Rosenheim – Der Salzstadel ist am heutigen Samstagvormittag (20.6.2026) offiziell zum „Platz für Kinderrechte“ erklärt worden. Im Mittelpunkt der feierlichen Eröffnung stand eine interaktive „Kinderrechte-Hörbank“, an der sich über eine Handkurbel Audiobeiträge zu verschiedenen Kinderrechten abrufen lassen.
Die interaktive Hörstation wird enthüllt. Fotos: Innpuls.me
Schon ab 10 Uhr füllte sich der Bereich vor der Rosenheimer Stadtbibliothek mit Familien, Kindern und zahlreichen Besuchern. Bei Temperaturen nahe 30 Grad waren die schattigen Plätze unter den Bäumen besonders gefragt. Rund um den Platz hatten zahlreiche Organisationen und Vereine Informations- und Mitmachstände aufgebaut.
Mit der Benennung setzt die Stadt Rosenheim ein sichtbares und hörbares Zeichen für Kinderrechte – an einem Ort, der dafür längst eine besondere symbolische Bedeutung hat.
Ein Ort, der schon länger für Kinderrechte steht
Der Salzstadel ist seit Jahren ein zentraler Bezugspunkt, wenn es in Rosenheim um Kinderrechte geht. Bereits im vergangenen Herbst wurde dort ein Baum gepflanzt, der symbolisch dafür steht, dass Kinderrechte in der Stadt Wurzeln schlagen und fest verankert sind (wir berichteten)
Die interaktive Hörstation wird getestet.
Nun wurde dieser Ansatz offiziell bestätigt: Oberbürgermeister Abuzar Erdogan machte bei der Eröffnung deutlich, dass Kinderrechte auch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit seien. Die Perspektive der Kinder sei entscheidend für eine lebenswerte Zukunft. Zugleich verwies er auf eine aktuelle Vergleichsstudie zum Kindeswohl, in der Deutschland nur Platz 25 von 37 untersuchten Wohlstands-Ländern belegt. Auch beim Thema Erziehung fand Erdogan klare Worte: Gewalt habe dort keinen Platz. Eine „Watschn“ sei kein Erziehungsmittel, sondern Gewalt.
In Zukunft könnten weitere Kinderrechte-Hörstationen im Rosenheimer Stadtgebiet folgen.
„Kinder haben ihre eigene Gegenwart“
Als Gast nahm auch Joachim Türk, Vizepräsident des Kinderschutzbund Bundesverbandes e.V., an der Eröffnung teil. Er würdigte das Engagement der Stadt Rosenheim ausdrücklich und sprach von einem starken Signal für Kinderrechte. „Das nötigt mir größten Respekt ab“, sagte Türk. Gleichzeitig widersprach er einem häufig verwendeten Satz: „Kinder sind nicht unsere Zukunft. Sie haben ihre eigene Zukunft und auch eine Gegenwart.“
Rosenheim gehe mit der Bezeichnung „Platz für Kinderrechte“ zudem bewusst einen eigenen Weg. Bundesweit gebe es 77 solcher Orte, meist jedoch unter der Bezeichnung „Platz der Kinderrechte“.
Die Hörbank wird sofort zum Publikumsmagneten
Höhepunkt der Eröffnung war die Enthüllung der neuen interaktiven Kinderrechte-Hörbank. Über eine Kurbel können Besucher Audiobeiträge aktivieren, in denen Kinder selbst erklären, welche Rechte sie haben und was diese im Alltag bedeuten.
Nach der Enthüllung wurde die Hörbank schnell zum Anziehungspunkt des Familienfests. Immer wieder drehten Kinder und Erwachsene die Kurbel – und hörten aufmerksam zu.
So wurde die offizielle Einweihung unmittelbar zum Praxistest: Kinderrechte werden hier nicht nur erklärt, sondern hörbar und erlebbar gemacht.
Auch Jugendamtsleiter Christian Meixner zeigte sich zufrieden. Besonders das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung rücke in den Mittelpunkt – ein Bereich, der im heutigen Alltag häufig zu kurz komme. Denkbar sei, künftig auch in weiteren Stadtteilen vergleichbare Orte mit Hörbänken zu schaffen.
Viele Akteure beim Familienfest vor Ort
Das Familienfest wird von zahlreichen Einrichtungen und Organisationen getragen, darunter das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, der Kinderschutzbund Rosenheim, die Waisenhausstiftung der Stadt, die Sozialraumteams, die Familienstützpunkte, das katholische Bildungswerk, der Stadtjugendring, der Jugendbeirat, die Stadtbibliothek, das Gesundheitsamt, die Regionalgruppe Kindertagespflege, die Offene Behindertenarbeit des KJSW, das Kinderheim Schöne Aussicht sowie das THW Rosenheim.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer, Karin Wunsam)





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