Stadtgeschichte lebendig gemacht

Stadtgeschichte lebendig gemacht

Rosenheim – Der Weg zum Rosenheimer Stadtspiel „Versöhnliches Ende –  Streit der Zünfte“ war alles andere als leicht. Bis zuletzt wurden dem Theater Rosenheim Stolpersteine in den Weg gelegt. Umso größer die Erleichterung bei der Premiere am gestrigen Samstagabend auf dem Ludwigsplatz  – bei den rund 100 Akteuren vor und hinter der Bühne, dass alles reibungslos klappte und bei den Besuchern, dass sie nach langer Wartezeit nun endlich wieder auf diese lebendige Art und Weise in die Stadtgeschichte eintauchen durften.

Szene Stadtspiel Rosenheim Kinder
Stadtspiel Szene - kurz Beginn . Neuzeit trifft auf Historie
Szene Rosenheimer Stadtspiel - Frau richtet Mann den Kragen

Das erste Rosenheimer Stadtspiel fand 1995 als Begleitveranstaltung zur Lokschuppen-Ausstellung „Salz, Macht, Geschichte“ statt. Der Erfolg war mit insgesamt 10.000 Zuschauern groß und deswegen wurde diese kurzweilige Art des „Geschichtsunterrichts“ zum festen Programmpunkt beim Theater Rosenheim. Seitdem wird alle zwei Jahre ein Open-Air-Stadtspiel im Herzen der Stadt aufgeführt. Das Besondere dabei ist, wie Zweiter Bürgermeister Daniel Artmann weiß, dass den Zuschauern dabei jedes Mal ein neues Stück präsentiert: „Das kenne ich so von anderen Städten nicht“.

Stadtspiel Rosenheim, Kutsche fährt ein

„Seit vielen Jahren stammen die Vorlagen für die aufwendigen Inszenierungen von Horst Rankl, dem Leiter des Theater Rosenheim. Mit „Versöhnliches Ende – Streit der Zünfte“ hat er sich diesmal einem kaum bekannten Kapitel der Rosenheimer Stadtgeschichte gewidmet – dem Streit zwischen den Pechlern und den Seilern. Dieser beschäftigte die Gerichte einst tatsächlich über 85 Jahre hinweg. Rankl hat daraus eine zweieinhalbstündige Bühnenfassung erarbeitet und kalte Fakten mit herzerwärmender Romantik und zum Teil auch sehr humorvollen Dialogen bereichert.

Szene Stadtspiel Rosenheim

Eigentlich sollte das neue Stadtspiel schon 2020 Premiere feiern, doch dann kam die Corona-Pandemie und bereitete diesem Plan ein jähes Ende. Im Frühling dieses Jahres wagte das Theater Rosenheim mit dem Wegfall der meisten Beschränkungen einen neuen Anlauf. Einfach waren die Proben aber bis zuletzt nicht. „Aufgrund von Corona-Erkrankungen gab es nicht eine Probe mit allen Darstellern“, erzählte Rankl bei der Premiere. Zuletzt machte dann auch noch das Wetter der eigentlich für vergangenen Freitag geplanten Premiere einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund von andauerndem Regen wurde der Start der diesjährigen Stadtspiel-Saison um einen Tag auf den Samstag verschoben.

Blick vom Publikum zur Bühne

Da klappte aber dann endlich alles ohne Probleme. „Zum ersten Mal stehen jetzt wirklich alle Darsteller zusammen auf der Bühne“, freute sich der Leiter des Theaters. Das Wetter zeigte sich auch von seiner besten Seite. Einziger kleiner Wermutstropfen: Aufgrund der Verschiebung blieben einige der Sitzplätze auf der Tribüne leer.
Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch. „Ich freue mich jetzt einfach, dass es wieder losgeht“, meinte einer der Theaterspieler, der den Stadtspielen seit vielen Jahrzehnten die Treue hält, kurz vor Beginn. Neben den menschlichen Akteuren sind auch diesmal wieder einige Pferde dabei. Besonders bei den kleinen Zuschauern war bei ihrem Auftritt die Begeisterung groß.
9 weitere Aufführungen stehen noch auf dem Programm. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 6. Juli. Bei schlechtem Wetter gibt es Ersatztermine. Karten sind im städtischen Museum am Mittertor in Rosenheim erhältlich oder an der Abendkasse. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.theater-ro.de.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Karin Wunsam / Josefa Staudhammer)

Blick auf Techniker der Stadtspiele Rosenheim
Vor Beginn der Stadtspiele Rosenheim
Szene Stadtspiel Rosenheim
Szene Stadtspiel Rosenheim - Paar küsst sich
Bürgermeister Artmann mit Horst Rankl
Zwei Akteure des Stadtspiel Rosenheim
Abschluss des Stadtspiel Rosenheim

Zum Abschluss noch ein kurzes Video:

Rosenheimer Stadtspiel feiert bald Premiere

Rosenheimer Stadtspiel feiert bald Premiere

Rosenheim – Eigentlich war die Premiere des neuen Rosenheimer Stadtspiels „Versöhnliches Ende- Streit der Zünfte“  vom Theater Rosenheim schon für 2020 geplant. Doch dann kam die Corona-Pandemie und bereitete diesem Plan ein jähes Ende (wir berichteten). Aber jetzt ist es dann bald soweit. Am 1. Juli feiert das Freilichtspiel auf dem Ludwigsplatz Premiere. Die Vorbereitungen dafür laufen aktuell auf Hochtouren. Bei der jüngsten Probe war Innpuls.me dabei.

1995 fand mit dem Stück „Der Salzkrieg“ das erste Rosenheimer Stadtspiel statt, geplant als Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Salz, Macht, Geschichte“ im Lokschuppen. Der Erfolg war enorm: Fünf Wochen lang spielten rund 200 Laiendarsteller am historischen Originalschauplatz auf dem Max-Josefs-Platz die Ereignisse aus dem 18. Jahrhundert vor insgesamt 10.000 Zuschauern nach. Seitdem findet das Freiluftspektakel alle zwei Jahre statt und nicht wenige derer, die in diesem Jahr wieder mit von der Partie sind, waren auch schon 1995 mit dabei. So auch Franz Knarr. Der 77-jährige mimt einen Pflegeverwalter. „Ein richtiges Schlitzohr“, schmunzelt Franz Knarr. Das Rosenheimer Stadtspiel ist für ein „ein toller Beitrag, um die Stadtgeschichte Rosenheims lebendig zu halten.“ 

Franz Knarr mit Drehbuch zum Rosenheimer Stadtspiel

Franz Knarr.

Martin Wollny ist bei dem Stadtspiel nur bis zur Pause mit dabei. Dann „stirbt“ derjenige, den er verkörpert: Johann Ellmaier junior. Den 56-jährigen begeistern die historischen Begebenheiten, die mit den Stadtspielen beleuchtet werden, immer wieder aufs Neue. „Es ist unglaublich, wie viele spannenden Geschichten es aus unserer Stadt zu erzählen gibt“, sagt er.  
Grundsätzlich habe Rosenheim dem Stadtspiel viel zu verdanken: „1995 war auf dem Max-Josefs-Platz nach 20 Uhr nichts mehr geboten. Das hat sich erst mit dem ersten Stadtspiel dort verändert“.

Martin Wollny vom Rosenheimer Stadtspiel

Martin Wollny.

Martin Wollny ist bei dieser Proben einer der wenigen, die bereits in historischer Kleidung erscheinen. Bei den kommenden Proben wird sich das aber jetzt ändern. Denn: „Mit der passenden Kleidung geht man dann schnell völlig in seiner Rolle auf“, erklärt uns einer der Mitwirkenden. Regie führt Horst Rankl. Er hat auch das Drehbuch zum Stück geschrieben. 

Horst Rankl erklärt einem Theaterspieler das Drehbuch

Horst Rankl geht mit den Theaterspielern vom Theater Rosenheim das Drehbuch Satz für Satz genau durch. 

Von jung bis alt ist wieder alles beim Stadtspiel mit dabei.  Felix Koller wirkte schon als Einjähriger mit. Jetzt ist er 21 Jahre alt und wieder mit dabei. „Das Miteinander mit den anderen Theaterspielern und die Beschäftigung mit der Geschichte Rosenheims macht mir einfach Spaß“, erzählt er uns. 

Felix Koller bei der Theaterprobe

Felix Koller.

Auch Erkan Ege hat schon als Kind beim Stadtspiel Rosenheim mitgemacht. „Bis zu meinem 16. Lebensjahr. Dann  wurden mir andere Dinge wichtiger“, erzählt er. Jetzt ist er 37 Jahre alt und wieder mit dabei: „Durch meine Schwester. Sie wollte, dass wir jetzt endlich mal wieder beide auf der Bühne stehen.“ Gerade in schwierigen Zeiten seien kulturelle Veranstaltung wichtig, um Abwechslung zu schaffen.  

Erkan Ege bei der Theaterprobe für das Stadtspiel Rosenheim

Erkan Ege.

Das Stadtspiel Rosenheim wird vom Freitag, 1. Juli bis Samstag, 30. Juli, jeweils um 20 Uhr auf dem Ludwigsplatz in Rosenheim aufgeführt. Tickets gibt es im Städtischen Museum Rosenheim, Telefon 08031 / 3658751 oder eine Stunde vor Spielbeginn an der Abendkasse. 
(Quelle: Beitragsbild, Fotos, Videos: Karin Wunsam / Josefa Staudhammer)

Blick in das Drehbuch mit vielen Einmerkern
Blick in den Probenraum
Huete für das Stadtspiel
Blick in die Probe zum Stadtspiel Rosenheim