Deutschland / Bayern / Rosenheim – Katzen haben den Ruf, vor allem ihrem eigenen Willen zu folgen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht lernen und erzogen werden können. Im Gegenteil: Mit der richtigen Methode lassen sich Katzen sanft und effektiv trainieren.
Eine bewährte Technik, um etwa das Kratzen an Möbeln oder das Betteln um Futter zu unterbinden, ist dabei das Clickertraining.„Clickertraining basiert auf dem Prinzip der positiven Verstärkung“, erklärt Katzenexpertin und Diplom-Biologin Birgit Rödder, die mit der Katzen-Clicker-Box einen Ratgeber sowie Trainings- und Übungskarten zum Ausprobieren veröffentlicht hat. „Anstatt eine Katze bei Fehlverhalten zu bestrafen, wird sie für erwünschtes Verhalten belohnt. Dafür braucht man nur einen Clicker, also ein kleines Gerät, das ein klickendes Geräusch macht. Alternativ funktioniert aber auch Zungenschnalzen oder ein eindeutiges Wort gut. Diese sogenannten Marker sollten aber nur während des Trainings eingesetzt werden, sonst verlieren sie ihre Bedeutung“, erklärt die Expertin. „In einem ersten Schritt verknüpft man das Geräusch zum Beispiel mit einer Leckerei, bis es zuverlässig das Futter ankündigt. Anschließend kann man der Katze durch das Geräusch mitteilen, welches spezielle Verhalten Erfolg verspricht. Nach einigen Wiederholungen verbindet sie beides und wird das positive Verhalten öfter zeigen. Katzen lernen so sehr schnell und sehr gerne kleine Tricks, da sie viele Erfolgserlebnisse hintereinander erzielen. Haben sie auf diese Art das Prinzip verstanden, kann man die Trainingsmethode auch erzieherisch einsetzen.“
Wann ist Clickertraining sinnvoll?
Clickertraining kann in vielen Situationen helfen: Kratzt die Katze etwa häufig am Sofa, braucht sie eine Alternative, beispielsweise einen Kratzbaum. Wenn sie diesen nutzt, wird geklickt, belohnt und der Kratzbaum wird so positiv verknüpft. „Auch wenn es ums Futter geht, gibt es so manches unerwünschtes Verhalten bei Katzen. Die einen betteln am Tisch, wenn ihre Halter etwas essen wollen, die anderen sind ganz aufgeregt, wenn sie selbst ihr Futter bekommen sollen“, beschreibt die Biologin. „Mit etwas Geduld kann man der Katze dann aber beibringen, sich ruhig hinzusetzen und zu warten und dieses Verhalten mit einem Click belohnen und verstärken. Man beginnt mit einer bis sehr wenigen Sekunden, damit sie schnell lernt, dass sich Warten lohnt. Die Dauer kann man anschließend langsam auf mehrere bis viele Minuten steigern.“
Ängstliche oder scheue Katzen profitieren vom Clickertraining noch auf eine weitere Art: Die Bestätigung durch den Halter, dass das Verhalten erwünscht ist, gibt ihnen mehr Sicherheit und stärkt die Bindung. Der Mensch wird zu einem wichtigen und geliebten Trainingspartner. Hat die Katze Angst vor der Transportbox, lässt sich die Box mit Clickertraining positiv verknüpfen und der Tierarztbesuch wird weniger stressig. Neben den erzieherischen Aspekten lässt sich Clickertraining aber auch beim gemeinsamen Spielen und zur Beschäftigung einsetzen. So wird die Katze mental gefordert und es kommt keine Langeweile auf.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Clickertraining ist im Prinzip einfach, erfordert aber Geduld und Konsequenz. Die folgenden Schritte helfen, es richtig aufzubauen:
- Konditionierung: Das Geräusch positiv verknüpfen
„Die Grundlage bei dieser Methode ist, dass die Katze das Click-Geräusch mit einer Belohnung, also positiv verknüpft“, erklärt Rödder. „Zu Beginn sollte man daher 15- bis 30-mal maximal zwei Sekunden nach dem Click ein Futterstück liefern, damit sie diese Verbindung herstellt, ohne dass sie etwas Besonderes machen muss. Da kann es auch helfen, besonders leckere Belohnungen anzubieten, bevor man später beispielsweise mit Trockenfutter belohnt.“
- Gezieltes Clicken
Die zweite wichtige Grundlage ist das Timing. Damit die Katze das gewünschte Verhalten mit dem Geräusch verknüpft, muss genau in dem Moment, in dem sie es zeigt, auch das Signal erfolgen. Die Belohnung sollte dann zügig folgen.
- Konsequenz und Geduld
„Gerade am Anfang kann es noch ein bisschen dauern, bis die Katze zuverlässig reagiert“, so die Expertin. „Es ist daher wichtig, dass man das Training regelmäßig wiederholt, damit es sich festigen kann. Optimal sind dafür immer kurze Einheiten von fünf, maximal zehn Minuten.“
Häufige Fehler beim Clickertraining mit Katzen
Zu den häufigen Fehlern gehört für Rödder zu spätes Clicken, sodass die Samtpfote das Geräusch nicht mit der gewünschten Handlung in Verbindung bringt. Clicken ohne folgende Belohnung sollte man ebenfalls vermeiden. Dadurch verliert der Marker seine Wirkung als sichere Ankündigung der Leckerei. Auch die Katze mit dem Geräusch herbeizurufen, ist nicht zu empfehlen; eventuell verstärkt man damit eine eigentlich unerwünschte Beschäftigung, zum Beispiel eine andere Katze zu ärgern oder – auch unbemerkt – den Vorhang zu zerrupfen.
„Wichtig ist außerdem, die Katze nur mit kleinen Leckereien zu belohnen, sonst wird sie schnell satt und verliert die Motivation, weiterzumachen“, erklärt Rödder. „Ungünstig ist auch, erwünschtes Verhalten nach dem erfolgreichen Training gar nicht mehr zu verstärken. Die Katze vergisst das Gelernte sehr schnell wieder oder reagiert sogar frustriert und mit Verhaltensweisen, die man nicht mehr sehen wollte. Bei erfolgreichen Übungen lernt sie die Zusammenhänge sehr schnell. Lässt man dann den einen oder anderen Click aus, behält sie es besser im Gedächtnis. Aber auch später sollte ihr angenehmes Verhalten zumindest gelegentlich belohnt werden, damit sie weiter mitspielt, man darf sich gerne mit der Katze über ihre Kooperation freuen.“
Unerwünschtes Verhalten sollte zudem nicht bestraft werden. Clickertraining funktioniert nur über die Belohnung und hilft so dabei, ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier aufzubauen. Eine Bestrafung führt dagegen schnell zu Verunsicherung und zum Verlust des Vertrauens.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)