München / Bayern – Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen belasten nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands (BBV) derzeit viele land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Bayern. Besonders betroffen seien Grünland, Tierhaltung und verschiedene Ackerkulturen. Der Verband fordert unter anderem, die im Koalitionsvertrag vereinbarte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage umzusetzen.
Wie stark die Auswirkungen inzwischen sind, zeigt laut BBV eine aktuelle Umfrage unter Landwirten. Demnach bewerten nur 21 Prozent der teilnehmenden Betriebe ihre Grünlandflächen noch mit gut oder ausreichend. Knapp 80 Prozent geben ihren Flächen dagegen die Note mangelhaft oder ungenügend.
Nach Angaben des Verbands ist vielerorts der dritte Schnitt nach bereits schwächeren ersten beiden Schnitten ausgefallen. Fast 40 Prozent der befragten Landwirte gaben an, bereits Futter zukaufen zu müssen. In der Oberpfalz sei es mehr als jeder zweite Betrieb.
Das setzt vor allem Tierhalter unter Druck. Weidetiere müssten teilweise bereits zusätzlich gefüttert werden. Gleichzeitig fehle Futter, das normalerweise für den Winter eingelagert werde. Auch Zwischenfrüchte würden aufgrund der trockenen Böden teilweise nicht aufgehen. Einige Betriebe planten deshalb bereits ihre Futterversorgung bis Mitte 2027 und prüften nach Angaben des BBV gegebenenfalls auch Anpassungen bei den Tierbeständen.
Auch auf den Äckern zeigen sich Auswirkungen
Auch bei den Ackerkulturen zeigt sich nach Angaben des Bauernverbands die Entwicklung. Die Ernte der meisten Kulturen sei in diesem Jahr drei bis örtlich vier Wochen früher beendet worden als in den vergangenen Jahren.
Beim Winterweizen lagen die Erträge laut BBV in allen bayerischen Bezirken mit Ausnahme Schwabens unter dem Durchschnitt. Bayernweit wurden demnach in den vergangenen Jahren 73 bis 75 Dezitonnen pro Hektar geerntet, heuer seien es durchschnittlich 65 Dezitonnen gewesen. In Mittelfranken lag der Durchschnitt bei rund 58 Dezitonnen pro Hektar. Auch beim Raps meldet der Verband geringere Erträge. Der bayerische Durchschnitt liegt seinen Angaben zufolge derzeit bei rund 32 Dezitonnen pro Hektar, nach etwa 37,5 Dezitonnen in den vergangenen Jahren.
Besonders deutlich seien die Auswirkungen beim Mais. Der BBV berichtet von trockengestressten Beständen und teilweise deutlich geringeren Wuchshöhen. 44 Prozent der befragten Landwirte bewerteten ihre Maisbestände mit mangelhaft oder ungenügend. Im Norden Bayerns werde Mais nach Angaben des Verbands teilweise bereits geerntet. Dort seien Ernteausfälle von 50 Prozent und mehr möglich.
Für Kartoffeln und Zuckerrüben, die erst im Herbst geerntet werden, bleibe die weitere Entwicklung abzuwarten. Bei Kartoffeln seien nach Einschätzung des BBV geringere Knollengrößen sowie Ertrags- und Qualitätseinbußen möglich. Zuckerrüben könnten Trockenphasen aufgrund ihrer tiefen Wurzeln zwar länger überstehen, stellten bei anhaltendem Wassermangel aber ihr Wachstum ein.
Auch Sonderkulturen betroffen
Auch bei Obst, Gemüse, Wein und Hopfen sei die Wasserversorgung nach Angaben des BBV vielerorts weiterhin ein Thema. Wo möglich, müssten Bestände bedarfsgerecht bewässert werden. Gleichzeitig belasteten hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung die Pflanzen. Für eine weitere Entwicklung der Kulturen seien nach Einschätzung des Verbands in den kommenden Wochen ausreichend Niederschläge und etwas niedrigere Temperaturen wichtig.
Um die wirtschaftlichen Folgen von Ertragsschwankungen besser abfedern zu können, fordert der Bayerische Bauernverband die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen steuerfreien Risikoausgleichsrücklage. Der Verband sieht darin ein Instrument, mit dem land- und forstwirtschaftliche Betriebe für Jahre mit besonders niedrigen Erträgen vorsorgen könnten.
(Quelle: Pressemitteilung Bayerischer Bauernverband / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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