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Innpuls-Tagebuch – Hinter den Schlagzeilen: Wie viel Leben vertragen Rosenheims Flussufer?

Karin Portrait-Foto. Flotomontage mit Hintergrund.

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

14. August 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim – Im Rosenheimer Mühlbachbogen gibt es seit Kurzem mit dem Bachgartn ein neues temporäres gastronomisches Angebot direkt am Wasser. Am Innspitz lädt der Kulturstrand noch bis zum 22. August zum Sitzen, Zuhören und Verweilen ein – und dort bin ich selbst gerne. An solchen Orten kann man im Sommer wunderbar ein Getränk genießen, Freunde treffen und einfach eine Weile bleiben. Gerade bei diesen Temperaturen ist das besonders schön. Und trotzdem sollten wir bei aller Freude über solche Angebote eine Frage nicht aus den Augen verlieren: Wie viel Belebung vertragen Rosenheims Flussufer eigentlich?

Rosenheim ist eine kompakte Stadt. Viele Menschen leben auf vergleichsweise engem Raum. Gleichzeitig haben wir etwas, das für die Lebensqualität enorm wichtig ist: Grünflächen und die Flusslandschaften von Inn, Mangfall und ihren Nebenbächen.
Gerade in diesem Sommer hat man wieder gemerkt, wie wertvoll diese Bereiche sind. Wenn es in der Stadt heiß wird, zieht es viele Menschen ans Wasser. Dort ist es kühler, grüner und meistens angenehmer als zwischen Häusern und Asphalt.

Dass die Flussufer gerne genutzt werden, ist deshalb nur logisch. Der Kulturstrand zeigt, wie gut solche Angebote angenommen werden. Und auch am neuen Bachgartn am Mühlbachbogen ist bereits einiges los. Sich mit Freunden treffen, am Wasser sitzen und den Abend genießen – was gibt es Schöneres?

Nicht alles, was gut angenommen wird, muss mehr werden

Die Stadt prüft derzeit weitere mögliche Standorte für temporäre gastronomische Angebote an Inn, Hammerbach und Mangfall. Grundsätzlich finde ich das interessant. Aber genau hier würde ich mir wünschen, dass wir nicht in ein „Immer mehr“ hineinrutschen.
Wenn ein Angebot funktioniert, muss daraus nicht automatisch das nächste entstehen. Und wenn mehrere Angebote gut angenommen werden, bedeutet das noch lange nicht, dass jeder geeignete Platz ebenfalls genutzt werden sollte.Denn irgendwann kann aus Belebung Übernutzung werden.

Unsere Flussufer sind nicht nur Orte für Freizeit und Veranstaltungen. Sie sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Und sie sind Rückzugsräume für Menschen. Auch wir brauchen nicht überall Musik, Sitzgruppen, Getränke und Unterhaltung, damit ein Ort attraktiv ist. Manchmal ist es genau das Gegenteil. Ein Platz am Wasser, an dem nichts passiert, kann wunderbar sein. Ein Weg am Fluss, auf dem ich nur das Wasser rauschen höre, kann mehr Erholung bieten als der schönste Eventabend. Eine Wiese unter Bäumen, auf der niemand etwas verkauft, hat ebenfalls ihren Wert.

Auch wir brauchen Orte, an denen nichts los ist

Vielleicht sollten wir deshalb bei der Frage nach der Belebung unserer Flussufer nicht nur überlegen, was wir noch zusätzlich anbieten können. Vielleicht sollten wir genauso überlegen, welche Bereiche bewusst nicht belebt werden. Denn Natur braucht Rückzugsräume. Tiere brauchen Ruhe. Und wir Menschen übrigens auch. Nicht jeder freie Platz muss genutzt werden. Nicht jede schöne Stelle braucht einen Kiosk. Nicht jeder Sommerabend muss mit Musik und Gastronomie verbunden sein.

Das bedeutet nicht, dass ich mir den Kulturstrand wegwünsche. Ganz im Gegenteil. Ich genieße ihn selbst. Aber gerade weil ich solche Angebote mag, finde ich es wichtig, irgendwann auch sagen zu können: Jetzt reicht es. Das gilt übrigens nicht nur für die Stadt.

Wenn wir die Flussufer gerne nutzen, tragen auch wir Verantwortung dafür, dass sie schön und lebenswert bleiben. Müll gehört wieder mit nach Hause oder in den Mülleimer. Rücksicht auf andere gehört dazu. Und vielleicht müssen wir uns auch selbst manchmal fragen, ob wir wirklich jeden Winkel der Natur nutzen müssen, nur weil wir ihn nutzen können.

Die Natur muss nicht für uns ständig etwas bieten

Die Renaturierung der Rosenheimer Flusslandschaften hat uns etwas Wertvolles zurückgegeben. Wir sollten aufpassen, dass wir dieses Geschenk nicht gleich wieder mit zu viel Nutzung überfrachten. Für mich ist deshalb nicht die Frage, ob Rosenheim seine Flussufer beleben darf. Natürlich darf es das. Der Kulturstrand darf da sein, und auch einige weitere zeitlich begrenzte Angebote kann ich mir grundsätzlich vorstellen. Aber eben nicht überall und nicht immer mehr. Denn vielleicht liegt die Qualität unserer Flusslandschaften gerade darin, dass sie beides bieten: Orte, an denen etwas los ist, und Orte, an denen nichts los ist.

Und vielleicht sollten wir bei allem Wunsch nach mehr Leben in der Stadt darauf achten, dass wir nicht genau das verlieren, was uns an diesen Orten eigentlich so gut gefällt: ihre Ruhe, ihre Natur und das Gefühl, für einen Moment einfach draußen zu sein. Vielleicht ist manchmal gerade das Nichtstun die schönste Form der Erholung.

Liebe Grüße aus der Redaktion

Karin

2 Kommentare

  1. Tatsache ist, dass das für junge Leute ein schönes Angebot ist. Nur was bringt das zusätzliche Angebot? Im Moment für einen Teil der Bevölkerung viel. Aber was passiert hier. Es wird Konsumpotential verschoben. Was da hinpilgert, fehlt in der Stadt. Die Einnahmen natürlich auch. Ich kann mir aber vorstellen, dass dieser Trend nicht sehr lange anhält. Man wird an anderer Stelle nachziehen wollen. Irgendwann hat sich das erledigt. Dann werden aber die Cafes in der Stadt auch nicht mehr in der Zahl existieren. Den Schaden haben die älteren Semester, die dort mangels Mobilität nicht hinpilgern konnten, bzw. sich in diesen Kreisen nicht besonders wohl fühlen. Es ist immer gut, wenn eine Stadt auch auf ihre jungen Leute schaut. Aber die werden auch mal älter und verändern ihre Prioritäten, was dann?

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  2. Sehr geehrte Frau Wunsam,

    man sieht, dass Sie noch einer ganz anderen Zeitepoche und damit einer anderen Zeitqualität entstammen – ebenso wie ich.

    Wir Kinder der 60er, 70er und 80er Jahre sind noch analog aufgewachsen, uns war im besten Sinne des Wortes noch analog langweilig.

    Wer von uns erinnertsich nicht: Als Kind war einem eben stundenlang langweilig, und man musste sich draußen in Wald Wiese oder Stadt selbst beschäftigen. Dadurch sind wir automatisch intensiver mit der Natur, mit Wind und Wetter und mit Tieren und Pflanzen in Kontakt gekommen.

    Die nachwachsende Generation ist heute leider komplett videospielgestört, handy- und internetverseucht.
    Wenige Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

    Die maximale Aufmerksamkeitsspanne junger Leute liegt gemessen (!) heute zwischen 60 und 90 Sekunden; längere Zusammenhänge oder Texte werden beim Lesen gar nicht mehr wirklich verstanden. Das passiert auch deshalb, weil jene Ruhepunkte, deren Verlust Sie in Ihrem Beitrag zu Recht bedauern, immer mehr verloren gehen. Diese unschätzbare Erfahrung des analogen Aufwachsens und des Innehaltens geht der heutigen Jugend meines Erachtens leider komplett abhanden.

    Ein gutes Beispiel dafür ist aus meiner Sicht auch unser neuer Oberbürgermeister, der ja selbst schon aus der „Generation Handy Plus“ kommt und dabei statt auf Qualität und Erholung zu setzen, Rosenheim gefühlt lieber in eine Art „Eventstadel“ verwandeln würde. Alles immer mehr, immer schneller, immer hetischer immer größer.

    Für Orte der Ruhe, der Entspannung, des Insichgekehrtseins oder gar der Meditation hat man heutzutage schlichtweg keinen Blick und kein Gespür mehr. Das ist sehr schade.

    Viele Menschen sind genau wegern dieser Ruhe und Be schaulichkeit einst bewusst hierhergezogen:
    Weil Rosenheim eine ruhige und überschaubare Stadt mit hoher Lebensqualität war.
    Mittlerweile findet man sich hier jedoch viel eher in einer Kulisse wieder, die an München-Pasing, Remscheid, Gütersloh oder Duisburg erinnert.

    Das Absurde an dieser Entwicklung ist doch: Durch diesen unaufhörlichen Drang nach „immer mehr, immer schneller und immer größer“ wird am Ende genau das schrittweise zerstört, was die Menschen ursprünglich einmal so sehr an Rosenheim geschätzt und hierhergezogen hat.

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