Nach einer Abmeldung aus der Bayernliga ging es vor rund zwei Jahrzehnten zunĂ€chst in der Bezirksliga weiter. Schritt fĂŒr Schritt arbeitete sich die Mannschaft wieder nach oben. Von 2017 bis 2019 spielte sie in der 2. Bundesliga. Im Sommer 2019 gelang als ungeschlagener Meister der Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Die Premiere im deutschen Oberhaus hĂ€tte eigentlich bereits 2020 stattfinden sollen. Doch die Corona-Pandemie sorgte dafĂŒr, dass die komplette Bundesliga-Saison abgesagt wurde. So schlug der TSV 1860 Rosenheim erst 2021 erstmals in der 1. Bundesliga auf. Inzwischen ist die Mannschaft dort angekommen, wo sie bislang noch kein Rosenheimer Tennis-Team gesehen hat: ganz oben.
Internationale Profis im Trikot des TSV 1860
Zum Erfolg beigetragen hat eine Mannschaft mit internationaler Besetzung. Die Herren treten unter dem Sponsorennamen Team Marc O’Polo Rosenheim an. Zum Meisterkader gehörten unter anderem der Ăsterreicher Sebastian Ofner und der Chilene Cristian GarĂn. Beide haben in ihrer Karriere bereits deutlich weiter oben in der ATP-Weltrangliste gestanden: Ofner erreichte Platz 37, GarĂn sogar Platz 17. Dazu kamen Profis aus Italien, Brasilien, Georgien, Bolivien, Argentinien, Frankreich und Peru.
Das zeigt zugleich, in welcher sportlichen Liga sich die Rosenheimer inzwischen bewegen. Internationale Profis dieser QualitĂ€t fĂŒr eine Bundesliga-Saison nach Rosenheim zu holen, ist mit entsprechendem finanziellen Aufwand verbunden. Flugreisen, Unterbringung, Spielerhonorare und die Organisation rund um die Spieltage mĂŒssen finanziert werden.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Sponsoren. Der Name Marc O’Polo ist deshalb nicht nur Bestandteil des Mannschaftsnamens, sondern steht auch fĂŒr einen Teil der finanziellen Grundlage, auf der das Bundesliga-Team aufgebaut ist.
Gleichzeitig ist der Rosenheimer Meistertitel gerade deshalb bemerkenswert, weil die Tennisabteilung im Vergleich zu einigen anderen Bundesliga-Schwergewichten mit einem vergleichsweise kleinen Etat arbeitet.
Dörfler und Detterbeck halten die FÀden zusammen
Neben Dörfler steht dabei Thomas Detterbeck als Bundesliga-Teammanager im Zentrum. WĂ€hrend Dörfler als langjĂ€hriger Abteilungsleiter die Entwicklung der Tennisabteilung prĂ€gt, kĂŒmmert sich Detterbeck um zahlreiche organisatorische Aufgaben rund um die Bundesligamannschaft. Welche Spieler kommen nach Rosenheim? Wer ist gerade auf einem internationalen Turnier unterwegs und muss kurzfristig zum Bundesliga-Spieltag eingeflogen werden? Wie werden die EinsĂ€tze koordiniert? Und wie lĂ€sst sich der Spielbetrieb finanzieren?
Dörfler und Detterbeck arbeiten dabei seit vielen Jahren Hand in Hand.
Wie sehr Dörfler mit der Tennisabteilung verbunden ist, zeigt sich auch auf der Anlage an der PĂŒrstlingstraĂe. Dort trĂ€gt inzwischen sogar der Center Court seinen Namen.
âDer Profisport zahlt sich fĂŒr den Breitensport ausâ
FĂŒr Detterbeck ist der finanzielle und organisatorische Aufwand fĂŒr das Bundesligateam dennoch mehr als eine Investition in den Spitzensport. Er sieht darin auch einen direkten Nutzen fĂŒr die gesamte Tennisabteilung. âDer Profisport zahlt sich fĂŒr den Breitensport aus. Wenn ein Sportler vorneweg lĂ€uft, laufen die anderen ihm nachâ, sagte Detterbeck beim Empfang.
Dass Tennis in Rosenheim weit mehr ist als Bundesliga, zeigen die Mitgliederzahlen. Aktuell zÀhlt die Tennisabteilung des TSV 1860 insgesamt 495 Mitglieder. 36 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche.
Auch OberbĂŒrgermeister Erdogan berichtete, dass sich sein eigener Blick auf den Tennissport durch die Entwicklung beim TSV 1860 verĂ€ndert habe. âFrĂŒher habe ich immer gedacht, Tennissport ist eine elitĂ€re Angelegenheitâ, sagte er. Die Mitgliederstruktur der Rosenheimer Tennisabteilung habe ihm aber gezeigt, dass Tennis deutlich breiter aufgestellt sei.
Der Meistertitel ist greifbar
Beim Empfang wurde der historische Erfolg dann auch ganz praktisch greifbar. Die Tennisabteilung hatte den Meisterpokal mitgebracht. Erdogan, Artmann und Leicht lieĂen sich die TrophĂ€e aus nĂ€chster NĂ€he zeigen. âWir sind mĂ€chtig stolz, die deutsche Meisterschaft gewonnen zu haben in einer der stĂ€rksten Ligen der Weltâ, sagte Detterbeck.
Wie auĂergewöhnlich der Erfolg ist, zeigt auch ein Blick auf die Geschichte der Bundesliga. Die Herren-Bundesliga wurde 1972 erstmals ausgespielt. Seitdem haben es nur 16 verschiedene Vereine geschafft, Deutscher Mannschaftsmeister zu werden. Der TSV 1860 Rosenheim ist nun der jĂŒngste Verein in diesem Kreis. Vier der bislang 16 Meistervereine kommen aus Bayern. Der Rosenheimer Titel ist damit nicht nur der erste der Vereinsgeschichte, sondern schreibt auch ein neues Kapitel in der Geschichte des deutschen Mannschaftstennis.
Eine Titelverteidigung wĂ€re ânicht unmöglichâ
Dass der Erfolg nun automatisch zur Titelserie fĂŒhrt, glaubt bei den Rosenheimern allerdings niemand. Das Ziel sei, die Mannschaft weiterzuentwickeln und noch besser zu werden. âErneut den Titel zu gewinnen ist nicht unmöglich, aber es wird schwerâ, sagte Detterbeck mit Blick auf die kommende Saison.
ZunĂ€chst durfte am Dienstag aber einfach einmal gefeiert werden. Und dafĂŒr war der Rathausvorplatz mit Sonnenschein, Meisterpokal und Deutschem Meister genau der richtige Ort.
Vom Tennis zum Padel
Ganz zum Schluss wurde es dann noch einmal persönlich. Didi Dörfler und Abuzar Erdogan vereinbarten, demnĂ€chst gemeinsam zum SchlĂ€ger zu greifen. Allerdings nicht auf dem Tennisplatz. Seit kurzem gibt es in Rosenheim auch eine eigene Padel-Anlage. Dort wollen sich der Tennis-Macher und der OberbĂŒrgermeister zu einem Match treffen.
Ob es dabei Àhnlich spannend wird wie beim Saisonfinale in Mannheim, bleibt abzuwarten. Einen Meisterpokal gibt es dannl jedenfalls nicht zu gewinnen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)