Rosenheim – Alle Fußgängerampeln gleichzeitig auf Grün? Das klingt erst einmal ungewöhnlich, könnte an der Kreuzung Kaiserstraße / Frühlingstraße / Ellmaierstraße aber tatsächlich Realität werden – zumindest wenn es nach FDP und SPD geht. Die beiden wollen dort eine sogenannte Rundum-Grün-Schaltung. Was es damit auf sich hat, wie sie funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie haben kann, erklären wir in diesem Artikel.
So funktioniert Rundum-Grün
Das Prinzip ist zunächst einfach: Für eine zusätzliche Ampelphase bekommt der gesamte Fahrzeugverkehr an der Kreuzung Rot. Gleichzeitig schalten die Fußgängerampeln an allen Seiten auf Grün.
Fußgänger können die Kreuzung dann aus mehreren Richtungen gleichzeitig überqueren. Je nach Gestaltung ist auch eine diagonale Querung möglich. Wer beispielsweise auf die gegenüberliegende Ecke möchte, muss nicht erst mehrere einzelne Fußgängerphasen abwarten.
Für Autofahrer bedeutet das: Während der Rundum-Grün-Phase steht der gesamte Fahrzeugverkehr. Auch Abbieger haben Rot.
Nach Ende der gemeinsamen Grünphase für die Fußgänger läuft die Ampel wieder in den normalen Verkehrsphasen weiter. Die einzelnen Fahrtrichtungen erhalten entsprechend der festgelegten Signalsteuerung Grün. Die Autos fahren also nicht alle gleichzeitig los
Genau darin liegt ein möglicher Vorteil für die Verkehrssicherheit. Ein typischer Konflikt an Ampelkreuzungen entsteht, wenn ein Fahrzeug abbiegt und dabei einen Fußgänger quert, der gleichzeitig Grün hat. Bei einer Rundum-Grün-Schaltung gibt es diesen Konflikt während der gemeinsamen Fußgängerphase nicht.
Eine zusätzliche Phase hat aber auch Nachteile
Eine solche Ampelschaltung ist allerdings kein Patentrezept für jede Kreuzung. Durch die zusätzliche Fußgängerphase entsteht eine weitere Phase im Ampelumlauf. Das kann längere Wartezeiten für Fußgänger und Autofahrer bedeuten.
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat sich bereits im Jahr 2011 mit sogenannten Diagonalgrün-Schaltungen beschäftigt. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass durch die Schaltung Konflikte zwischen abbiegenden Fahrzeugen und querenden Fußgängern vermieden werden können. Gleichzeitig stellte die Untersuchung bei den betrachteten Kreuzungen keine grundsätzlichen Unterschiede beim gesamten Unfallgeschehen fest.
Die UDV empfahl Diagonalgrün deshalb nicht pauschal für alle Kreuzungen. Sinnvoll könne die Schaltung insbesondere dort sein, wo es auffällige Konflikte zwischen abbiegenden Fahrzeugen und Fußgängern gibt, viele Rechtsabbieger unterwegs sind oder ein hoher Bedarf an diagonalen Querungen besteht.
München hat Rundum-Grün getestet
Ein Beispiel aus Bayern gibt es in München. Dort startete die Stadt im Oktober 2024 an der Kreuzung Landwehrstraße / Goethestraße ein einjähriges Pilotprojekt mit einer Rundum-Grün-Schaltung für Fußgänger.
Während der zusätzlichen Phase bekommen Fußgänger an allen Seiten der Kreuzung gleichzeitig Grün. Der Kfz- und Radverkehr erhält gleichzeitig aus allen Richtungen Rot. Die Stadt wollte dabei unter anderem untersuchen, wie sich die Schaltung auf Verkehrssicherheit, Wartezeiten und die Akzeptanz bei den verschiedenen Verkehrsteilnehmern auswirkt. Auch die Übertragbarkeit auf andere Kreuzungen sollte geprüft werden.
Der Pilotversuch ist inzwischen beendet. Nach einem offiziellen Dokument der Stadt München wird die Schaltung vorerst beibehalten. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Rundum-Grün nun generell an weiteren Münchner Kreuzungen eingeführt wird.
In Tokio seit 1973
International ist das Prinzip deutlich länger bekannt. Ein besonders berühmtes Beispiel ist die Shibuya Scramble Crossing in Tokio. Die Kreuzung wurde 1973 eingerichtet. Während der Fußgängerphase wird der Fahrzeugverkehr angehalten, sodass Menschen die große Kreuzung gleichzeitig aus mehreren Richtungen überqueren können.
Das Prinzip ist dort längst Teil des Stadtbildes. Die Shibuya-Kreuzung ist aufgrund ihres enormen Fußgängeraufkommens allerdings nur eingeschränkt mit einer Kreuzung in Rosenheim vergleichbar.
FDP und SPD wollen Rundum-Grün an der Loretowiese
An der Kreuzung Kaiserstraße / Frühlingstraße / Ellmaierstraße wollen FDP-Stadtrat Marcus Moga und die SPD-Fraktion eine solche Rundum-Grün-Schaltung einrichten. Besonders während des Rosenheimer Herbstfestes sehen sie dort Handlungsbedarf. Durch die vielen Fußgänger gerät der Verkehr nach Einschätzung der Antragsteller immer wieder ins Stocken. „Gerade während der Herbstfestzeit spitzt sich die Lage an dieser Kreuzung zu“, erklärt Moga. „Der Verkehr gerät trotz Ampelschaltung immer wieder ins Stocken, weil die großen Fußgängerströme das Abbiegen stark behindern.“
Mit einer eigenen Grünphase für Fußgänger könnte sich die Situation nach Ansicht von FDP und SPD verändern. Während die Fußgänger die Kreuzung in alle Richtungen überqueren, würde der motorisierte Verkehr in sämtlichen Fahrtrichtungen warten. Moga sieht darin auch einen Beitrag zur Verkehrssicherheit: „Die „Rundum-Grün“ Schaltung ermöglicht es den Fußgängern, in einer eigenen Grünphase die Kreuzung zu überqueren und das mit einer deutlich verbesserten Verkehrssicherheit.“
Die Antragsteller sehen mögliche Vorteile nicht nur während des Herbstfestes. Auch für Kinder auf dem Schulweg sowie für ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen könne eine solche Regelung nach ihrer Einschätzung die Querung der Kreuzung erleichtern.
Wiesntrommler soll bleiben
An der neuen Gestaltung der Ampel soll sich dabei nichts ändern. Der erst kürzlich angebrachte Wiesntrommler soll nach dem Willen von FDP und SPD erhalten bleiben. Die Forderung betrifft vielmehr die Ampelschaltung und damit die Frage, wann Fußgänger und wann der Fahrzeugverkehr an der Kreuzung Grün bekommen.
Ob die Rundum-Grün-Schaltung tatsächlich eingerichtet wird, ist noch offen. Zunächst handelt es sich um eine Forderung von FDP und SPD.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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