Wer war eigentlich Bruno Gröning?

Wer war eigentlich Bruno Gröning?

Rosenheim – Beim Blättern und Stöbern in alten Rosenheimer Archiven gibt es Bilder, die ziehen den Betrachter in den Bann. Dazu zählt auch dieses Foto, dass an einem Herbsttag vor 72 Jahren am Rande der Stadt Rosenheim entstand: Zehntausende versammelten sich vor dem Traberhof, einer ehemaligen Ausflugsgaststätte – den Blick nach oben zu einem Balkon gerichtet. Dort steht ein Mann in schwarzem Hemd und ernstem Blick. Es ist der „Wunderheiler“ Bruno Gröning.

 

Menschenmassen vor dem Traberhof in Rosenheim. Sie alle wollen Bruno Gröning sehen, einen angeblichen Geistheiler. Fotos: Archiv Herbert Borrmann

Bruno Gröning kam im Jahr 1906 in Olivia im Kreis Danzinger Höhe zur Welt. Er stammte aus einfachen Verhältnissen. Nach seiner Schulzeit arbeitete er als Bauarbeiter, Tischler und Zimmermann.
Zweimal war er verheiratet. Aus erster Ehe gingen zwei Kinder hervor, die schon früh verstarben. Spätestens 1936 trat Gröning der NSDAP bei. Nach Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft lebe er in Westdeutschland und dort begann er als „Heiler“ zu wirken.
So viel zu den Informationen, die sich auf Wikipedia finden.

Als Gröning in Rosenheim auftauchte, war er am Höhepunkt seines Ruhms. Zeitungen und Funk begleiteten damals jeden seiner Auftritte. Das heitzte die Stimmung natürlich zusätzlich an.
In Rosenheim gab es damals kaum einen Menschen, der diesen Mann nicht kannte. Ein Rosenheimer Pressefotograf, der mittlerweile verstorben ist, hat ihn oft bei seinem Auftritten erlebt. „Er war sicher charismatisch. Aber auf mich wirkte er unheilvoll“, erzählte er oft. Besonders der „stechende Blick“ dieses Mannes blieb ihm in bleibender Erinnerung: „Das war schon fast gruselig“.
Schnell wurde Gröning als „Wunderdoktor“ verehrt. An seinen Gläubigen verteilte er Stanniolkugeln – „aufgeladen“ angeblich mit seiner Energie.
Das Spektakel in Rosenheim endete nach gut einem halben Jahr. Die Justiz legte Gröning die fahrlässige Tötung eines 17-jährigen lungenkranken Mädchens zur Last. Er wurde zu Geld- und Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Im Jahr 1959 starb er in Paris an Magenkrebs.
Nach wie vor existiert aber eine Gemeinschaft von Anhängern des angeblichen „Wunderheilers“ und diese treffen sich auch noch regelmäßig im Landkreis Rosenheim.

„Viele Senioren sind sehr einsam“

„Viele Senioren sind sehr einsam“

Rosenheim – Elf Jahre war Josef Kugler Mitglied beim Seniorenbeirat Rosenheim, sieben Jahre als Erster Vorsitzender. Nun hat der 84-jährige sein Amt niedergelegt. Ehepaar Kugler zieht in Kürze nach Traun in Oberösterreich zu Sohn, Enkeln und Geschwistern. Die Koffer sind praktisch schon gepackt. Aber bevor er sich endgültig aus Rosenheim verabschiedet, erzählt Josef Kugler noch, was ihn bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Seniorenbeirat besonders bewegt hat.

Frage: Wie sind sie 2008 zum Seniorenbeirat gekommen?
Antwort: Ich wurde Rentner. Nur daheim bleiben wollte ich aber nicht. Also schaute ich, wo ich mich in der Stadt engagieren kann. Und da ich immer schon sozial interessiert war, kam ich dann zum Seniorenbeirat.

Frage: Wie beschreiben Sie die Arbeit des Seniorenbeirats?
Antwort: Der Seniorenbeirat ist Mittler zwischen Stadt und Senioren.

Frage: Wussten Sie zu Beginn schon, was da auf Sie zukommt?
Antwort: Natürlich habe ich mich informiert. Aber es war dann doch wesentlich mehr Arbeit, als ich gedacht habe. Der Seniorenbeirat bietet regelmäßig Sprechstunden an, organisiert Ausflüge und besucht jährlich über 400 Geburtstagskinder. Dann haben wir ja 2016 auch noch zum ersten Mal die Seniorenmesse organisiert. 2500 Besucher kamen im ersten Jahr. 2018 waren es dann schon 3000. Danach kam dann leider Corona.

Frage: Die Pandemie hat sicher auch die Arbeit des Seniorenbeirats verändert, oder?
Antwort: Natürlich. Vieles war dadurch nicht mehr möglich. Beratungen liefen nur noch über Telefon. Die persönlichen Besuche an den Geburtstagen waren auch nicht mehr möglich. Dann kam die Impfung und das stellte uns auch vor große Probleme.

Frage: Inwiefern?
Antwort: Es war zu Beginn für viele ältere Menschen unglaublich schwer, einen Termin zum Impfen zu bekommen und wenn es geklappt hat, musste man ja auch noch ins Impfzentrum kommen. Für viele Ältere war das ein Problem.

Frage: Aber zum Glück scheint sich die Lage langsam wieder etwas zu normalisieren.
Antwort: Ja, schön langsam laufen unsere Angebote wieder an – auch Geburtstags-Besuche.

Frage: Warum sind die so wichtig?
Antwort: Dadurch, dass wir die älteren Menschen in ihrem Zuhause besuchen, können wir auch schnell Probleme erkennen und helfen, diese zu beseitigen. Außerdem gibt es viele Senioren, die an diesem Tag allein sind.

Frage: Ist Einsamkeit ein großes Problem für ältere Menschen?
Antwort: Auf alle Fälle. Der Ehepartner gestorben, die Kinder weit weg. Ich habe schon erlebt, wie Senioren bei meinem Besuch plötzlich in Tränen ausbrachen, weil sie sich an ihrem Geburtstag so einsam fühlten.

Frage: Was macht man in so einem Fall?
Antwort: Länger bleiben, zuhören, Trost spenden und nach dem Besuch Möglichkeiten suchen, damit Betroffene wieder mehr unter die Leute kommen können. Vereine und Angebote gibt es ja zum Glück in Rosenheim viele.

Frage: Waren derartige Situationen nicht auch für Sie selbst belastend?
Antwort: Natürlich. Man weiß ja, dass einem dieses Schicksal selbst auch irgendwann treffen könnte.

Frage: Was hat Ihnen bei Ihrer Tätigkeit im Seniorenbeirat am meisten Kraft abverlangt?
Antwort: Die Organisation der Seniorenmesse. Ich bin halt kein Messe-Manager.

Frage: Ist Rosenheim eine gute Stadt für Senioren?
Antwort: Auf alle Fälle.

Frage: Warum?
Antwort: Rosenheim ist überschaubar groß. Es gibt viel Grün und, wie schon gesagt, viele Angebote, gerade auch für Senioren.

Frage: Was könnte noch verbessert werden?
Antwort: Die Radwegesituation. Und beim ÖPNV wären Taktverdichtung und mehr Haltestellen wünschenswert.

Frage: Gekämpft haben Sie lange Zeit auch für eine barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platzes.
Antwort: Das hat sich gelohnt. Auch die Stadträte haben sich mittlerweile für eine Neupflasterung ausgesprochen. 2022 könnte es so weit sein.

Frage: Da werden Sie aber nicht mehr in Rosenheim wohnen.
Antwort: Nein, aber wenn es so weit ist, schaue ich mir das natürlich an.

Frage: Ganz den Rücken kehren werden Sie der Stadt also nicht?
Antwort: Auf keinen Fall. Die 37 Jahre, die ich und meine Frau hier gelebt habe, waren wunderschön. Wir werden sicher immer wieder einmal nach Rosenheim kommen, schon um unsere vielen Freunde wiederzusehen. Und dann natürlich auch zum Herbstfest.

Noch zuletzt ein Guter Tipp für Senioren in Rosenheim. Der „Grüne Pass“. Damit bekommen Senioren Ermäßigungen in sädtischen Einrichtungen, müssen also weniger Geld bezahlen.

Wieder keine Rosenheimer Kleinkunsttage

Wieder keine Rosenheimer Kleinkunsttage

Rosenheim – Normalerweise heißt es in der Stadt Rosenheim immer in der zweiten Oktoberhälfte: Vorhang auf für große Kunst im kleinen Rahmen. Aber was ist in Zeiten von Corona schon normal!? Heuer wurden die Rosenheimer Kleinkunsttage erneut abgesagt. Sepp Hirle, Organisator der beliebten Veranstaltungsreihe, hält im Interview mit Rosenheim Innformativ Rückschau auf die vergangenen drei Jahrzehnte und verrät, auf was sich die Besucher 2022 freuen können, wenn Kultur dann hoffentlich endlich wieder im vollen Umfang möglich ist.

Frage: Mittlerweile ist ja schon wieder mehr möglich – auch im kulturellen Bereich. Da hätten die Rosenheimer Kleinkunsttage doch stattfinden können?
Antwort: Die Planungen für eine derartige Veranstaltung laufen schon früh an. Die Entwicklung war da nicht absehbar. Die relativ kleine „Bühne im Lokschuppen“ des Stadt Jugendrings, in dem die Kleinkunsttage ja meistens stattfinden, lassen bei den vorgeschriebenen Abstandsregeln nur etwa 45 Besucher zu. Das Catering und die damit erforderlichen Hygieneschutzmaßnahmen würden eine enorme finanzielle Mehrbelastung darstellen. Dann steht aber immer noch die weitere Entwicklung der Pandemie mit einem großen Fragezeichen im Raum. Kurzum stehen geringen Einnahmen höhere Ausgaben gegenüber, verbunden mit einem unbekannten Risiko. Das ist für unser Ehrenamt leider nicht zu stemmen.

Frage: Dann lieber erst einmal ein Blick zurück in die Geschichte der Rosenheimer Kleinkunsttage. Wie fing eigentlich alles an?
Antwort: Die Kleinkunsttage wurden vor 37 Jahren ins Leben gerufen. Für die Jugend war damals in unserer Stadt kulturell noch viel zu wenig los. Der Stadtjugendring wollte das ändern und rief die RKT (Rosenheimer Kleinkunst Tage) ins Leben. 1995 habe dann ich als Vorstandsmitglied im SJR-Jugendkultur die Organisation übernommen. Veranstalter ist mittlerweile der FJR (Förderverein Jugendarbeit Rosenheim).

Frage: Hat sich das Programm mit den Jahren verändert?
Antwort: In den Anfangsjahren gab es Kabarett, Musik, Theater und Literatur. Die Literatur ist mittlerweile nicht mehr dabei, weil unsere Städtische Bibliothek da sehr gute Arbeit leistet und viele Lesungen anbietet. Dafür kam bei uns die Comedy dazu. Mittlerweile kommt auch immer stärker das Genre „Poetry Slam“ ins Gespräch.

Frage: Was kommt bei den Besuchern besonders gut an?
Antwort: Nach wie vor anspruchsvolles Kabarett. Aber damit können wir nicht alle 14 Tage füllen. Es scheitert dabei nicht an den Kabarettisten, sondern viel mehr am Publikum; denn welcher Mensch kann und will schon 14 Tage hintereinander Kabarett anschauen! Es ist daher wichtig, eine große, kulturelle Bandbreite zu bieten, um möglichst viele Besucher damit anzusprechen.

Frage: Was ist das Besondere an der Kleinkunst?
Antwort: Kleinkunst bietet große Kunst im kleinen Rahmen. Zu uns kamen schon viele Künstler, die spielend große Hallen füllen. Doch eine große Halle bringt auch immer eine große Distanz zwischen Künstler und Publikum. Bei der Kleinkunst kommt man sich nahe. Das sorgt für eine besondere Atmosphäre auf beiden Seiten.

Frage: Wenn man den Künstlern so nah kommt, erlebt man sicher einiges?
Antwort: Ja. Der Kabarettist Werner Schneider hatte beispielsweise nach seinem Programm in unserem Festival-Cafè noch so viel Spaß, dass er am Schluss Probleme hatte, überhaupt noch ins richtige Hotel zu finden. Die österreichische Tour der „Langen Nacht des Kabaretts“ versprach für seinen Auftritt bei uns, so lange zu spielen, wie das Publikum es wünscht. Für den harten Kern wurde es 4 Uhr am Morgen. Gespielt wurde am Schluss sogar noch beim Jugendfreizeitgelände am Happingerausee, weil die Mitglieder des Ensembles die Romantik am Wasser mit aufsteigendem Nebel so schön fanden, dass sie auf dem Steg noch einige Sketche zum Besten gaben. Mit dabei war auch Lisa Eckart, die mittlerweile Stammgast im ARD bei Dieter Nuhr ist.

Frage: Die Rosenheimer Kleinkunsttage haben sich schon des Öfteren durch ein gutes Gespür für Talente ausgezeichnet. Wie funktioniert die Suche nach geeigneten Künstlern?
Antwort: Normalerweise bin ich das Jahr über unterwegs und schaue mir die Künstler und deren Programme an. Wenn das Angebot zusagt, wird verhandelt, bis die Terminierung und natürlich dann auch noch der finanzielle Rahmen stimmen. Unser Vorteil ist, dass die Rosenheimer Kleinkunsttage mittlerweile schon einen so guten Ruf haben, dass viele Künstler sehr gerne zu uns kommen, auch mehrmals.

Frage: Wer wird denn 2022 kommen, wenn dann die Rosenheimer Kleinkunsttage hoffentlich wieder stattfinden können? Kannst Du uns da schon Namen verraten?
Antwort: Zugesagt hat Lucy van Kuhl. Die 1983 in Köln geborene Musikkabarettistin hat 2019 das „Passauer Scharfrichterbeil“ und 2021 den „Stuttgarter Besen“ erhalten.  Zwei hohe Auszeichnungen in der deutschen Kulturszene.

Frage: Und vielleicht noch ein weiterer Name zur Steigerung der Vorfreude für meine Leser?
Antwort: Der Kabarettist Holger Paetz, ehemaliges Mitglied der Lach- und Schießgesellschaft und Gewinner des renommierten Kabarettpreises „Salzburger Stier“.