Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1914. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist die Rosenheimer Fischküche mit einer Außenansicht des Hauses und einem Blick in die damalige Gaststube. Vieles hat sich seitdem verändert – die Fischküche selbst gibt es aber bis heute.
Als dieses Foto entstand, war das markante Eckhaus an der Gillitzerstraße noch keine zehn Jahre alt. Der Aiblinger Baumeister Johann Meishammer hatte das viergeschossige Gebäude Anfang 1907 fertiggestellt. Noch im selben Jahr eröffnete Benedikt Bierbichler dort das „Rosenheimer Volksstüberl“. Der gelernte Fischermeister hatte sich auch das Weißbierbrauen angeeignet und machte Fischgerichte von Beginn an zu einer Spezialität seines Hauses.
Deshalb ließ Bierbichler die Aufschrift „Fischküche“ an der Fassade anbringen. Der Name blieb den Rosenheimern im Gedächtnis und setzte sich schließlich als Bezeichnung für das gesamte Wirtshaus durch. Seit den 1950er Jahren heißt die Gaststätte offiziell nur noch „Fischküche“.
1914 kam noch die Brauerei dazu
Das Jahr unserer Aufnahme ist für die Geschichte des Hauses ebenfalls interessant. 1914 ließ Benedikt Bierbichler im Rückgebäude ein eigenes Sudhaus einbauen. Damit bestand der Familienbetrieb zu dieser Zeit aus mehreren Bereichen: vorne die Gaststätte, im Hof die Fischhandlung und im Rückgebäude die Weißbierbrauerei. Das Bierbichler-Weißbier entwickelte sich zu einem wichtigen Teil des Geschäfts.
Auch ein Blick in die Gaststube ist auf dem historischen Foto möglich. Die Einrichtung wirkt deutlich schlichter als heute. Tische und Stühle stehen dicht beieinander, dazu kommen die für ein Wirtshaus jener Zeit typischen Holzmöbel. Es war eine andere Zeit – und auch das Wirtshausleben dürfte entsprechend anders ausgesehen haben.
Das Gebäude und die Gaststätte haben seitdem viele Veränderungen erlebt. Die Brauerei blieb allerdings noch Jahrzehnte Teil des Betriebs. Erst 1996/97 endete die Bierproduktion an diesem Ort. Das Bierbichler-Weißbier wird seitdem von der Flötzinger Brauerei nach dem ursprünglichen Rezept gebraut.
Die Gaststätte selbst ist dagegen geblieben. Nach vielen Jahrzehnten und verschiedenen Wirtsleuten wird die Fischküche heute weiterhin als Traditionsgasthaus geführt.
Mehr als 110 Jahre liegen zwischen der historischen Aufnahme und der heutigen Fischküche. Die Gaststube sieht inzwischen anders aus, das Leben im Haus hat sich verändert – aber der Name an der Gillitzerstraße ist geblieben.
Und genau das macht solche alten Aufnahmen für mich so spannend: Man schaut auf ein Rosenheim, das längst vergangen ist, und entdeckt darin gleichzeitig Orte, an denen unsere Stadtgeschichte bis heute weiterlebt.
Wer von Euch kennt die Fischküche noch aus früheren Jahrzehnten? Und erinnert Ihr Euch an eine ganz bestimmte Zeit oder einen Wirt?
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


Wenn ich mich richtig erinnere, war Ende der 70er/Anfang der 80er Nick Leitner der Wirt.
Wie lange weiß ich allerdings nicht, da ich Rosenheim 1981 beruflich bedingt verlassen habe und nur noch sporadisch meine Eltern besucht habe!
Hatte aber eine tolle Kindheit/Jugend in Rosenheim!!
Die Familie Leitner war auf jeden Fall noch bis weit in die 80er-Jahre Wirt der Fischküche .
Wie lange genau, weiß ich leider auch nicht.
Noch etwas: Dieselben Fotos wurden am 19.April schon einmal mit Datierung „ca. 1920“ von Innpuls veröffentlicht. Gibt’s einen Grund für die Neudatierung, oder ist das nur darauf zurückzuführen, dass in der Sammlung Borrmann ein- und dasselbe Foto zweimal mit verschiedenen Datierungen enthalten ist?
Tatsächlich tauchen einige Motive mehrmals in der Sammlung auf. Es handelt sich dabei dann zwar um das gleiche Motiv, aber nicht unbedingt um das gleiche Foto. Dazu muss man wissen: Herbert Borrmann setzt sein Archiv ja aus vielen unterschiedlichen Fotosammlungen, privaten Fotoalben usw. zusammen und da tauchen tatsächlich immer wieder mal die gleichen Fotos in verschiedenen Alben auf.
Danke an Frau Wunsam für die Antwort!
Die Datierung auf 1920 ist auf jeden Fall zutreffender als die auf 1914, weil der Anbau an das Gasthaus (im Hintergrund zu erkennen) erst 1919 erfolgt ist, wie ich mittlerweile herausgefunden habe.