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Tony Cragg am Tegernsee: Kunst, die sich mit jedem Schritt verändert

Kunstausstellung mit Werken von Tony Cragg rund um den Tegernsee. Fotos: Copyright Hendrik Heuser

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

19. September 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Gmund am Tegernsee – Ein riesiger Tannenzapfen? Zwei ineinander verdrehte Körper? Oder doch etwas ganz anderes? Bei den Skulpturen von Tony Cragg lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten. Denn wer um seine Werke herumgeht, bekommt immer wieder einen neuen Eindruck. Noch bis zum 5. Oktober stehen fünf monumentale Arbeiten des britisch-deutschen Bildhauers an verschiedenen Orten rund um den Tegernsee – zwei davon bei Gut Kaltenbrunn in Gmund.

Kunstausstellung mit Werken von Tony Cragg rund um den Tegernsee. Fotos: Copyright Hendrik Heuser

Fünf monumentale Skulpturen von Tony Cragg kann man aktuell rund um den Tegernsee bewundern. Fotos: Copyright Hendrik Heuser

Gerade dort wird schnell deutlich, was diese Ausstellung im Freien so besonders macht. Die Skulpturen stehen nicht in einem neutralen Museumsraum. Dahinter liegen der See und die Berge, daneben Wiesen und Bäume. Licht, Wetter und die eigene Position verändern den Eindruck der Kunstwerke ständig.

Zwei Skulpturen bei Gut Kaltenbrunn

Bei Gut Kaltenbrunn treffen zwei sehr unterschiedliche Arbeiten aufeinander. „Tommy“ von 2013 ist rund 3,60 Meter hoch und aus grünem, glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Die Form wirkt, als würden sich mehrere große Volumen übereinanderschieben und gleichzeitig in Bewegung geraten.

Kunstausstellung mit Werken von Tony Cragg rund um den Tegernsee. Fotos: Copyright Hendrik Heuser

Daneben liegt „Early Forms St. Gallen“ aus dem Jahr 1997. Die etwa 5,50 Meter lange, schwarz patinierte Bronzeskulptur gehört zu einer Werkgruppe, mit der sich Cragg seit den 1980er-Jahren beschäftigt. Ausgangspunkt sind dabei einfache Gegenstände wie Schalen und Gefäße. In seinen Skulpturen sind diese vertrauten Formen allerdings kaum noch als solche zu erkennen. Sie werden auseinandergezogen, verdreht und miteinander verbunden.
Das Spannende daran: Man muss die Skulpturen nicht auf eine bestimmte Weise betrachten. Ein paar Schritte zur Seite können reichen, damit aus einer kompakten Form plötzlich eine völlig andere Silhouette wird. Konturen verschieben sich, Zwischenräume werden sichtbar und manche Formen erinnern für einen Moment sogar an Gesichter oder Körper.

Ein Spaziergang mit fünf Stationen

Insgesamt sind fünf große Arbeiten von Tony Cragg rund um den Tegernsee aufgestellt. Neben den beiden Werken bei Gut Kaltenbrunn gehören „Points of View“, „Senders“ und „Ourea“ zur Ausstellung. Sie stehen in Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee.

Kunstausstellung mit Werken von Tony Cragg rund um den Tegernsee. Fotos: Copyright Hendrik Heuser

Damit lässt sich die Ausstellung auch mit einem Spaziergang verbinden. Bei „Points of View“ beispielsweise wird die Umgebung selbst Teil des Kunstwerks: Die Oberfläche aus poliertem Edelstahl spiegelt Himmel, Landschaft und Betrachter. Je nach Standort und Licht entsteht ein anderes Bild.
Die Ausstellung „Tegernsee Art Masters – Seemeile Nr. 1: Elemente“ läuft noch bis zum 5. Oktober 2026.

Wer steckt hinter den ungewöhnlichen Formen?

Tony Cragg wurde 1949 in Liverpool geboren und lebt seit 1977 in Wuppertal. Der Bildhauer zählt zu den international bekannten Künstlern seiner Generation. Seine Arbeiten beschäftigen sich immer wieder mit der Frage, wie aus einem Material eine Form entsteht und wie sich unser Blick auf diese Form verändert.
Dabei interessiert Cragg nicht nur das fertige Ergebnis. Auch Naturformen, Bewegung und die Eigenschaften verschiedener Materialien spielen eine Rolle. Genau deshalb wirken seine Arbeiten häufig gleichzeitig künstlich und erstaunlich vertraut.

Wer die großen Skulpturen am Tegernsee betrachtet, kann deshalb durchaus den Eindruck bekommen, etwas Gewachsenes vor sich zu haben – obwohl eindeutig erkennbar ist, dass hier ein Künstler mit Material und Form gearbeitet hat.

Noch mehr von Tony Cragg im Museum

Wer wissen möchte, wie Cragg an solche Formen herangeht, kann anschließend noch ins Olaf Gulbransson Museum nach Tegernsee weitergehen. Dort ist seit dem 19. September die Sonderausstellung „Tony Cragg – Zeichnungen und Skulpturen“ zu sehen.
Gezeigt werden Zeichnungen, Aquarelle und kleinere Skulpturen. Die Auswahl der Arbeiten hat der Künstler selbst getroffen. Die Ausstellung läuft bis zum 14. Februar 2027 und ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

So gibt es am Tegernsee derzeit zwei ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Tony Craggs Kunst zu begegnen: draußen in großem Maßstab zwischen See und Bergen – und drinnen mit Zeichnungen und kleineren Arbeiten, die einen anderen Blick auf den Künstler ermöglichen.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Info Hendrik Heuser / Beitragsbild, Fotos: Hendrik Heuser)

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