Rosenheim / Bayern / Deutschland – Katzen wirken oft weich und harmlos â ihre Krallen erzĂ€hlen aber eine ganz andere Geschichte. Sie sind Werkzeug, Kommunikationsmittel und Pflegehelfer zugleich. Doch wann brauchen Katzen eigentlich UnterstĂŒtzung bei der Krallenpflege?
Katzen werden gern als Samtpfoten bezeichnet. Dabei wird oft vergessen, dass an diesen Pfoten hochfunktionale Werkzeuge stecken: die Krallen. Sie sind fĂŒr Katzen im Alltag unverzichtbar â beim Klettern, Spielen oder auch zur Kommunikation. Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) erklĂ€rt, warum die Krallen so wichtig sind und wann Halter eingreifen sollten.
âKatzen nutzen ihre Krallen zum Klettern und Festhalten, beim Spielen, Markieren, Verteidigen und natĂŒrlich auch, um sich zu kratzen, wenn es juckt. AuĂerdem helfen sie bei der Fellpflege, um lose Haare zu entfernenâ, beschreibt Dr. Katja Oelmann, TierĂ€rztin und Inhaberin einer Praxis fĂŒr Katzen- und Verhaltensmedizin, den vielfĂ€ltigen Nutzen der Krallen im Katzenalltag. âIm Gegensatz zum Hund sind Katzen in der Lage, ihre Krallen in Hauttaschen zurĂŒckzuziehen â dafĂŒr sind BĂ€nder verantwortlich. Das ermöglicht das Schleichen auf leisen Pfoten, hilft aber auch dabei, sehr feinmotorisch zu arbeiten.â
Gleichgewicht zwischen Wachstum und Abnutzung
Katzenkrallen bestehen aus Horn und wachsen stĂ€ndig nach. Gleichzeitig werden sie durch das Kratzen regelmĂ€Ăig abgenutzt. Bei gesunden Tieren bleibt so ein natĂŒrliches Gleichgewicht erhalten. Wichtig ist deshalb vor allem bei Wohnungskatzen, dass geeignete Kratzmöglichkeiten vorhanden sind.
âKatzen wetzen ihre Krallen zum Beispiel gern auch nach einem ausgiebigen SchlĂ€fchen. Hierbei strecken sie die Vorderbeine und lockern und dehnen ihre BĂ€nder und die Schultermuskulatur. Das hilft, geschmeidig zu bleibenâ, erklĂ€rt die Expertin. âEs kann auĂerdem Stress abbauen oder im hĂ€uslichen Umfeld ein Ruf nach der Aufmerksamkeit der Halter sein.â
DrauĂen ĂŒbernehmen Kratzspuren zusĂ€tzlich eine kommunikative Funktion: Sie dienen als Markierungen fĂŒr andere Katzen und können durch Duftstoffe ergĂ€nzt werden. So entsteht eine Art âNachrichtensystemâ, ohne direkten Kontakt.
Wann Katzen UnterstĂŒtzung brauchen
GrundsĂ€tzlich kĂŒmmern sich Katzen selbst um ihre Krallenpflege. Es gibt aber Situationen, in denen UnterstĂŒtzung nötig wird â etwa im Alter oder bei Erkrankungen.
âWenn die Krallen zu lang werden, kann es sein, dass eine Katze etwa am Teppich oder an anderen Textilien hĂ€ngenbleibt. Die Krallen können auch in die Ballenhaut einwachsen. Die Verletzungsgefahr steigt ebenfalls: Das Tier kann sich eine Kralle ausreiĂen, sich selbst bei der Pflege kratzen oder die Kralle kann splitternâ, fasst Dr. Oelmann zusammen.
Ein möglicher Hinweis auf zu lange Krallen ist ein leichtes Klickern beim Laufen auf hartem Boden. RegelmĂ€Ăige Kontrolle hilft auĂerdem, Verletzungen oder EntzĂŒndungen frĂŒhzeitig zu erkennen.
Krallen richtig kĂŒrzen â nur mit Vorsicht
Beim KĂŒrzen der Krallen gilt besondere Sorgfalt. TierĂ€rzte oder Katzenfriseure können die richtige Technik zeigen.
âEine wichtige Voraussetzung ist hier, dass die Katzen bestenfalls schon im jungen Alter lernen, an den empfindlichen Pfoten berĂŒhrt zu werden. Mit vielen Leckerlis und anderen Belohnungen kann man die Krallen durch leichten Druck auf Ballen und Zehen nach vorne verlagern. Man sollte dabei unbedingt darauf achten, dass das Tier keine Anzeichen von Panik zeigt. Im Zweifel lieber eine Pause einlegenâ, sagt die TierĂ€rztin.
Wichtig ist auĂerdem das richtige Werkzeug: Eine spezielle Krallenschere aus dem Fachhandel ist Pflicht, da sie die Kralle sauber schneidet, ohne sie zu quetschen.
âWie viel man kĂŒrzt, hĂ€ngt auch ein bisschen vom AktivitĂ€tslevel ab: Wenn die Katze noch viel klettert, sollte man eher nur die Spitzen und dafĂŒr regelmĂ€Ăig kĂŒrzen. Liegt die alte Katze hauptsĂ€chlich nur noch, kann auch etwas mehr gekĂŒrzt werden. Niemals sollte man allerdings bis in die Lederhaut abschneiden und die Katze so verletzen. Ein Tierarzt kann genau zeigen, welche LĂ€nge gut geeignet ist. Im Zweifel aber lieber zu wenig abschneiden und dafĂŒr hĂ€ufiger kĂŒrzen als zu vielâ, so das Fazit von Dr. Oelmann.
Katzenkrallen sind also weit mehr als nur âscharfe Spitzen an der Pfoteâ â sie sind ein zentrales Werkzeug im Leben der Tiere. Wer ihre Funktion versteht und regelmĂ€Ăig kontrolliert, sorgt dafĂŒr, dass die Samtpfote gesund und beweglich bleibt.
(Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare