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Gervais, Rosenheim, ca. 1950

Zwei Gervias-Fahrzeuge in Rosenheim. Foto: Archiv Herbert Borrmann

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

20. Juli 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1950. Auf der historischen Aufnahme sehen wir zwei Fahrzeuge mit dem Schriftzug der Rosenheimer Gervais AG.

Die beiden Autos erzählen von einer Zeit, in der das Rosenheimer Traditionsunternehmen gerade einen großen Aufschwung erlebte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Werk in der Schönfeldstraße wieder vollständig in die Gervais AG integriert worden und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem wichtigen Arbeitgeber und Milchverarbeiter der Region.

Gegründet worden war der Rosenheimer Standort bereits 1930. Die deutsche Gervais AG, die ursprünglich 1920 in Köln entstanden war, hatte damals wegen der Weltwirtschaftskrise den Import von Frischkäse aus Frankreich einstellen müssen. Um weiterhin produzieren zu können, übernahm das Unternehmen eine verschuldete Genossenschaftsmolkerei in Rosenheim. Ausschlaggebend für den Standort war unter anderem das große Milcheinzugsgebiet rund um die Stadt.

Vom kleinen Anfang zum Großbetrieb

Die Entwicklung war rasant: Während 1930 rund 500 Milchbauern etwa drei Millionen Liter Milch pro Jahr lieferten, stieg die verarbeitete Milchmenge bis 1949 auf rund 68.000 Liter täglich. In Spitzenzeiten waren es sogar mehr als 100.000 Liter am Tag.
Die Nachkriegszeit brachte eine kuriose Besonderheit mit sich: Im Rosenheimer Werk entstand zeitweise sogar die „Original Gervais Brennerei und Likörfabrik Rosenheim“. Aus dem bei der Milchverarbeitung anfallenden Milchzucker wurde Alkohol gewonnen, der unter anderem zu Likören wie „Old Bobby dry“ oder „Edelkirsch“ verarbeitet wurde.

Was genau auf dem historischen Foto im Hintergrund zu sehen ist, gibt uns etwas Rätsel auf. Wer dazu Infos hat, gerne unter dem Foto kommentieren. Die Umgebung wirkt wie ein Teil der damaligen Nachkriegsstadt. Sicher ist dagegen: Die Fahrzeuge mit dem Gervais-Schriftzug waren damals sichtbare Zeichen eines Unternehmens, das fest zum Rosenheimer Stadtbild gehörte.

Gervais, Danone und das Ende einer Ära

1967 fusionierte Gervais mit dem französischen Milchkonzern Danone. In Rosenheim wurden später bekannte Produkte hergestellt – darunter ab 1964 Hüttenkäse, ab 1973 Obstgarten und ab den 1980er-Jahren auch die beliebten Fruchtzwerge.

Nach mehr als 90 Jahren endete die Geschichte des Gervais-Danone-Werks in Rosenheim. Im August 2021 wurde der Standort wegen gesunkener Auslastung geschlossen. Das Gelände blieb der Lebensmittelbranche jedoch erhalten: Das Münchner Familienunternehmen A. Saumweber GmbH übernahm das Areal und produziert dort heute unter anderem Butterschmalz und körnigen Frischkäse.
Das historische Foto erinnert damit an eine Zeit, in der der Name Gervais untrennbar mit Rosenheim verbunden war.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)

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