Rosenheim – Die Sonnenfinsternis von 1999 ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: Es wurde plötzlich dunkel, die Vögel verstummten und irgendwie fühlte sich alles ein wenig unheimlich an. 27 Jahre später habe ich die nächste große Sonnenfinsternis über Rosenheim ganz anders erlebt. Ein persönlicher Rückblick auf zwei Himmelsspektakel – und die Frage, ob ich gestern vielleicht doch etwas versäumt habe.
Und langsam schob sich der Mond vor die Sonne….Fotos: Josefa Staudhammer
Ich erinnere mich noch ganz genau an den 11. August 1999. Damals zog eine totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa hinweg. Mein erster Sohn war gerade einmal eineinhalb Jahre alt. Interessanterweise erinnert auch er sich noch an dieses Erlebnis. Angesichts seines zarten Alters zeigt das wohl ganz gut, dass dieser Tag etwas Besonderes war.
Das Maximum der Sonnenfinsternis wurde damals zur Mittagszeit erreicht. Die ganze Familie war in unserem Garten zusammengekommen und blickte gespannt zum Himmel. Rosenheim lag östlich beziehungsweise außerhalb der Totalitätszone, die Sonne wurde hier also auch damals nicht vollständig verdeckt. Trotzdem habe ich jetzt beim Schreiben sofort wieder das Bild vor Augen, wie es schlagartig dunkel wurde und sich die Stimmung um mich herum spürbar veränderte. Ein bisschen unheimlich empfand ich es damals tatsächlich auch.
„Die Vögel verstummten. Mir wurde kalt.“
Dass dieses Gefühl nicht nur mir in Erinnerung geblieben ist, zeigte sich auch gestern. Einige Leser haben ihre Erlebnisse mit uns geteilt. „Die Vögel verstummten. Mir wurde kalt. Ich empfand es als unheimlich“, schrieb uns eine Leserin.
Vielleicht erklärt dieses Gefühl ein Stück weit, warum Sonnenfinsternisse in verschiedenen Kulturen seit Jahrhunderten mit Ehrfurcht, besonderen Ritualen oder auch Furcht verbunden sind. Denn selbst wenn man genau weiß, was astronomisch gerade passiert, ist es doch etwas anderes, wenn der Himmel plötzlich sein gewohntes Gesicht verändert.
Und so stelle ich mir vor, dass Menschen, die einer Sonnenfinsternis traditionell mit besonderem Respekt begegnen, gestern durchaus gestaunt haben dürften, wie sich andernorts die Menschen in Massen versammelten, um mit speziellen Brillen gebannt zum Himmel zu schauen. Auf dem Olympiaberg in München beispielsweise kamen zahlreiche Menschen zusammen, um das Himmelsspektakel gemeinsam zu erleben.
1999 war die Aufregung größer
Ich muss allerdings sagen: Den Hype rund um die Sonnenfinsternis habe ich diesmal nicht ganz so ausgeprägt empfunden wie 1999. Damals war das Ereignis schon Wochen, wenn nicht Monate vorher eines der beherrschenden Themen in den Medien. Sonnenfinsternisbrillen wurden gefühlt überall angeboten und waren schon lange vor dem großen Tag Gesprächsthema.
Vielleicht lag es daran, dass diesmal bei uns „nur“ rund 90 Prozent der Sonne bedeckt wurden. Auf alle Fälle blieb die große Aufregung zumindest bei uns in Rosenheim lange Zeit aus – bis dann am gestrigen Mittwoch, wenige Stunden vor dem Himmelsspektakel, doch noch der Run auf die letzten verbliebenen Brillen einsetzte, wie wir berichtet haben.
Bei uns war das wichtigste Accessoire glücklicherweise kein Problem. Wir hatten tatsächlich noch Sonnenfinsternisbrillen von 1999. Die haben wir all die Jahre als Souvenir aufbewahrt. Auch das sagt eigentlich schon viel darüber aus, wie außergewöhnlich wir dieses Himmelsspektakel damals empfunden hatten. Nach einiger Suche fanden wir die alten Erinnerungsstücke tatsächlich noch in einer Schublade.
Diesmal war der Blick zum Himmel schwieriger
Eher schwierig gestaltete sich dagegen die Platzsuche. Die Bäume in unserem Umfeld sind seit 1999 doch um einiges gewachsen.
Von unserer Dachterrasse aus erhaschte ich zunächst noch einen guten Blick auf die „angeknabberte“ Sonne. Doch schon bald verschwand sie langsam hinter den Bäumen.
Andere aus der Familie hatten sich deshalb einen besseren Aussichtspunkt gesucht, um das Ereignis bei uns auf Innpuls.me auch für diejenigen im Bild festzuhalten, die es gestern nicht selbst live miterleben konnten.
Ich selbst überlegte kurz, ob ich mich ihnen anschließen sollte. Aber da es gerade so gemütlich mit meinen Katzen auf der Terrasse war, blieb ich und genoss die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs. Und dabei fiel mir etwas auf.
Pool, Grill und Soap statt Himmelsspektakel
Der große Hype blieb zumindest in meiner Nachbarschaft erstaunlich aus. Kinder planschten weiter ausgelassen im Pool. Andere grillten, chillten oder saßen schon beim Fernsehen.
Soap-Opera statt Himmelsspektakel.
Von der besonderen Stimmung, die ich 1999 erlebt hatte, war jedenfalls wenig zu spüren. Keine plötzlich einsetzende Stille, keine Dunkelheit, kein unheimliches Gefühl. Das Leben ging einfach weiter, während sich am Himmel die Sonne langsam verabschiedete. Habe ich oder haben all die anderen, die gestern lieber gemütlich zu Hause geblieben sind, also etwas versäumt?
Nun ja. Die nächste totale Sonnenfinsternis kommt am 3. September 2081. In Norddeutschland muss man sogar bis zum 7. Oktober 2135 warten. So gesehen: vielleicht schon.
Aber ehrlich gesagt ist es mir trotz allen wissenschaftlichen Wissens und aller Erklärungen dann doch lieber, wenn die Sonne wie gewohnt langsam der Nacht weicht – und nicht plötzlich die Welt, wenn auch nur für kurze Zeit, aus heiterem Himmel in Dunkelheit versinkt.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Foto: Josefa Staudhammer)








Liebe Karin, ich hab ja im Vorfeld schon geschrieben, dass mir das relativ am Allerwertesten vorbeigeht, da ich 1999 ziemlich krass miterlebt habe. Damals war gerade Mini Rosenheim, meine liebe Kollegin vom Landkreis und ich hatten die Aufgabe/Verantwortung 220 Kinder mit den Brillen zu versorgen und dafür Sorge zu tragen, dass die alle eine auf hatten, wie es dann gegen Mittag finster war. Es hat alles super geklappt.
Herzliche Grüße