Der Saal im Happinger Hof war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Sitzplätze reichten nicht für alle Besucher aus, einige mussten stehen. Auch zahlreiche Stadträte waren gekommen. Wie bei Bürgerversammlungen üblich, konnten sie sich an der Diskussion allerdings nicht aktiv beteiligen.
Die Versammlung verlief insgesamt ruhig. Erdogan und Vertreter der Stadtverwaltung informierten sachlich über die verschiedenen Themen. Vereinzelt gab es Applaus, ansonsten waren aus dem Publikum nur wenige Reaktionen zu hören – auch bei den Bauvorhaben, die in der Vergangenheit teils heftige Diskussionen ausgelöst hatten.
Von der Finanzlage bis zur Wohnungsnot
Die erste Stunde war zunächst den großen Herausforderungen gewidmet, die Rosenheim insgesamt betreffen. Dazu zählten das Bevölkerungswachstum, der demografische Wandel, die angespannte Finanzlage, die Wohnungsnot und die Folgen des Klimawandels.
Ein wichtiger Punkt war die Finanzierung der RoMed-Kliniken. Erdogan verwies auf die finanziellen Herausforderungen, die auf die Stadt zukommen. Stadt und Landkreis Rosenheim tragen die Defizite des gemeinsamen Klinikverbunds jeweils zur Hälfte. Für das Jahr 2027 werden angesichts geplanter bundespolitischer Änderungen weitere finanzielle Belastungen befürchtet.
Auch das ehemalige Königliche Oberbahnamt am Südtiroler Platz beim Bahnhof kam zur Sprache. Das denkmalgeschützte Gebäude steht seit Jahren leer. Die Stadt hatte es 2019 an einen privaten Investor verkauft. Da die geplante Sanierung nicht umgesetzt wurde, strebt die Stadt eine Rückabwicklung des Verkaufs an. Der Rechtsstreit mit dem Investor ist noch nicht abgeschlossen.
Sollte das Gebäude wieder in städtischen Besitz kommen, kann sich Erdogan einen erneuten Verkauf an einen privaten Investor kaum vorstellen. „Meine Lust ist bei 0, was einen privaten Investor betrifft. Lieber ist mir, wenn das Gebäude in städtischer Hand bleibt“, sagte er.
Bei den Bürgerversammlungen können sich die Besucher auch aktiv bei Entscheidungen mit ihrer Stimme einbringen.
Nach knapp einer Stunde wechselte die Versammlung von den stadtweiten Themen zu den Anliegen, die die Bewohner von Happing und Kastenau besonders beschäftigen. Dabei ging es vor allem um drei Bauvorhaben, über die in den vergangenen Jahren bereits intensiv diskutiert worden war.
Kastenauer Hof: „Das Vorhaben liegt auf Halde“
Zur Zukunft des ehemaligen Kastenauer Hofs gibt es weiterhin keine konkreten neuen Pläne. Das Gebäude wird nach wie vor als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. „Das Vorhaben liegt auf Halde“, sagte Erdogan. Es gebe nichts zu verbergen. Zuletzt habe ein Investor Pläne für Seniorenwohnungen gehabt, Konkretes gebe es dazu aber nicht.
Eichfeldstraße: Deutlich kleinere Planung vorgesehen
An der Eichfeldstraße gegenüber dem Happinger Hof hat sich die Planung dagegen verändert. Ursprünglich war dort eine größere Einrichtung für palliative Tagespflege vorgesehen. Die Pläne umfassten rund 5.600 Quadratmeter Nutzfläche, vier Vollgeschosse und eine Wandhöhe von etwa 11,5 Metern. Viele Anwohner hielten das Gebäude für zu groß für den dörflich geprägten Ortsteil.
Nach den Ausführungen bei der Bürgerversammlung soll künftig nicht mehr vor allem die Tagespflege im Mittelpunkt stehen. Geplant ist vielmehr der Verwaltungs- und Betriebssitz der Hospizorganisation. Vorgesehen sind nur noch acht Plätze für die palliative Tagespflege. Das Gebäude soll deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Wie die überarbeitete Planung im Detail aussieht, bleibt abzuwarten.
Happinger See: Wie geht es mit dem Seehotel weiter?
Beim ehemaligen Seehotel Hubertus am Happinger See ist die Zukunft dagegen weiterhin komplett offen. Die Stadt besitzt das Gebäude aus dem Jahr 1949 seit 2011. Frühere Überlegungen sahen unter anderem eine gastronomische Nutzung mit Gästezimmern vor. Pläne für einen möglichen Neubau stießen auf Widerstand.
Erdogan erklärte bei der Bürgerversammlung, die ursprünglichen Pläne seien „eingestampft“ worden. Nun müsse geprüft werden, ob sich das bestehende Gebäude nicht doch noch sanieren lasse oder ob ein Abriss mit anschließendem Neubau die einzige Möglichkeit sei. Eine Entscheidung werde Zeit brauchen: „Das Thema stehe für mich derzeit nicht ganz oben auf der Prioritätenliste“.
Bahnübergänge: Stadt kann nicht allein entscheiden
Auch die geplante Beseitigung der Bahnübergänge an der Innaustraße und der Seestraße beschäftigt die Anwohner. Die Deutsche Bahn prüft Alternativen wie Brücken oder Unterführungen. In der Nachbarschaft gibt es dagegen Widerstand, unter anderem wegen möglicher Umwege und Einschränkungen für landwirtschaftliche Betriebe und deren Fahrzeuge.
Neue konkrete Details konnte Erdogan dazu nicht nennen Fest stehe: Beide Bahnübergänge würden langfristig behandelt werden müssen. Die Entscheidung über die künftige Gestaltung liege dabei bei der Deutschen Bahn und den zuständigen übergeordneten Stellen.
ISEK und Luftmessstationen
Bei den weiteren Wortmeldungen ging es unter anderem um das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das die Entwicklung Rosenheims bis zum Jahr 2040 begleiten soll. Erdogan bezeichnete dessen Umsetzung als „eine immerwährende Geschichte“.
Außerdem wurde vorgeschlagen, in Rosenheim Luftmessstationen einzurichten. Bei einer Abstimmung sprach sich die Mehrheit der Anwesenden dagegen aus. Erdogan verwies darauf, dass es bereits früher Luftmessungen gegeben habe, bei denen keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien.
Vier weitere Bürgerversammlungen im Oktober
Die erste Bürgerversammlung war der Auftakt zu insgesamt fünf Terminen in Rosenheim. Die nächsten Treffen finden an folgenden Tagen statt: Am 12. Oktober geht es in der Mittelschule Fürstätt um den Bereich Mitte-Süd-West. Am 14. Oktober folgt die Bürgerversammlung für den Süden im Pfarrheim Pang. Für den Norden ist der 22. Oktober im Gasthof Höhensteiger vorgesehen. Den Abschluss bildet am 27. Oktober die Versammlung für den Bereich Mitte im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim (KU’KO). Bei diesem Termin werden Gebärdensprachdolmetscher dabei sein.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Fotomontage, Foto Josefa Staudhammer)




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