Straßenraums und damit die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer.
Das Interesse an der Sitzung war groß. Im kleinen Sitzungssaal des Rathauses wurde es eng. Unter den Zuhörern waren auch zahlreiche Vertreter und Unterstützer der Rosenheimer Radverkehrsinitiative sowie des ADFC. Die Diskussion über die künftige Rolle des Fahrrads im Rosenheimer Verkehr läuft bereits seit mehreren Jahren.
Weitere Fahrradstraßen auf dem Weg
Bei der Weiterführung der Fahrradstraßen gab es im Ausschuss keine Gegenstimme. Zugestimmt wurde der Vorplanung für die Achsen Landsberger Straße – Schillerstraße – Hohenzollernstraße – Von-der-Tann-Straße sowie Graf-Lamberg-Weg – Farrenpointstraße – Burgfeldstraße. Die Verwaltung wurde beauftragt, die weitere Planung erstellen zu lassen und die Umsetzung voranzubringen.
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Auch die bereits beschlossene Achse Eichfeldstraße – Kaltwiesstraße – Leitzachstraße soll weitergeführt werden. Der erste Abschnitt zwischen Kirchenweg und ASV Happing wurde in der zweiten Jahreshälfte 2025 als Fahrradstraße fertiggestellt. Rosenheim verfügt damit inzwischen über seine erste Fahrradstraße.
Bei den geplanten Fahrradstraßen handelt es sich um sogenannte „unechte Fahrradstraßen“. Kraftfahrzeuge dürfen die Straßen weiterhin befahren, der Radverkehr soll jedoch Vorrang haben. Für die Umsetzung ist eine Informationskampagne vorgesehen. Direkt betroffene Anlieger sollen zusätzlich schriftlich informiert werden.
Dass die konkrete Ausgestaltung nicht überall einfach ist, zeigte die Diskussion um den Kardinal-Faulhaber-Platz. Dort befinden sich unter anderem eine Fahrschule, eine Apotheke und ein Orthopädiegeschäft. Mehrere Stadträte sprachen sich dafür aus, den Platz aus der Fahrradstraßenplanung herauszunehmen. Sie verwiesen unter anderem auf die notwendige Erreichbarkeit der dort ansässigen Betriebe mit dem Auto.
Der Kardinal-Faulhaber-Platz bleibt nach der Entscheidung dennoch Bestandteil der Fahrradstraße. Er soll allerdings in beide Richtungen befahrbar bleiben. Für die Von-der-Tann-Straße ist nach der derzeitigen Planung eine Einbahnstraßenregelung von Norden nach Süden vorgesehen.
Vom ersten Abschnitt zum Radverkehrskonzept
Die Planungen für Fahrradstraßen laufen in Rosenheim bereits seit 2021. Damals beauftragte der Ausschuss die Verwaltung zu prüfen, wo geeignete Straßen im Stadtgebiet als Fahrradstraßen ausgewiesen werden könnten. Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen untersuchte daraufhin verschiedene Achsen.
2023 wurde die Einrichtung einer Fahrradstraße auf dem Straßenzug Eichfeldstraße – Kaltwiesstraße – Leitzachstraße beschlossen. Der erste Abschnitt wurde Ende 2025 umgesetzt. Mit den nun beschlossenen weiteren Planungen soll das Vorhaben fortgesetzt werden.
Die Fahrradstraßen sind dabei Teil eines umfassenderen Radverkehrskonzepts, das das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro SVK dem Ausschuss vorstellte. Der Maßnahmenkatalog umfasst nach Angaben der Verwaltung rund 250 Maßnahmen. Untersucht wurden unter anderem die Qualität bestehender Radwege, Unfallstellen mit Beteiligung von Radfahrern und mögliche Bereiche für Tempo 30.
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan nannte „Sicher in Rosenheim radfahren“ als übergeordnetes Ziel des Konzepts. Gleichzeitig sagte er: „Die Ideallösung wird es nicht geben.“ Rosenheim habe nicht überall ausreichend Fläche, um die unterschiedlichen Anforderungen an den Straßenraum gleichzeitig zu erfüllen.
Dr. Ralf Kaulen vom Planungsbüro SVK stellte die Ergebnisse vor. Eine zentrale Frage bei der Erarbeitung des Konzepts sei gewesen: „Würden Rosenheimer radeln, wenn sie denn radeln könnten?“ Fahrradstraßen bezeichnete Kaulen als „hervorragendes Element“ für die weitere Entwicklung des Radverkehrs.
Das Konzept umfasst unter anderem ein Haupt- und Basisnetz, Qualitätsstandards und sechs Entwicklungsachsen für wichtige Radverbindungen. Zu den prioritären Maßnahmen, deren Umsetzung bis Ende 2028 angestrebt wird, gehören neben den Fahrradstraßen unter anderem eine bevorrechtigte Querung des Mangfallradwegs an der Hochfellnstraße, der Ausbau des Mangfallradwegs zwischen Turnersteg und Eisstadion sowie Verbesserungen im Bereich der Bushaltestelle Brucklach.
Auch Piktogrammketten sollen an geeigneten Stellen eingesetzt werden, wenn eigene Radverkehrsanlagen wegen fehlender Flächen nicht möglich sind. Als Beispiele nennt die Verwaltung Teile der Mangfallstraße, Küpferlingstraße und Prinzregentenstraße. In diesen Bereichen soll auch eine Reduzierung auf Tempo 30 geprüft werden. Oberbürgermeister Erdogan hält Tempo 30 nach eigenen Angaben an vielen Stellen für gut umsetzbar.
Radverkehrsanteil soll auf 25 Prozent steigen
Nach der Haushaltsbefragung von 2024 liegt der Radverkehrsanteil in Rosenheim bei rund 20 Prozent. Der sogenannte Modal Split beschreibt dabei, wie sich die zurückgelegten Wege auf verschiedene Verkehrsmittel verteilen.
Das ist weniger als das bisherige politische Ziel. Der Stadtrat hatte 2020 beschlossen, den Radverkehrsanteil bis 2026 auf 26 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Die Verwaltung führt dafür unter anderem die notwendige Abstimmung von Infrastrukturmaßnahmen mit der Haushaltskonsolidierung sowie das Verhalten der Verkehrsteilnehmer als Einflussfaktoren an.
Nun soll der Radverkehrsanteil bis 2032 auf 25 Prozent steigen. Damit soll zugleich eine Voraussetzung für die angestrebte Mitgliedschaft der Stadt in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK Bayern) erfüllt werden. Angestrebt wird anschließend auch die Zertifizierung als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“.
Für das Radverkehrskonzept gab es keine Gegenstimme. SPD-Stadtrat Robert Metzger sprach von einem „geschlossenen Bild“ und betonte, dass es sich um einen langfristigen Prozess handle. Aus den Reihen der Grünen wurde das Konzept als „zukunftsweisend“ bezeichnet. FDP-Stadtrat Marcus Moga sagte: „Ein sehr gutes Konzept, das zeigt, wie wir den Fahrradverkehr in der Stadt weiterentwickeln können.“
Gleichzeitig wurde im Ausschuss darauf hingewiesen, dass der Radverkehr nur ein Teil des gesamten Verkehrsgeschehens ist. CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller betonte, man müsse „alle Verkehrsteilnehmer im Blick behalten“. Rosenheim sei ein zentraler Ort in der Region und der öffentliche Nahverkehr nicht mit dem einer Großstadt vergleichbar. „Viele Leute fahren eben mit dem Auto in die Stadt“, gab er zu bedenken.
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Auch Andreas Kohlberger (AfD) bezeichnete das Konzept als „sehr interessant“, warnte aber davor, „dass man Straßen mit Geschäften, Apotheken usw. vom Autoverkehr abschneidet“. Robert Lappy (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich dafür aus, bei der Verkehrsplanung auch die Nachbargemeinden einzubeziehen. Hanna Rohs (Die Linke) forderte, „dass das Konzept umfassend und in seiner Gesamtheit umgesetzt wird“.
Oberbürgermeister Erdogan betonte, es gehe nicht um „Rad gegen Auto“. Er sei überzeugt: „Ich bin überzeugt, dass beides miteinander funktioniert.“
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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