
Von Krimi bis Klima: Was Bayerns Moore für uns leisten
Hilpoltstein / Bayern – Moore sind aus vielen Krimis nicht wegzudenken. Doch die feuchten Lebensräume sorgen für weit mehr als Spannung und Grusel. Was Bayerns Moore für uns leisten erfahrt Ihr hier:
Sie speichern Kohlenstoff, wenn sie nass sind. Trockengelegt werden sie hingegen zu gewaltigen Quellen für Treibhausgasemissionen, insbesondere für CO2. „Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche ausmachen, sind Moore von großem Wert für das ökologische Gleichgewicht und unverzichtbare Verbündete im Klimaschutz“, sagt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. „Auch in Bayern ist die Wiederherstellung entwässerter Moore eine Aufgabe, der wir uns mit großem Engagement widmen müssen. Darin und in ihrem Erhalt liegt auch ein Teil unserer Verantwortung für kommende Generationen.” Zum Welttag der Feuchtgebiete am 2. Februar macht der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) deshalb auf die Bedeutung intakter Moore für Bayern aufmerksam.
Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher innerhalb der Landökosysteme: Sie können deutlich mehr CO₂ speichern als Wälder. „Neben ihrer Funktion im Klimaschutz filtern Moore auch Nähr- und Schadstoffe aus dem Grundwasser. Als Nieren der Landschaft halten sie Gewässer rein und sichern die Qualität unseres Trinkwassers“, erklärt Helmut Beran. Moore dienen auch dem Hochwasserschutz: Als enorme Wasserspeicher wirken sie in der Landschaft wie Schwämme. Außerdem sind Moore ein unersetzlicher Lebensraum für Arten, wie Bekassine, Moorfrosch und Sonnentau, die nur in diesen feuchten Ökosystemen ideale Lebensbedingungen finden.
Wasser Marsch auf LBV-Fläche: Renaturierung im Ebenbergfilz
Der LBV setzt sich auf seinen Flächen aktiv für den Moorschutz ein. 2019 kauften die Naturschützer 14,7 Hektar des Hochmoores Ebenbergfilz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Davon wurden 11,5 Hektar im vergangenen Jahr renaturiert. „Noch bis Anfang der 1980er Jahre wurden im Ebenbergfilz Entwässerungsgräben und Drainagen angelegt, die dazu führten, dass sich der Moorwasserspiegel absenkte. Dadurch hat sich die Treibhausgasbilanz des Moores stark verschlechtert und die typischen Hochmoorarten verloren ihren Lebensraum“, sagt Dr. Sabine Tappertzhofen, Leiterin der LBV-Geschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen.
Im Rahmen dieses von der Regierung von Oberbayern geförderten Projekts „Moore im Tölzer Land“ wurden 125 Torfdämme von einer darauf spezialisierten Baufirma angelegt. Bereits im Frühjahr 2024 stieg der Moorwasserspiegel in weiten Teilen des LBV-Grundstücks wieder an. „In wassergesättigtem Zustand lässt sich der Abbau von Torf deutlich reduzieren. So werden im Ebenbergfilz mindestens 60 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr nicht mehr ausgestoßen. Das Ebenbergfilz entwickelt so wieder eine positive Klimawirkung“, betont Tappertzhofen. Wasser wird durch den verzögerten Abfluss in der Landschaft zurückgehalten und die typischen Hochmoorarten können sich wieder ausbreiten oder neu ansiedeln.
Bayerns Moore
Im Freistaat gibt es rund 220.000 Hektar Moore, der Schwerpunkt liegt im Alpen und Voralpenraum bis zur Donau. Rund 95 Prozent der Moorflächen sind inzwischen entwässert. Die Bayerische Staatsregierung hat als Ziel die Renaturierung von 55.000 Hektar ausgegeben, das entspricht 25 Prozent der Moorflächen Bayerns. Das ist ein erster wichtiger Schritt zum Klima- und Artenschutz. Der LBV fordert für die Moore eine umfängliche Wiedervernässung mit einem ganzjährigen, oberflächennahen Grundwasserstand verbunden mit einer extensiven Bewirtschaftung.
Im ehemals größten bayerischen Niedermoor, dem Donaumoos, hat der Freistaat Bayern im Frühjahr 2024 begonnen, rund 50 Hektar zu renaturieren. Bis zum Jahr 2031 sollen 200 Millionen Euro investiert werden, um auf insgesamt 2.000 Hektar Fläche im Dreieck zwischen Ingolstadt, Neuburg an der Donau und Pöttmes den Wasserstand anzuheben und so eine dauerhafte Wiedervernässung zu erreichen. „Hier steht die Staatsregierung in der Pflicht, trotz der schwieriger Finanzlage die zugesagten Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Um die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen, ist eine großflächige Wiedervernässung im Donaumoos und in anderen Moorgebieten unerlässlich”, so Helmut Beran.
Moorschutz beginnt im Garten
Jahr für Jahr greifen Hobbygärtner in den Gartencentern und Baumärkten zu frischer Blumenerde, um Pflanzgefäße und Balkonkästen zu befüllen. Doch was viele nicht wissen: In den Plastiksäcken mit der Aufschrift „Erde“ befindet sich meist größtenteils Torf. Dieser wertvolle Rohstoff entsteht über Jahrtausende und wird für eine einzige Gartensaison verwendet, nur um danach als Abfall zu enden. Jeder Gartenbesitzer leisten mit dem Kauf von torffreier Erde einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz. Wer zu torffreier Erde greift, schützt nicht nur die letzten Moorlandschaften, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz.
Weitere Informationen zum torffreien Gärtnern unter: www.lbv.de/torf
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)