Rosenheim – Während die Rosenheimer Innenstadt am Sonntagmorgen (9. August) noch weitgehend schlief, herrschte in der Rosenheimer Stollstraße bereits reger Betrieb. Ein Schwerlastkran stand bereit, die Straße war gesperrt und an einem Ärztehaus klaffte eine große Öffnung in der Fassade. Was dort hineingehoben werden sollte, war allerdings kein gewöhnliches Bauteil: Ein rund vier Tonnen schweres MRT sollte im ersten Stock einer radiologischen Praxis seinen neuen Platz finden.
Die Fassade offen und die Räume freigeräumt – das MRT kann kommen. Fotos: Copyright Josefa Staudhammer
Die ersten Menschen, die an der Baustelle vorbeikamen, waren auf dem Weg zum Bäcker. Einige blieben spontan stehen. Denn einen tonnenschweren Magnetresonanztomographen, der über einer Rosenheimer Straße schwebt, sieht man schließlich nicht alle Tage.
Zuvor musste das bisherige MRT durch genau diese Öffnung aus dem Gebäude heraus. Nun war sein Nachfolger an der Reihe. Langsam hob der Fahrer des Schwerlastkrans das Gerät vom Lastwagen. Zentimeter für Zentimeter ging es nach oben, bis die rund vier Tonnen schließlich auf Höhe des ersten Stocks waren. Dann wurde das MRT vorsichtig durch die geöffnete Fassade in die Praxis manövriert.
Auf der Straße wurde jede Bewegung aufmerksam verfolgt. Für Fehler war wenig Spielraum: Das neue MRT kostet nach Angaben der Praxis rund 1,5 Millionen Euro. Entsprechend konzentriert arbeiteten die beteiligten Bauarbeiter, Planer und Fachfirmen. Jeder Handgriff musste sitzen.
Am Ende ging alles glatt. Das neue Gerät ist inzwischen dort angekommen, wo es künftig für Untersuchungen eingesetzt wird.
Was ist eigentlich ein MRT?
MRT steht für Magnetresonanztomographie. Bei der Untersuchung werden keine Röntgenstrahlen eingesetzt. Stattdessen erzeugt ein starker Magnet ein Magnetfeld. Radiowellen liefern Signale aus dem Körper, aus denen ein Computer detaillierte Schnittbilder erstellt.
Besonders gut lassen sich damit Weichteile darstellen, beispielsweise Gehirn, Rückenmark, Muskeln, Gelenke oder innere Organe. Deshalb wird die Untersuchung bei vielen unterschiedlichen medizinischen Fragestellungen eingesetzt.
Die Technik hat sich seit ihren Anfängen rasant weiterentwickelt. Die erste MRT-Aufnahme eines Menschen dauerte 1977 noch knapp fünf Stunden.. Moderne Geräte können heute deutlich schneller detaillierte Bilder liefern.
Während der Untersuchung müssen Patienten möglichst ruhig liegen, damit die Bilder nicht durch Bewegungen verwackeln. Größere Öffnungen moderner Geräte können zudem dazu beitragen, dass sich Patienten weniger beengt fühlen.
Was sich für Patienten ändert
Der Aufwand für die ungewöhnliche Anlieferung war erheblich. Nicht nur Schwerlastkran und Gerüst mussten aufgebaut werden. Auch die Fassade des Ärztehauses musste geöffnet werden. Und während draußen gebaut, gehoben und montiert wurde, lief in der Praxis der Betrieb weiter. Der Einbau des MRT ist Teil eines größeren Umbaus, bei dem die Räume an die neuen Abläufe angepasst werden. Unter anderem entstehen zusätzliche Umkleidekabinen.
Für die Ärzte lohnt sich der Aufwand vor allem mit Blick auf die Patienten. Das neue MRT gehört zur MAGNETOM-Flow-Plattform von Siemens Healthineers und damit zu einer neuen Generation solcher Geräte. Je nach Untersuchung sollen damit deutlich kürzere Untersuchungszeiten möglich sein. Auch die Öffnung des neuen MRT ist größer als beim bisherigen Gerät. Das schafft mehr Platz und kann die Untersuchung gerade für Menschen angenehmer machen, die sich in der engen Röhre bisher unwohl oder beengt gefühlt haben.
Wie groß der technische Sprung bei MRT-Geräten inzwischen ist, zeigt ein Blick zurück: Als 1977 erstmals ein Mensch per MRT untersucht wurde, dauerte die Aufnahme noch vier Stunden und 45 Minuten. Mit neuen Verfahren konnten die Messzeiten bereits in den folgenden Jahren drastisch verkürzt werden. Heute sind Untersuchungen je nach Fragestellung deutlich schneller möglich. Für die Patienten bedeutet das weniger Zeit in der Röhre, für die Praxis zugleich einen effizienteren Ablauf.
Weniger Helium, weniger Verlust
Eine weitere Veränderung steckt dort, wo Patienten sie kaum sehen: im Umgang mit Helium. Das seltene Edelgas wird benötigt, um den Magneten eines MRT auf extrem niedrige Temperaturen zu kühlen. Beim bisherigen Gerät befand sich nach Angaben der Ärzte ein erheblicher finanzieller Wert an Helium im System. Musste das Gerät in einem Notfall schnell heruntergefahren werden, konnte das Gas nicht einfach im Gerät bleiben. Es musste kontrolliert über ein spezielles Rohr nach außen geleitet werden.
Beim neuen MRT bleibt das Helium dagegen in einem geschlossenen Kreislauf. Nach Angaben des Herstellers benötigt die MAGNETOM-Flow-Plattform über die gesamte Lebensdauer des Systems nur rund 0,7 Liter flüssiges Helium. Bei herkömmlichen MRT-Systemen können dagegen mehr als 1.000 Liter benötigt werden. Das ist nicht nur eine Frage der Kosten. Helium ist ein seltenes Edelgas und hochwertiges Helium wird zunehmend schwieriger verfügbar. Dass möglichst wenig davon verloren geht, ist deshalb auch aus Sicht der Ärzte ein wichtiger Vorteil der neuen Technik.
Während draußen am Sonntagmorgen das tonnenschwere Gerät durch die Fassade schwebte, war für die Beteiligten vor allem eines wichtig: dass jeder Handgriff sitzt. Das tat er. Für die Patienten beginnt dagegen mit dem neuen MRT ein neues Kapitel – mit kürzeren Untersuchungszeiten, mehr Platz während der Untersuchung und einer Technik, die mit deutlich weniger Helium auskommt.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)








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