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Ausgerechnet am heißesten Tag: Was der Siebenschläfertag wirklich über den Sommer verrät

Blick auf eine große Wiese. Foto: re

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

27. Juni 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim / Region / Bayern -Bis zu 36 Grad werden heute in der Region Rosenheim erwartet, in anderen Teilen Bayerns könnten die Temperaturen sogar noch höher steigen. Ausgerechnet dieser Hitzetag ist der Siebenschläfertag – jener Lostag, um den sich seit Jahrhunderten eine der bekanntesten Bauernregeln rankt. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich dahinter?

Der heutige Samstag (27.6.2026) bringt den Höhepunkt einer außergewöhnlich heißen Woche. Während in der Region Rosenheim Temperaturen von bis zu 36 Grad erwartet werden, wurden im unterfränkischen Kitzingen bereits am Freitag 40,8 Grad gemessen. Bereits am morgigen Sonntag sollen Gewitter zum Abend hin für Abkühlung sorgen, ehe die Temperaturen zu Beginn der kommenden Woche spürbar zurückgehen.

Doch der 27. Juni ist nicht nur wegen der Hitze ein besonderer Tag. Es ist Siebenschläfertag – jener Lostag, auf den Generationen von Bauern mit besonderer Aufmerksamkeit blickten. Denn nach einer alten Wetterregel soll sich an diesem Zeitpunkt bereits zeigen, welche Richtung der Sommer einschlägt.

Die wohl bekannteste Fassung lautet: „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Was zunächst wie alter Volksglaube klingt, besitzt tatsächlich einen wissenschaftlich nachvollziehbaren Hintergrund. Zwar entscheidet nicht das Wetter an einem einzigen Tag über den gesamten Sommer. Dennoch gehört die Siebenschläferregel zu den wenigen Bauernregeln, denen Meteorologen eine gewisse statistische Aussagekraft bescheinigen.

Mit dem Nagetier hat der Siebenschläfertag nichts zu tun

Aber zuerst einmal: Der Name führt viele in die Irre. Denn mit dem kleinen nachtaktiven Nagetier hat der Siebenschläfertag überhaupt nichts zu tun. Seinen Ursprung hat der Lostag in einer christlichen Legende. Der Überlieferung nach versteckten sich im 3. Jahrhundert sieben junge Christen während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius in einer Höhle bei Ephesos im Gebiet der heutigen Türkei. Die Höhle wurde verschlossen, die jungen Männer galten als tot. Der Legende zufolge erwachten sie jedoch viele Jahrzehnte später wieder. Dieses Ereignis wurde später zum Gedenktag der sogenannten „Sieben Schläfer von Ephesos“, aus dem sich der heutige Siebenschläfertag entwickelte.

Interessant ist noch ein weiteres Detail: Als die Bauernregel entstand, galt noch der Julianische Kalender. Durch die spätere Kalenderreform verschob sich der meteorologisch relevante Zeitraum um rund zehn Tage. Deshalb weisen Meteorologen heute darauf hin, dass für die Großwetterlage eher die Zeit um den 7. Juli als der exakte Kalendertag am 27. Juni entscheidend ist.

Warum die Bauernregel ausgerechnet in Bayern oft erstaunlich treffsicher ist

Die meisten Bauernregeln beruhen auf jahrhundertelangen Beobachtungen, lassen sich wissenschaftlich aber kaum belegen. Beim Siebenschläfertag ist das anders.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zeigt die Regel insbesondere im Süden Deutschlands eine überraschend hohe Trefferquote. Während sie im Norden lediglich in etwa 40 bis 50 Prozent der Jahre zutrifft, liegt sie im Alpenvorland und in weiten Teilen Bayerns bei rund 60 bis 70 Prozent. Damit ersetzt sie zwar keine Wettervorhersage, beschreibt aber einen statistischen Trend, der sich über viele Jahrzehnte beobachten lässt.

Der Grund dafür liegt in der geografischen Lage. Süddeutschland wird stärker von stabilen Großwetterlagen beeinflusst als Norddeutschland, wo atlantische Tiefdruckgebiete das Wetter häufiger wechseln lassen. Deshalb kann sich eine einmal entstandene Wetterlage in Bayern oft deutlich länger halten.

Der Jetstream gibt den Ausschlag

Verantwortlich dafür ist der sogenannte Jetstream – ein Starkwindband in rund zehn Kilometern Höhe, das die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten steuert.

Ende Juni und Anfang Juli stellt sich dieses Windsystem über Europa häufig neu ein. Liegt der Jetstream weiter nördlich, können sich Hochdruckgebiete über Mitteleuropa festsetzen. Die Folge sind oft längere warme und trockene Wetterphasen. Verläuft er dagegen weiter südlich, gelangen immer wieder Tiefdruckgebiete mit kühler und feuchter Luft nach Deutschland. Dieses Strömungsmuster bleibt häufig über mehrere Wochen weitgehend stabil – und genau darin sehen Meteorologen den wissenschaftlichen Kern der alten Bauernregel.

Was bedeutet das für den Sommer 2026? Obwohl bereits am Sonntag Gewitter erwartet werden und die Temperaturen zu Beginn der kommenden Woche vorübergehend zurückgehen sollen, sprechen die derzeitigen Großwetterlagen eher gegen einen dauerhaft kühlen und nassen Sommer. Vielmehr könnte es im weiteren Verlauf immer wieder längere warme oder heiße Phasen geben.

Ob die Bauernregel diesmal wieder richtig liegt, wird sich im Laufe des Sommers zeigen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Info: Deutscher Wetterdienst (DWD), DWD-Wetterlexikon, DWD-Informationen zum Siebenschläfertag / Beitragsbild: Symbolfoto re)

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