Hilpoltstein / Bayern – In mehreren Regionen Bayerns sind erneut Greifvögel mit dem hochgiftigen Insektizid Carbofuran vergiftet worden. Betroffen sind unter anderem die Landkreise Eichstätt, Freising, Miltenberg und Traunstein. In einem Fall konnte ein Habicht nach einer Vergiftung noch gerettet werden.
Der bayerische Naturschutzverband LBV und die Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) sprechen von mindestens sieben bestätigten oder stark verdächtigen Vergiftungsfällen in den vergangenen Wochen und Monaten. Das Gift Carbofuran ist seit Jahren verboten und gilt auch für Menschen als hochgefährlich.
Dramatischer Fall mit „Kamikaze-Taube“
Ein besonders dramatischer Fall ereignete sich Anfang April im unterfränkischen Eschau im Landkreis Miltenberg. Dort wurde ein lebender Habicht neben einer toten Taube entdeckt, die als Köder präpariert war. Bei dem sogenannten „Kamikaze-Taube“-Fall war das Tier mit einem auffällig pinkfarbenen Pulver versehen. Eine toxikologische Untersuchung bestätigte später Spuren des Insektizids bei beiden Tieren. Der Habicht konnte durch eine schnelle tierärztliche Behandlung gerettet werden.
Mehrere weitere Fälle in Oberbayern
Wenige Wochen später wurden weitere Vergiftungen gemeldet: drei Mäusebussarde im Landkreis Freising, ein Rotmilan im Landkreis Eichstätt sowie ein weiterer Rotmilan im Landkreis Traunstein. In mehreren Fällen bestätigten Untersuchungen den Verdacht auf Carbofuran.
Auffällig war im Fall der Bussarde bei Allershausen, dass die Tiere an einem Ort zusammen gefunden wurden. Beim Rotmilan im Landkreis Eichstätt zeigten sich typische Vergiftungssymptome wie verkrampfte Fänge und Speichel vor dem Schnabel. Im Landkreis Traunstein war der Fundort bereits in der Vergangenheit durch ähnliche Fälle bekannt.
„Wer einen Greifvogel vergiftet, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine ernstzunehmende Straftat“, erklärt Christoph Bauer, der das Projekt „Tatort Natur“ beim LBV betreut. „Wir bringen deshalb jeden Fall zur Anzeige.“
LBV und GLUS warnen zudem eindringlich vor der Gefahr für Menschen und Haustiere. „Die von den Tätern verwendeten Giftstoffe sind auch für Menschen und Haustiere hochgefährlich. Fassen Sie nichts an, was verdächtig erscheint“, sagt Franziska Baur, Fachreferentin für Naturschutz bei der GLUS.
Hinweise auf mögliche Vergiftungsfälle sollen an die Polizei oder über die Plattform www.tatort-natur.de gemeldet werden.
(Quelle: LBV / Gregor Louisoder Umweltstiftung / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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