Bad Endorf / Landkreis Rosenheim – Die Gesundheitswelt Chiemgau AG hat in Bad Endorf im Rahmen ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements gemeinsam mit der AOK Bayern einen Themenabend zur mentalen Gesundheit veranstaltet. Im Mittelpunkt stand der ehemalige Skispringer Sven Hannawald, der offen über Leistungsdruck und psychische Belastungen im Spitzensport sprach.
Burnout-Entstehung braucht Zeit
Zum Auftakt hielt der Psychologe Dr. Philipp Hubert einen Vortrag zur Burnout-Prävention. Er erklärte, dass sich psychische Erkrankungen wie Depressionen in der Regel nicht plötzlich entwickeln, sondern über längere Zeiträume entstehen – und entsprechend auch die Stabilisierung Zeit benötige.
Im Anschluss wurde die Dokumentation „Seelenstark – Sven Hannawalds Sprung zurück ins Leben“ gezeigt, die seinen Weg durch eine Phase mentaler Erschöpfung nachzeichnet.
„Ich war im Kopf oft schon beim nächsten Sprung“
In der Gesprächsrunde schilderte Hannawald seine damalige Situation im Spitzensport. Deutlich wurde, wie stark mentale Belastung und fehlende Erholungsphasen zusammenwirkten. „Wir haben alle denselben Sport gemacht. Aber die anderen konnten ein sprungfreies Wochenende auch wirklich zum Abschalten nutzen“, so Hannawald. Bei ihm sei das anders gewesen: „Ich war im Kopf oft schon beim nächsten Sprung und konnte meine Akkus nicht richtig auffüllen.“
Neben dem sportlichen Umfeld hätten auch persönliche Erfahrungen eine Rolle gespielt, etwa frühe Trennungen im Internat. Dadurch habe sich ein starker Fokus auf Leistung entwickelt, da dieser Bereich kontrollierbar gewesen sei. Aus heutiger Sicht seien fehlende mentale Pausen ein zentraler Faktor der damaligen Überlastung gewesen.
Leistungssport trotz Belastung
Auf die Frage aus dem Publikum, ob er seinen Kindern Leistungssport empfehlen würde, antwortete Hannawald: „Absolut. Besonders in der heutigen Zeit, weil sie beim Training nicht die ganze Zeit am Handy hängen.“
„Mental Gesundheit braucht eigenes Handeln“
Psychologe Dr. Philipp Hubert fasste die Diskussion zum Abschluss zusammen: „Unterstützung durch das Unternehmen ist wie die Mitgliedschaft im Fitnessstudio: Der Arbeitgeber stellt die Mittel bereit, doch aktiv werden muss der Einzelne. Das ist bei der mentalen Gesundheit nicht anders.“
Im Anschluss nutzten viele Besucher die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Sven Hannawald.
(Quelle: Pressemitteilung Gesundheitswelt Chiemgau AG / AOK Bayern / Beitragsbild: Copyright Alexandra Hartmann / Gesundheitswelt Chiemgau AG)


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