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Zwei Krücken, eine Stoppuhr und 90 Sportabzeichen

Zum 40. und 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen absolviert: Josef Groepper und Adi Schömer. Foto: Copyright Karin Wunsam

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

21. September 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim – 86 und 74 Jahre alt, körperlich eingeschränkt – und trotzdem mitten im Sport: Josef Gropper hat in diesem Jahr sein 50. Deutsches Sportabzeichen geschafft, Adelbert Schömer sein 40, ebenfalls in Gold. Beide sind seit Jahrzehnten sportlich aktiv und als Prüfer beim Behinderten- und Reha-Sportverein Rosenheim engagiert.

Sport spielt im Leben von Adalbert Schömer und Josef Gropper immer schon eine wichtige Rolle. Foto: Karin Wunsam

Auf der roten Laufbahn neben der Luitpoldhalle wirkt die Szene zunächst ganz selbstverständlich. Josef Gropper geht mit schnellen Schritten über die Bahn, neben ihm geht Adi Schömer und stoppt die Zeit. So könnte es auch bei vielen anderen Sportabzeichen-Prüfungen aussehen. Doch dann lohnt sich ein genauerer Blick: Gropper ist 86 Jahre alt und bewegt sich mit nur einem Bein und zwei Krücken über die Laufbahn – und das in einem Tempo, bei dem mancher Jüngere Mühe hätte, mitzuhalten. Schömer gehtt daneben, beobachtet aufmerksam und hat die Stoppuhr im Blick.

Sport als Teil des Lebens

Gropper verlor im Alter von sechs Jahren bei einem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen ein Bein. Es waren die Nachkriegsjahre, spezielle Sportangebote für Menschen mit Behinderung gab es in seiner damaligen Heimat nicht. Eine Prothese, wie man sie heute kennt, hatte er nicht. Selbst Krücken waren schwer zu bekommen. „Ein Schmied stellte sie für mich her“, erzählt er.
Doch Gropper fand seinen eigenen Weg. Schon früh wurde Sport für ihn zu einem festen Bestandteil seines Lebens. „Ich merkte nach dem Unfall schnell, dass mir Sport gut tut“, erinnert er sich. Bewegung wurde für ihn zu etwas, das ihm Freude macht und ihm bis heute guttut. „Der Sport schenkt mir Lebensqualität“, sagt Gropper. Und wenn er nach dem Training wieder vom Sportplatz kommt, beschreibt er es ganz schlicht: „Nach dem Sport fühle ich mich einfach wohler.“
Dass er in diesem Jahr zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen geschafft hat, macht ihn sichtlich stolz. Dafür erhielt er das Sportabzeichen in Gold. Ob er es noch ein weiteres Mal schafft, weiß er selbst nicht. Aber ausgeschlossen ist es keineswegs. Wenn seine Gesundheit es zulässt, kann er sich gut vorstellen, es noch einmal anzupacken.

Auch für Adi Schömer ist Sport seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil seines Lebens. Mit 13 Jahren begann er 1965 mit dem Sport. Später war er zwölf Jahre bei der Bundeswehr und erreichte den Dienstgrad Oberfeldwebel. Während einer Ausbildung mit Sprengmitteln kam es in Deutschland zu einem schweren Dienstunfall. Schömer erlitt dabei gravierende Verletzungen, seine aktive Bundeswehrzeit war damit beendet.
Seinen Weg im Sport setzte er trotzdem fort. Dazu gehörten unter anderem Kampfsport und Fallschirmspringen. Schömer engagierte sich außerdem als Ausbilder im Fallschirmsport und übernahm über die Jahrzehnte viele ehrenamtliche Aufgaben. 2026 legt auch er wieder das Deutsche Sportabzeichen ab – zum 40. Mal.

Behinderung ist nicht gleich Behinderung

Dass beide Männer heute als Sportabzeichen-Prüfer beim Behinderten- und Reha-Sportverein Rosenheim tätig sind, passt deshalb zu ihrer Geschichte. Schömer ist seit 48 Jahren als Prüfer dabei, Gropper seit 39 Jahren. Auf dem Tisch liegt ein dickes Regelwerk. Schömer blättert darin und erklärt, warum die Prüfungen im Behindertensport nicht einfach nach einem einzigen Schema funktionieren können. Die körperlichen Einschränkungen sind unterschiedlich, ebenso die Voraussetzungen der Menschen, die zum Sport kommen. Auch nach Erkrankungen wie Krebs gibt es Teilnehmer, für die Bewegung wieder ein wichtiger Teil des Alltags werden kann.
„Behinderung ist eben nicht gleich Behinderung“, bringt Schömer es auf den Punkt. Als Prüfer müsse man deshalb genau hinschauen. Es gehe darum, die Teilnehmer zu motivieren und ihnen zu helfen, ihre persönlichen Möglichkeiten auszuschöpfen – aber ebenso darum, ihre Grenzen zu erkennen. „Man muss immer ein gutes Auge auf die Teilnehmer haben, um zu sehen, dass sie sich nicht zu viel abverlangen, um gesundheitliche Probleme zu vermeiden“, sagt Schömer.
Vielleicht liegt genau darin eine der Besonderheiten ihrer jahrzehntelangen Arbeit: Sie wissen selbst, was es bedeutet, mit körperlichen Einschränkungen Sport zu treiben. Und sie wissen ebenso, wie gut es tun kann, wenn man dabei nicht auf seine Einschränkung reduziert wird.

Die Freude bleibt

Wenn am Ende einer Prüfung das Sportabzeichen überreicht wird, ist die Freude oft groß – gerade bei älteren Teilnehmern, die sich ihre Leistungen hart erarbeitet haben. Gropper kennt dieses Gefühl selbst nur zu gut. Für ihn ist das 50. Sportabzeichen deshalb nicht nur eine Zahl. Es steht auch für Jahrzehnte, in denen Sport zu seinem Leben gehört hat.

Für Gropper und Schömer geht es dabei längst nicht nur um Zahlen oder Urkunden. Sport ist für beide ein Stück Lebensqualität – und ein Teil ihres Lebens, den sie sich auch nach Jahrzehnten bewahrt haben.
50 und 40 Sportabzeichen sind deshalb vermutlich noch nicht das Ende. Wenn es die Gesundheit zulässt, spricht vieles dafür, dass die beiden auch im kommenden Jahr wieder auf dem Sportplatz anzutreffen sind.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild und Video: Karin Wunsam/ Fotos: Adelbert Schömer)

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