Rosenheim – Bei Kopfschmerzen schnell eine Tablette, bei einer Erkältung zum nächsten Medikament greifen: Das ist im Alltag oft der einfachste und schnellste Weg. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Hausmitteln, die schon unsere Vorfahren kannten und schätzten. Vieles davon ist in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. Judith Koch holt dieses Wissen mit ihrem Buch „Kräutertee und Wadenwickel“ wieder in den Alltag zurück.
Buchcover Kräutertee und Wadenwickel. Foto: re
Judith Koch ist ausgebildete Kräuterpädagogin und hat ihre Ausbildung an der Gundermann-Akademie absolviert. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sie sich mit traditionellen und heilungsfördernden Methoden. Darüber hat sie mehr als 200 Beiträge für verschiedene Journale und Zeitschriften sowie inzwischen drei Bücher verfasst „Immer wieder entdecke ich während meiner Recherchen neue und weitere alte vergessene Methoden, die unsere Vorfahren mündlich, manchmal auch in kleinen Hausbüchern schriftlich, innerhalb der Familie weitergegeben haben“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort.
Vom Zahnschmerz bis zur Schlafstörung
Das Buch ist ausgesprochen umfangreich. Judith Koch beschreibt Hausmittel für eine große Bandbreite an Beschwerden – von Zahnschmerzen, Stress und Schlafstörungen über Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen bis hin zu Gelenk- und Nervenschmerzen, Migräne, Rheuma oder Rückenschmerzen. Auch für Wundreinigung und gynäkologische Beschwerden gibt es Anwendungen. Ein eigenes Kapitel widmet sich den kleinen Patienten.
Dabei beschränkt sich die Autorin nicht auf Kräutertees. Vorgestellt werden unter anderem Wickel, Bäder, Kissen, Salben, Tropfen, Öle, Inhalationen, Suppen, Sirups und Packungen. Damit wird das Buch tatsächlich zu einer Art Nachschlagewerk für die Hausapotheke.
Gut gefällt mir, dass die Autorin dabei nicht in Kräuterromantik verfällt. Die Anwendungen werden sachlich und verständlich erklärt. Auch die Grenzen der Selbstbehandlung werden angesprochen. Gerade beim Kapitel über Kinder geht Koch detailliert darauf ein, was je nach Alter zu beachten ist, wie dosiert werden sollte und wann ärztlicher Rat notwendig ist.
Vieles lässt sich sofort ausprobieren
Ein weiterer Pluspunkt ist die Alltagstauglichkeit. Für manche Anwendungen braucht man kaum mehr als das, was ohnehin in der Küchenvorratskammer zu finden ist. Andere lassen sich mit fertigen Tropfen, Ölen oder Salben aus dem Drogeriemarkt umsetzen.
Wer sich intensiver mit Kräutern beschäftigen möchte, kann dagegen tiefer einsteigen. Einige Rezepte setzen voraus, dass man Pflanzen selbst erkennt, sammelt und verarbeitet. Das braucht Zeit und etwas Einarbeitung. Und genau hier liegt für mich auch ein Reiz des Buches: Bei Kopfschmerzen ist es natürlich bequemer, eine Tablette zu nehmen und auf schnelle Wirkung zu hoffen. Wer sich auf die Welt der Hausmittel einlässt, muss manchmal Geduld mitbringen. Dafür lernt man etwas und verbringt vielleicht auch wieder mehr Zeit in der Natur.
Praktisch sind die Icons bei den einzelnen Rezepten. Sie zeigen auf einen Blick, ob etwas schnell zubereitet ist, Vorbereitungs- oder Ziehzeit benötigt oder sich als Vorrat eignet.
Mein Fazit
„Kräutertee und Wadenwickel“ ist für mich ein bodenständiges und gut gemachtes Nachschlagewerk für den Haushalt. Es erinnert an einen Erfahrungsschatz, der lange Zeit etwas in Vergessenheit geraten ist, und macht ihn für den heutigen Alltag wieder zugänglich.
Wer sich für Hausmittel interessiert und nicht bei jedem kleinen Wehwehchen sofort zur Tablette greifen möchte, findet hier viele Anregungen. Für mich ein Buch, das man nicht unbedingt erst dann aus dem Regal holen sollte, wenn man schon krank ist – sondern besser vorher.
(Quelle: Buchkritik von Karin Wunsam / Cover: Verlag Einhorn)
Kräutertee und Wadenwickel
Judith Koch
Verlag Einhorn
28 Euro



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