Rosenheim – Auf diesem Foto sieht alles ziemlich unspektakulär aus: ein älteres Gebäude, eine breite Einfahrt, ein roter VW Käfer und ein Parkplatzschild. Doch wer heute an dieser Stelle an der Rosenheimer Ebersberger Straße vorbeikommt, würde das Gebäude auf dem Foto nicht mehr wiedererkennen. Es stand bereits kurz vor seinem Ende – und hatte einst eine ganz andere Bedeutung für die Stadt.
Das Foto aus dem Jahr 1972 zeigt den ehemaligen Hofbräu-Keller. Nur ein Jahr später sollte das Gebäude abgerissen werden. Heute steht an dieser Stelle ein großer Wohnblock.
Dabei war der Hofbräu-Keller im 19. und frühen 20. Jahrhundert weit mehr als nur ein Gebäude an der Ebersberger Straße. Er war ein beliebtes Ausflugsziel der Rosenheimer und eng mit der Geschichte der Rosenheimer Brauerei Hofbräu verbunden.
Vom Bierlager zum beliebten Ausflugsziel
Die Geschichte des Hofbräu-Kellers reicht bis ins Jahr 1816 zurück. Damals errichtete der Bierbrauer Georg Fenk an der damaligen Landstraße nach Ebersberg einen Lagerkeller mit Sommerausschank.
Solche Keller außerhalb der Stadt hatten damals einen praktischen Hintergrund: Bier wurde in tiefen Kellern gelagert, weil es noch keine künstliche Kühlung gab. Bäume sorgten zusätzlich für Schatten und halfen dabei, die Temperaturen niedrig zu halten.
Aus dem Keller entwickelte sich im Lauf der Zeit ein beliebter Treffpunkt. Durch seine erhöhte Lage bot der Hofbräu-Keller einen weiten Blick über Rosenheim und das Alpenvorland. Gerade für Spaziergänge und Sonntagsausflüge war der Ort beliebt.
Auch der Name „Hofbräu“ führt zurück zur Geschichte der Brauerei. Georg Fenk verlegte seinen Braubetrieb 1833 in die Weinstraße. Weil die dortige Anlage um einen großen Innenhof herum gebaut war, setzte sich bei den Rosenheimern die Bezeichnung „Bräu im Hof“ beziehungsweise „Hofbräu“ durch. Der dazugehörige Keller an der Ebersberger Straße wurde entsprechend zum Hofbräu-Keller.
1972 war vom alten Glanz nicht mehr viel zu sehen
Auf dem Foto ist von diesem früheren Ausflugsziel allerdings kaum noch etwas zu erahnen. Das Gebäude wirkt bereits deutlich in die Jahre gekommen. Statt Ausflugsgästen prägen Autos die Szene.
An der Fassade ist unter anderem der Schriftzug „Taxis“ zu sehen. Dieser weist auf der Bier der Brauerei „Thurn und Taxis“ aus Regensburg hin, das dort einst ausgeschenkt wurde. Der Rosenheimer Hofbräu wurde im Jahr 1961 an Turn und Taxis verkauft.
Der rote VW Käfer in der Einfahrt ist dabei fast schon ein eigenes kleines Zeitdokument. Zusammen mit den anderen Fahrzeugen, dem Parkplatzschild und der großzügigen Zufahrt vermittelt das Foto einen Eindruck davon, wie die Ebersberger Straße vor mehr als 50 Jahren aussah.
Nur kurze Zeit später war dieses Kapitel der Rosenheimer Stadtgeschichte beendet. 1973 wurde der Hofbräu-Keller abgerissen. Das alte Gebäude verschwand aus dem Stadtbild und machte der späteren Wohnbebauung Platz.
Das Foto von 1972 zeigt damit einen bemerkenswerten Übergang: Ein Ort, an dem einst Bier ausgeschenkt wurde und Rosenheimer den Blick über die Stadt und das Alpenvorland genossen, war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits kaum noch als ehemaliger Ausflugsort zu erkennen.
Wer erinnert sich noch an den Hofbräu-Keller an der Ebersberger Straße?
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


Nein, mit Taxifahrzeugen hat der Schriftzug „Taxis“ nichts zu tun. Der Hofbräu war ca. in den 60ern von der Brauerei „Thurn und Taxis“ übernommen worden, in der Innenstadt und hier. Es gab also auch keinen Taxibetrieb namens Pils, sondern es handelt sich um die Biersorte.
Im Hofbräukeller haben auch 1966/67 verschiedene Bands ( Roosters / Poor Boys / Pee Wees u. a. ) ihre Musik zum Besten gegeben . Es war einfach scheeee.
Ein Dankeschön an die Verfasser.