Rosenheim – Seit Jahren wird über eine barrierefreie Gestaltung des Rosenheimer Max-Josefs-Platzes diskutiert. Zahlreiche Vorschläge wurden erwogen und wieder verworfen. Nun zeichnet sich erstmals eine konkrete Lösung ab: Der Stadtrat spricht sich einstimmig für einen pragmatischen Ansatz aus, der Barrierefreiheit verbessern soll, ohne das historische Erscheinungsbild grundlegend zu verändern.
Die Pflasterung des Rosenheimer Max-Josefs-Platzes sorgt seit Langem für Probleme. Das historische, unebene Kopfsteinpflaster mit seinen breiten Fugen erschwert die Fortbewegung – insbesondere für Menschen mit Gehilfen, Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen. Immer wieder wurde daher darüber beraten, wie die „gute Stube“ der Stadt barrierefreier gestaltet werden könnte.
Nun scheint tatsächlich eine Lösung gefunden zu sein. In der letzten Stadtratssitzung des Jahres 2025 sprachen sich die Rosenheimer Stadträte einstimmig für eine Umgestaltung des Platzes aus. Der gewählte Ansatz ist dabei bewusst pragmatisch.
Historisches Pflaster soll weitgehend erhalten bleiben
Geplant ist, das historische Pflaster weitgehend zu erhalten und stattdessen einen glatten, fugenlosen Plattenstreifen zu integrieren. Dieser soll die Begehbarkeit deutlich verbessern. Der Vorteil: Das gewohnte Erscheinungsbild des Platzes bleibt größtenteils erhalten, gleichzeitig können Kosten eingespart werden.
Den neuerlichen Anstoß für die barrierefreie Umgestaltung gaben die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD. Mit einem gemeinsamen Eilantrag zur Haushaltsberatung 2026 beantragten sie, bis zu 500.000 Euro für die Maßnahme bereitzustellen. Ziel ist ein ebener, glatter und fugenfreier Durchgang mit einer Breite von rund 1,50 Metern, der eine barrierefreie Querung des Max-Josefs-Platzes ermöglichen soll.
Barrierefreie Anbindung über Heilig-Geist-Straße
Grundlage des Antrags ist eine Konzeption der Initiative für barrierefreies Bauen, die im Rahmen einer Begehung des Platzes im Dezember vorgestellt wurde. Teil des Vorschlags ist auch eine barrierefreie Anbindung über die Heilig-Geist-Straße und die Hafnerstraße.
„Der Max-Josefs-Platz ist das Herz unserer Stadt – und genau dort darf niemand ausgeschlossen werden“, betont CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller. „Für viele Menschen mit Behinderung, für Senioren oder Menschen mit Rollator oder Rollstuhl ist der Platz heute nur eingeschränkt nutzbar. Das wollen wir ändern – pragmatisch, behutsam und mit Respekt vor dem historischen Stadtbild.“
Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan unterstreicht die Bedeutung des gemeinsamen Antrags: „Barrierefreiheit ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Frage der Teilhabe und der Würde. In Rosenheim leben fast 9.000 Menschen mit anerkannter Behinderung. Wer von einer lebendigen Innenstadt spricht, muss dafür sorgen, dass sie für alle erreichbar ist – unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen.“
In der Stadtratssitzung wenige Tage vor Weihnachten stieß der Vorschlag fraktionsübergreifend auf breite Zustimmung. Besonders positiv bewertet wurde, dass durch die nun gefundene Lösung eine großflächige Entfernung der bestehenden Pflasterung und damit eine aufwendige Großbaustelle vermieden werden kann.
Zustimmung von allen Fraktionen
Auch aus anderen Fraktionen kam Lob für den Ansatz. AfD-Stadtrat Andreas Kohlberger regte an, den barrierefreien Streifen auch im Bereich des Nepomukbrunnens zu prüfen. Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, würdigte die Arbeit der Projektgruppe. Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Rutz erklärte: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Planungen voranzutreiben.“
Konkret vorgesehen ist die Verlegung großformatiger, fugenfreier Steine. Einstimmig beschloss der Stadtrat, die Stadtverwaltung mit der weiteren Planung zu beauftragen. Ein entsprechender Umsetzungsvorschlag soll dem Gremium bis spätestens 30. Juni 2026 vorgelegt werden.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Josefa Staudhammer)