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Innpuls-Tagebuch: Wenn Galeria geht – was wird aus Rosenheims Einkaufsstadt?

Karin Portrait-Foto. Flotomontage mit Hintergrund.

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

9. Oktober 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

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Rosenheim  – Galeria steckt erneut in der Insolvenz. Für die Beschäftigten beginnt das Bangen um ihre Arbeitsplätze von vorn. Für Rosenheim steht noch mehr auf dem Spiel: Das Warenhaus ist ein wichtiger Anlaufpunkt in der Innenstadt. Doch was, wenn sich das klassische Kaufhausmodell nicht mehr retten lässt? Und welche Zukunft könnte ein Gebäude haben, das für viele Rosenheimer seit Jahrzehnten zum Stadtbummel dazugehört?

Wenn ich an dieses Haus denke, sehe ich nicht zuerst die heute oft leeren Verkaufsflächen vor mir. Ich denke an meine Kindheit. Ein Besuch bei Karstadt war damals für mich ein kleines Abenteuer. Es gab so viel zu entdecken, dass ich mich stundenlang hätte umsehen können. Besonders die Plüschtiere von Steiff in der Spielwarenabteilung sind mir in Erinnerung geblieben. Sie bewegten sich in der Auslage, und ich hätte ihnen ewig zuschauen können. Was wir damals gekauft haben, weiß ich heute nicht mehr. Aber das Gefühl, in diesem Einkaufsparadies unterwegs zu sein, ist geblieben. Wenn es für mich eine Kleinigkeit gab, war die Freude riesig.

Zu diesen Kindheitserinnerungen gehört auch ein kleines Herbstfest auf der Dachterrasse von Karstadt, passend zum großen Rosenheimer Herbstfest. Solche Erlebnisse machten das Warenhaus für mich zu einem besonderen Ort. Es ging nicht nur darum, etwas zu kaufen. Es gab etwas zu entdecken, und manchmal wurde schon der Besuch selbst zum Erlebnis.

Später, als ich selbst als Journalistin über Rosenheim berichtete, erlebte ich Karstadt noch einmal ganz anders. Das Warenhaus überraschte mit besonderen Veranstaltungen: Kinder durften in der Spielwarenabteilung übernachten, es gab Verkostungen und bei der langen Einkaufsnacht „Rosige Zeiten“ wurde sogar auf verschiedenen Etagen Sekt  ausgeschenkt.

Auch das waren mehr als bloße Verkaufsaktionen. Für mich vermittelten sie das Gefühl: Karstadt gehört zu Rosenheim – und Rosenheim gehört zu Karstadt. Man kannte sich, man schätzte sich, und das Warenhaus suchte die Nähe zur Stadt und ihren Menschen. Es war ein Stück Rosenheimer Lebensgefühl.

Vom Einkaufsparadies zum Toilettenbesuch

Von diesem Wir-Gefühl ist in den vergangenen Jahren für mich allerdings immer weniger zu spüren. Ich selbst habe dort kaum noch etwas gekauft. Wer mit offenen Augen durch die Etagen geht, sieht an vielen Tagen große freie Flächen und wenig Betrieb. Auch das Konzept und die Gestaltung wirken auf mich inzwischen ziemlich aus der Zeit gefallen.

Eine ehemalige Rosenheimer City-Managerin brachte den Zustand des Hauses einmal mit einer Bemerkung auf den Punkt: Man müsse ehrlich sein – viele kämen nur noch wegen der sauberen Toiletten. Das klingt hart. Aber vermutlich wissen einige, was damit gemeint ist. Ein Warenhaus, das früher zum Entdecken und Einkaufen einlud, wird dann vor allem wegen eines ganz praktischen Angebots aufgesucht.

Das ist nicht nur eine Rosenheimer Entwicklung. Der klassische Warenhausgedanke, möglichst vieles unter einem Dach anzubieten, steht seit Jahren unter Druck. Der Onlinehandel, spezialisierte Geschäfte und veränderte Einkaufsgewohnheiten haben die Branche verändert. Große Verkaufsflächen und hohe laufende Kosten machen es zusätzlich schwer. Ein Warenhaus kann nicht allein von Erinnerungen leben – und auch nicht davon, dass es mitten in der Stadt steht.

Trotzdem kann und will ich mir Rosenheim ohne dieses große Haus kaum vorstellen. Es ist ein wichtiger Anker für die Innenstadt. Man verabredet sich dort, verbindet den Besuch mit einem Stadtbummel oder schaut einfach einmal hinein. Wenn ein solcher Ort wegfällt, verschwindet deshalb nicht nur eine Verkaufsfläche. Es verändert sich auch das Umfeld, in dem andere Geschäfte auf Laufkundschaft hoffen.

Die Beschäftigten bangen – und die Zukunft bleibt offen

Die erneute Insolvenz von Galeria lässt die Zukunft des Rosenheimer Standorts wieder offen erscheinen. Noch ist damit nicht gesagt, dass das Warenhaus schließen muss. Aber die Unsicherheit ist zurück – und mit ihr die Frage, wie lange sich das bisherige Modell noch halten lässt.
Natürlich wünsche ich den Beschäftigten, dass es für sie und das Warenhaus noch einmal weitergeht. Sie müssen jetzt schon wieder um ihre Arbeitsplätze bangen, obwohl sie auf die Entscheidungen der Konzernleitung und der Eigentümer kaum Einfluss haben. Für sie ist diese erneute Insolvenz keine abstrakte Debatte über die Zukunft des Einzelhandels, sondern die ganz konkrete Frage, wie es beruflich für sie weitergeht.

Gleichzeitig frage ich mich, ob es auf Dauer reichen kann, ein Warenhaus immer wieder zu retten, ohne grundsätzlich über seine Zukunft nachzudenken. Ich fürchte, dass das klassische Kaufhausmodell in seiner bisherigen Form auch in Rosenheim an Grenzen stößt. Das ist keine Prognose über eine unmittelbar bevorstehende Schließung. Es ist aber ein Grund, sich schon jetzt Gedanken darüber zu machen, was dieser Standort künftig leisten könnte.

Dabei wird schnell der Ruf nach der Stadt und dem Oberbürgermeister laut. Natürlich ist es wichtig, dass die Stadt im Gespräch bleibt und nach Möglichkeiten sucht, den Standort zu unterstützen. Sie kann vermitteln, Kontakte herstellen und versuchen, gute Rahmenbedingungen für eine neue Nutzung zu schaffen. Doch das Gebäude an der Münchener Straße und der Gillitzerstraße befindet sich in privatem Eigentum. Die Stadt kann deshalb nicht allein entscheiden, wie es künftig genutzt wird. Umso wichtiger wäre es, nicht erst dann über Alternativen zu sprechen, wenn die Türen womöglich schon geschlossen sind.

Eine klimatisierte Oase mitten in der Innenstadt?

Wenn ich mir überlege, was aus dem großen Gebäude werden könnte, denke ich manchmal an die überdachten  klimatisierten großen Einkaufszentren in Italien. Dort gibt es nicht nur Geschäfte, sondern oft auch Supermärkte, Cafés mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und Pflanzen, Friseure und andere Dienstleistungen. Man kann einkaufen, etwas essen, sich treffen und einfach eine Weile bleiben. Teilweise gibt es Angebote für Kinder und weitere Freizeitmöglichkeiten.

Warum sollte es nicht auch in Rosenheim einen Ort geben, der mehr ist als eine Ansammlung von Läden? Eine Art klimatisierte Oase mitten in der Innenstadt, die im Sommer angenehm kühl und im Winter ein geschützter Treffpunkt ist. Ein Ort, an dem Menschen gern Zeit verbringen – auch dann, wenn sie keinen konkreten Einkaufszettel dabei haben.
Das ist eine persönliche Vorstellung, kein fertiger Plan. Ein Umbau des bestehenden Gebäudes wäre vermutlich eine große finanzielle und technische Herausforderung. Eigentümer, mögliche Betreiber und Mieter müssten ein Konzept entwickeln, das nicht nur attraktiv klingt, sondern sich auch wirtschaftlich tragen kann. Doch genau darüber sollte nachgedacht werden, solange noch Zeit dafür ist.

Die Stadt kann dabei vermitteln, Gespräche anstoßen und gute Rahmenbedingungen schaffen. Entscheiden kann sie über die Zukunft des privat genutzten Gebäudes aber nicht allein. Umso wichtiger wäre es, dass Eigentümer, Stadt und mögliche Partner frühzeitig darüber sprechen, welche neue Nutzung an diesem zentralen Standort denkbar wäre.

Rosenheim braucht eine Idee für morgen

Natürlich hoffe ich, dass Galeria erhalten bleibt. Für die Beschäftigten wäre das eine wichtige Nachricht, und auch für die Innenstadt wäre es ein Gewinn. Aber ich möchte nicht, dass Rosenheim erst dann über die Zukunft dieses Standorts nachdenkt, wenn die Türen tatsächlich geschlossen werden sollten.
Vielleicht lässt sich das Warenhaus weiterentwickeln, vielleicht braucht es eine ganz neue Mischung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeitangeboten. Was davon realistisch ist, muss geprüft werden. Entscheidend ist für mich, dass wir uns überhaupt trauen, größer zu denken.

Denn ich möchte mir eine lebendige Rosenheimer Innenstadt auch in Zukunft vorstellen können – mit Orten, an denen Menschen nicht nur schnell etwas erledigen, sondern sich gern aufhalten. Das Gebäude an der Münchener Straße und der Gillitzerstraße könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Es wäre schade, wenn wir erst über seine Möglichkeiten sprechen, wenn es für manche davon schon zu spät ist 

Liebe Grüße aus der Redaktion
Karin

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