Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1937. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist der Rosenheimer Aicherpark. Wobei das nicht ganz stimmt: Den Aicherpark, wie wir ihn heute kennen, gab es damals noch gar nicht. Zu sehen ist vielmehr das weitläufige Werksgelände der Firma Aicher – genauer gesagt die Holz- und Bretterlager des Unternehmens, das dem späteren Gewerbe- und Einkaufsgebiet seinen Namen geben sollte.
Das Areal im Westen Rosenheims war zu dieser Zeit von der Holzverarbeitung geprägt. Auf den großen Lagerplätzen wurde Holz gelagert, daneben befanden sich Säge- und Hobelwerke. Das weitläufige Werksgelände war so angelegt, dass die verschiedenen Bereiche gut erreichbar waren und das Holz möglichst reibungslos weitertransportiert werden konnte.
Dafür standen sowohl Lastwagen als auch firmeneigene Gleisanschlüsse zur Verfügung. Die historische Aufnahme vermittelt damit einen Eindruck davon, wie das Gelände vor fast 90 Jahren aussah – lange bevor hier Geschäfte, Parkplätze und Gewerbebetriebe das Bild bestimmten.
Vom Holzhandel zum Großbetrieb
Die Geschichte der Firma Aicher begann 1912 in Traunstein. Die Brüder Georg, Simon und Franz Xaver Aicher gründeten dort zunächst eine Holzhandlung. 1925 verlegten sie den Betrieb nach Rosenheim auf das große Gelände einer ehemaligen militärischen Sanierungs- und Entlausungsanstalt im Westen der Stadt.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Holzverarbeitungsbetrieb. Neben Säge- und Hobelwaren wurden unter anderem Parkett und Sperrholz hergestellt. Ab 1952 produzierte Aicher auch Spanplatten und betrieb damit eines der ersten Spanplattenwerke in der Bundesrepublik Deutschland.
Ende der 1950er-Jahre beschäftigte das Unternehmen rund 600 Menschen. Firmeninhaber Georg Aicher engagierte sich darüber hinaus für die Entwicklung des Rosenheimer Holztechnikums und die Holzforschung.
Vom Werksgelände zum Aicherpark
Nach dem Tod von Georg Aicher im Jahr 1967 wurde das Unternehmen von seinem Neffen weitergeführt. Veränderte Marktbedingungen und strukturelle Probleme führten schließlich dazu, dass der Holzbetrieb 1979 stillgelegt wurde.
Damit begann für das große Areal ein neues Kapitel. Das frühere Industrie- und Lagergelände wurde schrittweise in einen Gewerbe- und Handelsbereich umgewandelt. In den 1980er-Jahren entwickelte sich der Aicherpark zunehmend zum Einkaufsstandort. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung des DEZ, des Inntal-Einkaufszentrums. An seiner Stelle befindet sich heute das Kaufland.
Aus dem ehemaligen Holzverarbeitungsbetrieb ist damit ein Areal mit zahlreichen Geschäften und Dienstleistern geworden. Der Name Aicherpark erinnert aber bis heute an die Geschichte des Unternehmens, das das Gelände über Jahrzehnte prägte.
Und genau davon erzählt auch unsere historische Aufnahme: von einer Zeit, in der dort noch Bretter und Holzstapel das Bild bestimmten – und vom Aicherpark, wie wir ihn heute kennen, noch keine Spur war.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


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