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Nachruf auf Horst Rankl: Eine Institution für Rosenheim ist gestorben

Nachruf Horst Rankl. Foto: Archiv Innpuls.me

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

31. Oktober 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim / Stephanskirchen – Er brachte die Geschichte Rosenheims auf die Bühne, begeisterte Generationen für das Theater und setzte sich mit unermüdlicher Leidenschaft für die Kultur in der Region ein. Horst Rankl war Autor, Regisseur, Schauspieler und vor allem ein Mensch, für den das Theater weit mehr als ein Hobby oder Beruf war: Es war seine Lebensaufgabe. Am Montag (26. Oktober) ist er nach langer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Rosenheim eine prägende Persönlichkeit seines Kulturlebens.

Geboren wurde Horst Rankl am 2. Januar 1940 in Hartmanitz im damaligen Reichsgau Sudetenland. Seit vielen Jahren lebte er in Stephanskirchen. Doch auch wenn sein Wohnort außerhalb der Stadt lag, war Rosenheim immer ein wichtiger Teil seines Lebens. Hier arbeitete er viele Jahre, hier setzte er zahlreiche kulturelle Ideen um und hier hinterließ er bleibende Spuren. Oft wurde er als „Eine Institution für Rosenheim“ bezeichnet. Dieser Beschreibung wurde er mit seinem Wirken mehr als gerecht.

Seine Liebe zum Theater entdeckte Rankl schon in jungen Jahren. Anfang der 1960er-Jahre gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Theater Rosenheim. Seine erste große Rolle bekam er eher zufällig: Der damalige Rosenheimer Theaterfachmann Rolf Cattepoel sprach ihn auf der Straße an und fragte, ob er Peppone in „Don Camillo und Peppone“ spielen wolle. Rankl sagte zu. Damals war er 24 Jahre alt.

Aus dieser ersten Begegnung mit der Theaterwelt wurde eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte. Rankl stand nicht nur selbst auf der Bühne, sondern führte Regie, schrieb Stücke, übernahm Verantwortung und setzte sich für die Weiterentwicklung des Amateurtheaters ein. Von 1978 bis 2003 war er Landesspielleiter im Verband Bayerischer Amateurtheater, anschließend übernahm er dessen Präsidentschaft. Auch beruflich war er eng mit Rosenheim verbunden: Nach seiner Tätigkeit beim Bundesgrenzschutz und bei Bundesbehörden arbeitete er ab 1974 für die Stadt Rosenheim. Bis zu seinem Ruhestand im Januar 2005 leitete er dort zuletzt das Hauptamt. Sein wirken ist auch über die Region hinaus dokumentiert: Horst Rankl hat sogar einen eigenen Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Er machte Rosenheims Geschichte auf der Bühne lebendig

Besonders eng ist sein Name mit den Historischen Stadtspielen Rosenheim verbunden. 1995 führte Rankl beim ersten Historienspiel „Der Rosenheimer Salzkrieg“ Regie. Die Aufführung war Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Salz Macht Geschichte“ im Lokschuppen. Das Drehbuch stammte von Carl Oskar Renner. Rund 200 Mitwirkende brachten die Geschichte auf dem Max-Josefs-Platz auf die Bühne, mehr als 10.000 Zuschauer kamen.

Der große Zuspruch führte zur Fortsetzung. 1997 folgte „Die Schwedenplag am Inn“. Als Carl Oskar Renner verstorben war, übernahm Rankl auch das Schreiben der Stücke. 1999 entstand unter seiner Feder und Regie „Im Spiel der Mächte“. In den folgenden Jahren griff er immer wieder Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Rosenheimer Geschichte auf. Er erzählte vom Prozess um einen polnischen Arzt im Jahr 1658, vom Spanischen Erbfolgekrieg, vom Zuwanderer Martin Papin und von den Auseinandersetzungen zwischen den Rosenheimer Zünften. Dabei verstand er es, historische Stoffe so aufzubereiten, dass sie für ein großes Publikum lebendig und anschaulich wurden.

Sein letztes Stadtspiel „Hoch hinaus oder Die Weltverbesserer“ kam im Sommer 2026 auf die Bühne. Rankl hatte die Posse geschrieben und dafür eine fiktive, historisch angelehnte Begebenheit aus dem Jahr 1787 aufgegriffen. Bei der Premiere am Ludwigsplatz war er noch persönlich dabei. Die schwere Krankheit hatte ihn zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich gezeichnet. Doch seinen Optimismus und seine positive, lebensbejahende Ausstrahlung hatte er sich bewahrt.

Auch über die Stadtspiele hinaus setzte sich Rankl für die Theaterkultur ein. Er initiierte das Kindertheater und führte unter anderem beim Tabaluga-Kindertheater Regie. Im Verband Bayerischer Amateurtheater kümmerte er sich um die Aus- und Weiterbildung der Mitgliedsvereine. Ihm war wichtig, Wissen weiterzugeben, Nachwuchs zu fördern und auch hinter den Kulissen gute Voraussetzungen für das Theaterspielen zu schaffen. Sein Engagement reichte damit weit über die Rosenheimer Stadtgrenzen hinaus.

Der Applaus war für ihn der schönste Lohn

Bei aller Arbeit hinter den Kulissen blieb Rankl auch selbst Schauspieler. Zu seinen Rollen gehörten Peppone, Zwirn in „Lumpazivagabundus“, der Hauptmann von Köpenick, der Milchmann Tevje in „Anatevka“ und der Goggolore. Im Interview mit Innpuls.me im Jahr 2023 verriet er, welche Rolle ihm besonders am Herzen lag: „Gerne gespielt habe ich die Titelrolle in ‚Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk‘.“
Wie sehr ihn die Freude am Theater immer wieder antrieb, zeigte eine andere Antwort aus diesem Gespräch. Auf die Frage, ob er in all den Jahrzehnten nie daran gedacht habe, es ruhiger angehen zu lassen, sagte er: „Sicher gab es immer mal wieder Augenblicke, wo ich dachte, so jetzt reicht es. Aber wenn man dann die Freude des Publikums sieht und der Applaus kommt, ist auch schon wieder alles vergessen und man plant wieder für das nächste Stück.“

Diese Begeisterung war auch in persönlichen Begegnungen mit ihm zu spüren. Bei Gesprächen und Treffen wurde schnell deutlich, wie viel ihm das Theater bedeutete und wie groß sein Herz für Rosenheim war. Er erzählte mit Leidenschaft, konnte sich für seine Projekte begeistern und verstand es, diese Begeisterung weiterzugeben. Auch für mich als Journalistin waren die Begegnungen mit ihm deshalb etwas Besonderes. In Erinnerung bleibt ein Mensch, dessen Verbundenheit mit dem Theater und der Stadt nicht nur in seinen Worten, sondern in seiner ganzen Art spürbar war.

Große Anerkennung für sein Lebenswerk

Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Horst Rankl zahlreiche Auszeichnungen. Zu den bedeutendsten zählen das Bundesverdienstkreuz am Bande und der Bayerische Verdienstorden, den er 2012 erhielt. 2016 zeichnete ihn die Stadt Rosenheim mit der Goldenen Bürgermedaille aus. Bereits ein Jahr zuvor hatte er die Ehrenmedaille in Silber des Bezirks Oberbayern erhalten. 2019 kam die Goldene Maske des Bundes Deutscher Amateurtheater hinzu.

Bei der Verleihung der Bezirksmedaille 2015 würdigte der damalige Bezirkstagspräsident Josef Mederer Rankl als festen Bestandteil des Rosenheimer Kulturlebens. Er hob dabei dessen vielfältige Arbeit als Schauspieler, Sänger, Regisseur, Autor und Organisator hervor. Besonders betonte er Rankls Einsatz für die Historischen Stadtspiele und die Weiterbildung im Amateurtheater. Mit seinen Theaterstücken und Romanen habe er Heimatgeschichte auf die Bühne gebracht – zum Anschauen und Nachdenken.

Horst Rankl starb am Montag, 26. Oktober, nach langer schwerer Krankheit. Wie eine enge Vertraute mitteilte, ist er friedlich eingeschlafen. Am 2. Januar 2027 hätte er seinen 87. Geburtstag gefeiert. Dazu sollte es nun nicht mehr kommen.
Der Abschied soll, wie Rankl es sich gewünscht hatte, in Rosenheim stattfinden: mit einem Requiem in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Zelebrieren wird es der frühere Rosenheimer Stadtpfarrer Andreas Maria Zach, mit dem Rankl ebenfalls viel verband. Ein Termin steht bislang noch nicht fest. Innpuls.me wird darüber berichten.

Mit Horst Rankl geht ein Mensch, der die Geschichte Rosenheims immer wieder auf ganz besondere Weise nahegebracht hat. Seine Stücke und die Historischen Stadtspiele haben das kulturelle Leben der Stadt geprägt. auch die Begeisterung für das Theater, die er bei vielen Menschen geweckt hat, wirkt über seinen Tod hinaus. Sein kulturelles Erbe lebt auf den Bühnen der Region und in den Erinnerungen all jener weiter, die ihn und seine Arbeit erlebt haben.
(Quelle: Nachruf von Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)

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