Der Grund dafür ist eine unbequeme Wahrheit, über die wir sprechen müssen: Die Spendenbereitschaft für den klassischen Tierschutz sinkt nach meiner Wahrnehmung seit Jahren. Als Stadtrat und aktiver ehrenamtlicher Tierschützer erlebe ich diese Entwicklung hautnah mit.
Um diese prekäre Situation zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Denn die Spendenkultur in unserer Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. In den 1960er Jahren war das Spendenverhalten noch stark traditionell und lokal verankert. Die Menschen gaben ihr Geld aus tiefer Verbundenheit dem Bayerischen Roten Kreuz, den Kirchen oder der direkten Nachbarschaftshilfe.
Ab den 1970er Jahren rückte dann der Tierschutz stärker in die Mitte der Gesellschaft. Tierschutzvereine erlebten eine Blütezeit bürgerlicher Unterstützung. Tiere galten als wehrlose Schutzbefohlene, für deren Wohlergehen man gerne und regelmäßig spendete.
Doch die gesellschaftlichen Prioritäten bleiben nicht stehen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für globale ökologische Zusammenhänge traten ab den 1980er Jahren Organisationen wie der Bund Naturschutz stärker in den Vordergrund. In den 1990er Jahren sammelten schließlich große, international agierende Organisationen wie Greenpeace beachtliche Summen. Der emotionale Fokus vieler Spender verlagerte sich vom individuellen Tierleid vor der eigenen Haustür hin zum globalen Umwelt- und Klimaschutz.
In den darauffolgenden Jahrzehnten, spätestens seit 2015, rückten humanitäre Krisen, die Flüchtlingshilfe und die Bewältigung globaler sozialer Notlagen stärker in den Mittelpunkt vieler Spendenaufrufe. Jeder dieser Zwecke ist zweifellos ehrenwert und von gesellschaftlicher Bedeutung. Doch aus meiner Sicht wurde der klassische Tierschutz durch diesen Wandel der Spendenkultur finanziell zunehmend an den Rand gedrängt.
Wenn auch die Erbschaften ausbleiben
Diese Verschiebung des Spendenaufkommens wäre für die Vereine vielleicht noch abzufangen gewesen, gäbe es nicht ein zweites, aus meiner Sicht weitaus gravierenderes Problem: das Ausbleiben von Erbschaften.
Für unzählige Tierschutzvereine waren und sind Nachlässe und testamentarische Zuwendungen über Jahrzehnte hinweg eine entscheidende finanzielle Absicherung. Die Generation, die in den 1970er und 1980er Jahren den Tierschutz als Herzensprojekt entdeckte, hat damals oft großzügig Tierschutzvereine in ihren Testamenten bedacht. Viele dieser Erbschaften sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten angefallen. Es waren solche finanziellen Sonderzuwendungen, die manchen Verein angesichts sinkender Alltagsspenden überhaupt noch über Wasser gehalten haben. Auch in Rosenheim zeigt sich, welche Bedeutung solche Zuwendungen haben können: Der Neubau des Tierheims wurde überhaupt erst durch eine größere zweckgebundene Erbschaft ermöglicht.
Doch die Realität im Jahr 2026 ist aus meiner Sicht eine andere. Es kommt schlichtweg zu wenig nach. Der Zufluss neuer testamentarischer Zuwendungen zugunsten des Tierschutzes scheint vielerorts deutlich abzunehmen. Menschen, die heute ihren Nachlass regeln, setzen möglicherweise andere Schwerpunkte oder ziehen einen gemeinnützigen Verein gar nicht erst als Erben in Betracht.
Wenn es nicht gelingt, diesem Trend entgegenzuwirken, könnten viele Tierschutzeinrichtungen in den kommenden Jahren vor existenziellen finanziellen Problemen stehen.
Ein aktuelles Beispiel: Wenn selbst das Futter knapp wird
Wie unmittelbar sich finanzielle Engpässe auf die tägliche Arbeit auswirken können, zeigt ein aktueller Spendenaufruf des kleinen gemeinnützigen Vereins Dogship Bayern. In einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Instagram-Beitrag schildert der Verein, dass seine Futtervorräte für die betreuten Hunde zur Neige gehen und er die nächste Bestellung kaum noch finanzieren kann.
Die beiden Verantwortlichen nehmen Hunde aus Rumänien auf und betreuen sie, bis sie ein eigenes Zuhause gefunden haben. Manche der Tiere, insbesondere scheue Hunde, bleiben wochen- oder sogar monatelang auf einer Pflegestelle. In dieser Zeit müssen sie zuverlässig versorgt werden. Gleichzeitig fallen verschiedene Kosten an: Tierarztrechnungen, Futter, Sicherheitsgeschirre, Ausgaben für die Betreuung der Hunde und die Unterstützung von Tierschützern in Rumänien bis zur Anreise. Hinzu kommen weitere laufende Kosten für den Verein. Die Verantwortlichen machen deutlich, dass sie und ihre Pflegestellen bereits viel leisten, ihre finanziellen Möglichkeiten aber begrenzt sind. Sie bitten deshalb um Geld- und Futterspenden.
Dieses Beispiel macht deutlich, wie schnell ein kleiner Verein an seine Grenzen geraten kann. Die Versorgung der Tiere muss weitergehen, auch wenn die Einnahmen nicht ausreichen. Für die betroffenen Hunde ist es unerheblich, ob gerade genügend Spenden eingehen: Sie brauchen täglich Futter, Pflege und Zuwendung.