Im ACE-Kreis Chiemseer wurden insgesamt fünf Rastplätze gecheckt – vier an der A94 und einer an der A8. An keinem der Rastplätze gab es eine Notrufsäule. „Notrufsäulen sind auch heute noch sehr wichtig. Auch wenn sehr viele Menschen ein Handy haben, darf man nicht außeracht lassen, dass Handyakkus auch leer sein können. Und: Bei Funklöchern hilft dann auch der vollgeladene Akku nichts!“, so Ursula Hildebrand, ACE-Regionalbeauftragte im Club-Service für Südbayern, die die Checks begleitet hatte. Für den Kreisvorstand unverständlich ist, dass gerade an der A94 keine, von den Rastplätzen aus erreichbare Notrufsäulen aufgestellt sind. „Bei der A94 handelt es sich um eine vergleichsweise neue Autobahn. Es wäre also ein Leichtes gewesen, bei den Planungen Notrufsäulen vorzusehen“, so der Kreisvorsitzende des ACE im Chiemseer Land, Dr. Marc Herzog.
In Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland wies jeder einzelne der getesteten Rastplätze eine Notrufsäule auf. Auch in Brandenburg waren die 37 getesteten Anlagen mit WC voll ausgestattet. Schlusslicht mit deutlichem Abstand bei der Verbreitung der Notrufsäulen war Bayern: Bei den 88 überprüften Rastanlagen ohne WC verfügten nur 55 Prozent über eine Notrufsäule, bei den 97 Anlagen mit WC waren es nur 37 Prozent.
Nutzung in Zeiten von Handy & eCall
Der Gesamtverband der Versicherer, der im Auftrag der Autobahn GmbH die Notrufsäulen entlang der Autobahn betreibt, hat in der letzten Notrufsäulenbilanz 2018 noch immer eine rege Nutzung bestätigt. Insgesamt 52.000 Mal sind die orangen Säulen verwendet worden – obwohl Mobiltelefone zu diesem Zeitpunkt schon sehr weit verbreitet waren. Gleichzeitig hat sich auch die Handyortung verbessert: 2019 startete der so genannte Notruf AML (Advanced Mobile Location) in Deutschland mit den Anbietern Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica, der die Standortübermittlung per Smartphone deutlich verbesserte. Wird der Notruf gewählt, so aktiviert das Handy automatisch WLAN und Satellitennavigation, auch wenn das zuvor deaktiviert war. Da die Daten meist nach wenigen Sekunden per SMS übermittelt werden, ist keine aktive Internetverbindung notwendig. Ähnlich funktioniert der integrierte eCall im Auto, der seit 2018 für alle neuen Kfz-Typen als Ergänzung des Notrufsystems verpflichtend ist. Neben dem Standort können auch Informationen zur Art der Auslösung und zur Anzahl der Insassen übermittelt werden. Auch videobasierte Notrufe sind schon in Deutschland im Einsatz. An der Entwicklung von barrierefreien Notrufsäulen für beispielsweise taubstumme Menschen wird gearbeitet. Alle Notrufsysteme gemeinsam ermöglichen, im Notfall schnell die nötige Hilfe zu organisieren.
(Quelle: Pressemitteilung ACE / Beitragsbild: Symbolfoto , Foto: Hildebrand/ACE)