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Aschau 1901: Die tragische Geschichte hinter dem Kirchweih-Marterl

Das Marterl mit Blick auf Schloss Hohenaschau. Foto: H. Reiter

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

18. Oktober 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Aschau / Landkreis Rosenheim – Bei Kirchweih denken die meisten an Feststimmung, gutes Essen und gelebtes Brauchtum. In Aschau im Chiemgau nahm das Fest im Oktober 1901 jedoch ein tragisches Ende: Nach einem Streit vor einem Wirtshaus wurde der Forstgehilfe Lorenz Huber mit einem Messer tödlich verletzt. Ein Marterl im Ortsteil Weidachwies erinnert bis heute an die Tat am sogenannten Horn-Baum. Um das Kleindenkmal rankt sich auch eine unheimliche Geschichte.

Ein Marterl erinnert an einen grausamen Mord im Jahr 1901 und an eine unheimliche Geschichte. Foto: H. Reiter

Dieses Marterl in Aschau im Chiemgau erinnert an einem grausamen Mord im Jahr 1901 und an unheimliche Geschehnisse danach. Fotos: H. Reiter

Am 14. Oktober 1901 trafen sich Einheimische und Arbeiter in einem Wirtshaus in Aschau, um nach getaner Arbeit gemeinsam Kirchweih zu feiern. Damals waren mehrere hundert in- und ausländische Arbeiter mit Verbesserungsmaßnahmen im Zuge der Prien-Regulierung beschäftigt. Im Wirtshaus ging es laut den überlieferten Aufzeichnungen zünftig zu, bis ein Streit eskalierte.
Beteiligt waren der Forstgehilfe Lorenz Huber aus Hohenaschau und ein Erdarbeiter aus Kolbermoor. Huber verließ die Gaststätte, sein Kontrahent folgte ihm. Draußen, unter einem Baum, versetzte der Arbeiter dem Forstgehilfen einen tödlichen Messerstich.

Ein tödlicher Streit mit Folgen

Wie Max Ziegmann in seinem Buch „Aschau, wie es früher war“ berichtet, wurde der Täter zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Dabei wurden mildernde Umstände berücksichtigt. Therese Huber aus Bach, eine Enkelin des Ermordeten, berichtete später, der Täter habe drei oder vier Kinder gehabt. Auch das soll bei der vergleichsweise milden Strafe eine Rolle gespielt haben.

Der Mann aus Kolbermoor starb einige Jahre nach seiner Freilassung selbst durch einen Messerstich. Mit der Zeit schien die Erinnerung an die Tat am Horn-Baum zu verblassen. Doch dann soll sich dort eine Begegnung ereignet haben, die der Überlieferung nach zur Errichtung eines Marterls führte.

Eine unheimliche Begegnung am Horn-Baum

Ein Arzt aus Westfalen, der zur Sommerfrische in Aschau weilte, kam eines Tages mit seinem Wagen an dem Baum vorbei. In den heimatkundlichen Aufzeichnungen wird die Begegnung so beschrieben: „Er sah unter dem Baume einen Mann in Jägeruniform stehen, der ihn mit starren bittenden Augen unaufhörlich ansah, so dass der Arzt seinen Wagen nur in ganz langsamer Fahrt an der Erscheinung vorüber steuern konnte.“
Bei seinen anschließenden Nachforschungen soll der Arzt herausgefunden haben, dass der Mann in Jägeruniform der ermordete Lorenz Huber gewesen sei. Beide hatten demnach in München in derselben Kompanie gedient. Aus Verbundenheit mit seinem früheren Kameraden ließ der Arzt ein Marterl errichten und Seelenmessen lesen.

Das Marterl wurde mehrfach restauriert

Nachdem das erste Marterl durch Witterungseinflüsse beschädigt worden war, ließ Freiherr Ludwig von Cramer-Klett später ein künstlerisch gestaltetes Marterl anfertigen.
Im Jahr 2001 nahmen sich die beiden Aschauer Bernt Reiter und Günther Mayer des Bildkreuzes an. In vielen Arbeitsstunden restaurierten sie das Kleindenkmal im Ortsteil Weidachwies unweit der Burg Hohenaschau. In jüngerer Zeit wurde es erneut vom Aschauer Heimat- und Geschichtsverein renoviert.

Das Marterl erinnert damit an eine tödliche Auseinandersetzung während einer Kirchweihfeier vor 125 Jahren. Zugleich bewahrt es die überlieferte Geschichte um den Tatort und die ungewöhnliche Begegnung, die zur Errichtung des ersten Gedenkzeichens geführt haben soll.
Weitere Informationen zur Geschichte gibt es im Quellenband, der in der Tourist-Info Aschau im Chiemgau erhältlich ist.
(Quelle: Artikel: H. Reiter / Beitragsbild, Foto: Copyright H. Reiter)

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