Rosenheim – Normalerweise stehen sie auf der Bühne und sorgen für die musikalische Unterhaltung. Am Mittwochabend (7. Oktober) war die Rollenverteilung im Großen Rathaussaal allerdings eine andere: Die Musiker von Kaffkiez saßen gemeinsam mit Oberbürgermeister Abuzar Erdogan in der ersten Reihe und hörten zu. Denn diesmal wurden sie selbst gefeiert: Die Rosenheimer Indie-Rock-Band erhielt den Kulturförderpreis 2026 der Stadt Rosenheim. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.
Sonst sorgen sie für die musikalische Unterhaltung, diesmal saßen sie im Publikum – die Band Kaffkiez in der ersten Reihe. Fotos: Innpuls.me
Eröffnet wurde die Feierstunde vom Trommel-Schüler-Ensemble des Karolinen-Gymnasiums. Rhythmisch und lautstark sorgten die Schüler für den musikalischen Auftakt – und damit ausgerechnet für einen Moment, der gut zur Geschichte der Preisträger passte. Denn auch die Anfänge von Kaffkiez liegen am Karolinen-Gymnasium. „Damit schließt sich für uns ein Kreis“, sagten die Musiker nach der Verleihung.
Familie, Freunde, treue Wegbegleiter kamen mit zur Preisverleihung.
Mit Familien, Freunden und langjährigen Wegbegleitern waren Johannes Eisner, Johannes Gottwald, Niklas Mayer, Florian Weinberger und Benedikt Vordermaier zur Preisverleihung gekommen. Auch mehrere Stadträte und Vertreter der Rosenheimer Musikszene waren im Großen Rathaussaal dabei.
Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan bei seiner Rede.
Von 17 Zuhörern zu großen Festivalbühnen
Wie weit der Weg der Band seit ihren Anfängen geführt hat, machte Laudator Stefan Kröll deutlich. Der bayerische Kabarettist und Musiker blickte humorvoll auf die Geschichte der Gruppe zurück, die 2012 von Johannes Eisner und Johannes Gottwald zunächst unter dem Namen „Maybe“ gegründet wurde. Damals spielten die Musiker englischsprachige Songs und traten unter anderem bei regionalen Bierfesten und Bällen auf.
An einen ihrer frühen Auftritte erinnerte Kröll besonders: Im Rosenheimer Club P2 standen damals gerade einmal 17 Zuhörer vor der Band. Heute sind die Dimensionen andere. Bei großen Open-Air-Festivals wie Hurricane, Southside und Deichbrand erreichte Kaffkiez bereits ein Publikum von mehr als 40.000 Menschen. Auf den eigenen Tourneen füllt die Band inzwischen Hallen mit mehreren tausend Besuchern. Besonders eng mit der Heimat verbunden blieb das ausverkaufte „Homecoming“-Konzert in der AuerBräu Festhalle, bei dem 4.000 Fans dabei waren.
Stefan Kröll bei der Laudatio.
Der entscheidende Schritt kam 2020: Aus „Maybe“ wurde Kaffkiez, die Musiker wechselten zu deutschsprachigen eigenen Songs und schafften den Sprung in die deutschen Albumcharts. Aus der Rosenheimer Band, die einst vor 17 Zuhörern im P2 spielte, war damit längst eine Gruppe geworden, die auch überregional ein großes Publikum erreicht.
Auch die Vorgeschichte spielte eine Rolle
Mit dem Kulturförderpreis würdigt die Stadt das bisherige Schaffen der Band und ihren Beitrag zur kulturellen Ausstrahlung Rosenheims über die Stadtgrenzen hinaus. Oberbürgermeister Abuzar Erdogan bezeichnete Kaffkiez als Beispiel für das kulturelle Potenzial der Stadt. „Sie stehen für Herkunft und Aufbruch“, sagte er. „Sie tragen Rosenheim in die Welt hinaus.“
Bei der Auswahl spielte nach Angaben der Stadt neben der musikalischen Entwicklung auch das Engagement der fünf Musiker eine Rolle. Kaffkiez ist unter anderem Pate des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Karolinen-Gymnasium.
Dass die Preisvergabe in diesem Jahr dennoch nicht ohne Diskussion blieb, war auch bei der Feierstunde präsent. Die AfD-Stadtratsfraktion hatte sich im Vorfeld gegen die Auszeichnung ausgesprochen. Sie kritisierte insbesondere die öffentliche politische Positionierung der Band und warf Kaffkiez vor, ihre Reichweite für einseitige politische Botschaften zu nutzen und Andersdenkende auszugrenzen. Der Stadtratsbeschluss für die Vergabe fiel mehrheitlich, aber nicht einstimmig.
Kaffkiez wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die eigene Haltung gegen Rechtsextremismus. Ende August reagierte die Band mit einem spontanen Konzert auf dem Max-Josefs-Platz. Rund 1.000 Menschen kamen zu dem kostenlosen Auftritt. Dabei sammelte Kaffkiez für den Stadtjugendring Rosenheim. Zusammen mit weiteren 2.500 Euro aus der Bandkasse kamen 12.432 Euro zusammen, die in den neuen Bandraum des Stadtjugendrings im Lokschuppen fließen sollen.
Auch Laudator Stefan Kröll hatte sich während der damaligen Diskussion öffentlich zu Kaffkiez geäußert und griff die Geschichte der Band in seiner Laudatio nun noch einmal auf. Oberbürgermeister Erdogan nahm die Debatte ebenfalls auf und stellte eine grundsätzliche Frage: „Darf Kunst Haltung zeigen?“ Seine Antwort: „Ja, das darf sein, muss es sogar sein.“
Weiterer Lesestoff passend zum Thema:
Den Kulturförderpreis gibt es gemeinsam mit dem Kulturpreis der Stadt Rosenheim seit 1972. Gedacht ist er für die gezielte Förderung vor allem jüngerer Talente aus Kunst und Wissenschaft, die außergewöhnliche Ansätze zeigen.
Für Kaffkiez war die Preisverleihung damit nicht nur eine Auszeichnung für das bisher Erreichte, sondern auch ein Abend mit einem besonderen Bezug zur eigenen Geschichte: Die Musiker, die sonst selbst für den musikalischen Teil einer Veranstaltung sorgen, saßen diesmal im Publikum – und wurden dort für ihren Weg von den ersten Auftritten in Rosenheim bis zu großen Festival- und Konzertbühnen ausgezeichnet.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)

















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