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Innpuls-Tagebuch: Zwischen Komfort und Verantwortung im eigenen Garten

Karin Portrait-Foto. Flotomontage mit Hintergrund.

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

17. Juli 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim – Seit der Diskussion um ein mögliches Nachtfahrverbot für Mähroboter in Rosenheim schaue ich mit etwas anderen Augen auf meinen eigenen Garten. Denn die Debatte wirft eine spannende Frage auf: Warum fällt es uns eigentlich so schwer, einen Garten einfach einmal wachsen zu lassen?

Ich verstehe sehr gut, warum Mähroboter so beliebt sind. Ein kleiner technischer Helfer, der selbstständig seine Runden dreht, den Rasen kurz hält und uns Arbeit abnimmt, klingt schließlich verlockend. Gerade in einer Zeit, in der Freizeit für viele Menschen ein kostbares Gut geworden ist, scheint es naheliegend, möglichst viele lästige Aufgaben an Maschinen abzugeben.

Mähroboter sind längst in vielen deutschen Gärten angekommen. Aktuelle Statistiken zeigen, dass immer mehr Haushalte auf automatische Helfer setzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Sie sparen Zeit, erleichtern die Gartenarbeit und passen perfekt zu unserem Wunsch nach Komfort und Effizienz.

Vielleicht spielt aber noch etwas anderes eine Rolle: unsere besondere Beziehung zu Ordnung und Struktur. Ein gepflegter Garten, ein exakt geschnittener Rasen und ein ordentlicher Vorgarten gelten in unserer Gartenkultur traditionell als Zeichen dafür, dass ein Haus gut gepflegt wird. Der Mähroboter passt hervorragend zu diesem Bild. Er sorgt zuverlässig dafür, dass der Rasen immer gleichmäßig kurz bleibt – ohne dass wir selbst viel Zeit investieren müssen.

Dazu kommt unsere Begeisterung für Technik. Deutschland ist ein Land der Tüftler und Ingenieure. Geräte, die sich automatisch steuern lassen, die per App funktionieren und uns Arbeit abnehmen, faszinieren viele Menschen. Es hat zweifellos etwas Beeindruckendes, wenn ein kleiner Roboter selbstständig seine Bahnen zieht und man ihm beinahe entspannt bei seiner Arbeit zuschauen kann.

Und trotzdem hat mich die Diskussion über den Mähroboter noch einmal über etwas anderes nachdenken lassen: Nicht jede Arbeit, die uns Technik abnehmen kann, müssen wir auch tatsächlich abgeben.

Was uns Technik abnimmt – und was wir vielleicht gewinnen, wenn wir darauf verzichten

Ich bin weit davon entfernt, Technik grundsätzlich kritisch zu sehen. Im Gegenteil: Viele technische Errungenschaften möchte ich im Alltag nicht mehr missen. Kaum jemand möchte heute noch seine Wäsche wie früher mühsam von Hand waschen und schrubben, bis die Finger wund sind. Aber manchmal lohnt es sich trotzdem, innezuhalten und sich zu fragen: Brauche ich diese Erleichterung wirklich?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mir irgendwann unbedingt einen Wäschetrockner anschaffen wollte. Natürlich hat ein solches Gerät viele Vorteile. Gerade für Menschen mit wenig Platz oder einem vollen Familienalltag kann es eine große Hilfe sein. Es spart Zeit und erleichtert die Arbeit.
Am Ende habe ich mich trotzdem bewusst dagegen entschieden. Und ehrlich gesagt: Ich vermisse ihn nicht. Im Gegenteil. Heute genieße ich es manchmal sogar, nach langem Sitzen am Schreibtisch eine Pause einzulegen, die Wäsche auf die Terrasse zu bringen und sie draußen aufzuhängen. Dabei höre ich die Vögel zwitschern, bekomme ein bisschen Bewegung und habe einen Moment, in dem ich nicht auf einen Bildschirm schaue.

Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich auch über den Mähroboter nachdenken lässt. Nicht jede eingesparte Minute ist automatisch ein Gewinn. Manchmal liegt der Wert einer Tätigkeit auch darin, dass sie uns mit unserer Umgebung verbindet.

Vor einigen Jahren haben wir uns deshalb entschieden, in unserem Garten etwas mehr Mut zur Wildnis zu haben. Gemäht wird inzwischen tatsächlich nur noch zweimal im Jahr. Dabei greifen wir inzwischen sogar wieder zu einer ganz alten Technik: der Sense. Das klingt vielleicht zunächst etwas romantisch, ist aber vor allem pragmatisch. Unser Gras ist inzwischen so hoch und vielfältig, dass ein klassischer Rasenmäher dafür gar nicht mehr geeignet wäre. Also haben wir wieder gelernt, mit der Sense umzugehen. Und ich muss sagen: Es hat etwas sehr Beruhigendes. Man arbeitet langsam, hört die Geräusche der Natur und greift gleichzeitig deutlich schonender in den Lebensraum ein als mit einem lauten Motorgerät. 

Ich gebe zu: Am Anfang war unser „wilder Garten“ für mich eine echte Umstellung. Denn für Menschen, die einen perfekt gepflegten Garten mit exakt geschnittenem Rasen verbinden, wirkt unser Garten heute vermutlich extrem ungepflegt.
Früher hat mich das ehrlich gesagt auch immer wieder einmal verunsichert. Wenn Besuch kam und jemand etwas irritiert auf das hohe Grün schaute, war mir das durchaus ein wenig unangenehm. Heute ist das anders.

Denn unser Mut wurde von der Natur belohnt. Der Garten hat sich nach und nach seinen eigenen Weg gesucht. Immer wieder entdecke ich neue Pflanzen, die plötzlich auftauchen. Thymian ist von alleine gewachsen, dazu viele andere Kräuter und Blumen, die inzwischen sogar in der Küche Verwendung finden.

Vor allem aber ist der Garten lebendig geworden. Kleine Wildbienen, verschiedene Schmetterlinge, eine Kreuzspinne und viele andere kleine Bewohner gehören inzwischen ganz selbstverständlich dazu. Und auch Igel kommen regelmäßig zu Besuch. Weniger ist halt manchmal tatsächlich mehr

Natürlich weiß ich: Nicht jeder Garten kann oder möchte so aussehen. Und natürlich hat ein Mähroboter für viele Menschen seine Berechtigung. Technik kann unser Leben leichter machen. Es geht deshalb nicht darum, technische Entwicklungen abzulehnen.
Vielleicht lohnt es sich aber, manchmal zu hinterfragen, was wir tatsächlich brauchen – und ob unsere Vorstellung von Ordnung immer auch die beste Lösung ist.

Denn gerade beim Garten zeigt sich ein spannender Widerspruch: Wir Menschen versuchen oft, die Natur möglichst genau nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Gleichzeitig wünschen wir uns mehr Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Vielleicht müssen wir deshalb unser Bild von einem schönen Garten ein Stück weit verändern. Ein Garten muss nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein. Manchmal entstehen die schönsten Dinge gerade dort, wo wir nicht ständig eingreifen.
Und auch der Verzicht auf häufiges Mähen ist letztlich eine ganz pragmatische Entscheidung. Ich spare mir Arbeit und Zeit. Diese gewonnene Zeit geht nicht verloren – ich nutze sie nur anders. Ich beobachte, was wächst, welche Tiere kommen und welche Überraschungen die Natur bereithält.

Wenn heute jemand beim Blick auf meinen Garten meint: „Einmal mähen wäre aber auch mal wieder nötig, oder?“, dann schmunzle ich nur noch. Denn inzwischen weiß ich: Ich habe nichts verloren, weil ich weniger mähe. Ich habe etwas gewonnen.

Vielleicht ist das die eigentliche Frage hinter der Diskussion um Mähroboter: Nicht, ob Technik gut oder schlecht ist. Sondern ob wir manchmal bewusst auf eine Erleichterung verzichten können, wenn wir dafür etwas anderes zurückbekommen.
Vielleicht ist der größte Komfort am Ende nicht der Roboter, der die Arbeit übernimmt. Vielleicht ist es der Garten, der weniger Arbeit macht, weil wir aufgehört haben, ihn ständig verändern zu wollen.

Liebe Grüße aus der Redaktion

Karin

1 Kommentar

  1. Ein ausgesprochen nachdenkenswerter Beitrag.

    Vielleicht erkennt doch der ein oder andere dass Artenvielfalt und Buntheit im eigenen Garten einen Gewinn darstellt.

    Für alle.

    Antworten

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