Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1996. Auf der historischen Aufnahme ist das Rosenheimer Karstadt-Kaufhaus während des großen Umbaus zu sehen. Die Fassade ist bereits entfernt. Sichtbar ist der nackte Betonbau mit den markanten runden Öffnungen im oberen Bereich – ein Anblick, den viele Rosenheimer heute längst vergessen haben.
Als das Karstadt-Kaufhaus am 16. April 1970 an der Ecke Münchener Straße und Gillitzerstraße eröffnet wurde, entsprach der Bau ganz dem damaligen Zeitgeist. Der Münchner Architekt Paolo Nestler entwarf einen wuchtigen Bau im Stil des Brutalismus (einer Stilrichtung der Nachkriegsmoderne, die auf sichtbaren, unverkleideten Beton setzte) mit einer nahezu fensterlosen Waschbetonfassade. Die runden „Bullaugen“ im oberen Bereich dienten als Licht- und Belüftungsöffnungen und wurden zu einem markanten Merkmal des Gebäudes.
Doch über die Jahrzehnte wurde der Betonbau immer stärker kritisiert. Vielen Rosenheimern galt er als Fremdkörper im Stadtbild.
Aus dem „Betonklotz“ wurde ein modernes Kaufhaus
1994 entschied sich Karstadt schließlich zu einem grundlegenden Umbau. Die ungeliebte Waschbetonfassade sollte verschwinden und durch eine offene Glasfassade ersetzt werden. Das Foto zeigt genau diese spannende Übergangsphase.
Für das Großprojekt wurden auch die Nachbarhäuser in der Münchener Straße 6 und 8 abgebrochen. Ihre historischen Fassaden blieben jedoch aus Denkmalschutzgründen erhalten und wurden aufwendig restauriert. Wegen des schwierigen Baugrunds mit hohem Grundwasserstand galt das Vorhaben damals als eine der anspruchsvollsten innerstädtischen Baustellen Deutschlands.
Neueröffnung nach Millioneninvestition
Am 9. Juli 1997 wurde das neue Karstadt-Kaufhaus nach umfangreichen Umbauarbeiten wiedereröffnet. Rund 126 Millionen Mark investierte der Konzern in das Projekt. Die Verkaufsfläche wuchs auf mehr als 15.000 Quadratmeter und bot Platz für rund 500 Mitarbeiter.
Die historische Aufnahme zeigt damit einen besonderen Moment der Rosenheimer Stadtgeschichte: den Abschied von einem der umstrittensten Gebäude der Innenstadt und den Beginn eines völlig neuen Erscheinungsbildes, das viele bis heute mit Karstadt verbinden.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


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