Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurĂŒck in das Jahr 1970. Auf der historischen Aufnahme sehen wir den Rosenheimer Ludwigsplatz mit dem Sontheimhaus.
Wer das Foto zum ersten Mal betrachtet, dem fallen zunĂ€chst die vielen Autos, die Passanten und die groĂen Schaufenster ins Auge. Der Ludwigsplatz war damals noch weit von der heutigen FuĂgĂ€ngerzone entfernt. Statt AuĂengastronomie und flanierenden Besuchern prĂ€gten Verkehr und geschĂ€ftiges Treiben das Bild.
Der Blick fĂ€llt dabei unweigerlich auf zwei bekannte Namen: Huthmann und die Dresdner Bank. Beide gehörten damals fĂŒr viele Rosenheimer ganz selbstverstĂ€ndlich zum Ludwigsplatz. Doch hinter der Fassade der Bank verbarg sich eine Geschichte, die viele Ă€ltere Rosenheimer bis heute mit einem anderen Namen verbinden.
Das Sontheimhaus blieb â das CafĂ© war schon Geschichte
Das GebĂ€ude war als Sontheimhaus weit ĂŒber Rosenheim hinaus bekannt. Seinen Namen verdankte es dem traditionsreichen CafĂ© Sontheim, das dort ĂŒber viele Jahrzehnte eines der beliebtesten KaffeehĂ€user der Stadt gewesen war. Generationen von Rosenheimern trafen sich hier auf Kaffee und Kuchen, ehe das CafĂ© noch vor 1970 seine TĂŒren schloss.
Als dieses Foto entstand, war von dem Kaffeehaus allerdings nichts mehr ĂŒbrig. In den ehemaligen RĂ€umen befand sich inzwischen die Dresdner Bank. Dennoch hielt sich der Name Sontheimhaus hartnĂ€ckig im Sprachgebrauch. Viele Rosenheimer nannten das GebĂ€ude noch lange so, obwohl dort lĂ€ngst keine Torten mehr serviert, sondern BankgeschĂ€fte erledigt wurden.
Direkt daneben betrieb Huthmann sein HaushaltswarengeschĂ€ft. Glas, Porzellan und allerlei NĂŒtzliches fĂŒr den Haushalt gehörten zum Sortiment. FĂŒr viele Familien war das GeschĂ€ft ĂŒber Jahrzehnte eine feste Adresse. In dem niedrigen Anbau auf der linken Seite des GebĂ€udes befand sich auĂerdem eine LeihbĂŒcherei â damals fĂŒr viele Leser eine beliebte Möglichkeit, gĂŒnstig an neuen Lesestoff zu kommen.
Eine Stadt im Wandel
Das Foto zeigt Rosenheim in einer Zeit des Umbruchs. Der Ludwigsplatz war noch keine FuĂgĂ€ngerzone. Autos bestimmten das StraĂenbild, und ein bepflanzter Verkehrskreisel regelte den Verkehr. Gleichzeitig sind Kleidung, Fahrzeuge und das geschĂ€ftige Treiben typische Zeugnisse der frĂŒhen 1970er Jahre.
Wer heute am Ludwigsplatz steht und zum Mittertor blickt, erkennt die HÀuserzeile auf der rechten Seite noch immer wieder. Die GebÀude sind erhalten geblieben, ihre Nutzung hat sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verÀndert. Aus Bankfiliale und TraditionsgeschÀften wurden andere Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe.
Gerade das macht historische Aufnahmen wie diese so faszinierend: Viele Fassaden sind fast dieselben geblieben â doch das Leben hinter ihnen hat sich immer wieder neu erfunden.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann – Foto KrĂ€mer / Artikel: Karin Wunsam)


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