Mittertor, Rosenheim, 1952

Mittertor, Rosenheim, 1952

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1952. Auf unserer historischen Aufnahme zu sehen ist das Mittertor in Rosenheim.

Interessantes Detail an diesem Fotooldie sind die Bögen vom Fastlingerhaus hin zum Mittertor. Diese gibt es mittlerweile nicht mehr.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)

„Nie wieder wegschauen!“

„Nie wieder wegschauen!“

Rosenheim – Der „Rosenheimer Weg“ geht weiter. Statt auf Stolpersteine auf öffentlichem Grund setzt die Stadt auf personalisierte Erinnerungsschleifen, um an die Opfer des NS-Terrors zu erinnern (wir berichteten). Außerdem wurde nun am heutigen Dienstagnachmittag eine Erinnerungstafel im Torbogen des Mittertors angebracht.

Die Erinnerungstafel an den NS-Terror im Torbogen des Mittertors in Rosenheim

Die Erinnerungstafel wurde im Torbogen des Mittertors angebracht. Fotos: Karin Wunsam

Bei der Vorstellung der Erinnungstafel

Neben Vertretern der Presse kamen zur heutigen Vorstellung der Erinnerungstafel auch Mitglieder des Fördervereins Städtisches Museum und des Rosenheimer Stadtrats.

Ab 1933 beherrschten die Nationalsozialisten auch in Rosenheim alle Bereiche des täglichen Lebens. Politische Gegner, Juden, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung und Sinti und Roma wurden in Konzentrationslagern gedemütigt, gequält und ermordet. Jegliche Kritik am Regime war verboten, wurde verfolgt und bestraft. Und auch in Rosenheim haben zu viele Menschen dieses Unrechtsystem unterstützt oder einfach weggeschaut.
Dass dieses dunkle Kapitel der Geschichte auch in Rosenheim nicht in Vergessenheit geraten darf, darüber herrschte immer schon große Einigkeit. Aber über das Wie wurde lange Jahre kontrovers diskutiert.
Schließlich entschied man sich gegen die weit verbreiteten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig und stattdessen für die sogenannte Erinnerungsschleifen der Künstlerin Christiane Huber. Die erste wurde im November vergangenen Jahres an der Mädchenrealschule an einem Baum im Eingangsbereich angebracht, um an Elisabeth-Block zu erinnern, die dort zur Schule gegangenen ist und eines der Opfer der Nationalsozialisten wurde.

Die Kosten für die Erinnerungstafel
trägt der Förderverein des Städtischen Museum Rosenheim

Dem Förderverein des Städtischen Museum Rosenheim war es wichtig, dass auch am Städtischen Museum an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Ihre Idee war die Anbringung einer Erinnerungstafel. Die Mitglieder der Schul-, Kultur- und Sportausschusses stimmten dann im vergangenen November einstimmig für diese aufklärend-historische Informationstafel in der Rosenheimer Innenstadt.
Von Michael Keneder, Dezernent für Jugend, Soziales, Schule und Kultur, kam der Vorschlag, die Tafel im Torbogen des Mittertors anzubringen.
So geschah es nun auch.
Der Text auf der Tafel stammt von dem Historiker Walter Leicht, Leiter des Städtischen Museum Rosenheim. Der Titel lautet: „Nie wieder wegschauen“.
„Der Text ist als Mahnung zu verstehen“, sagte Gabriele Leicht, Dritte Rosenheimer Bürgermeisterin am heutigen späten Nachmittag bei der Vorstellung, an der neben Vertretern der Presse auch Mitglieder des Fördervereins und des Stadtrats teilnahmen. Die Gedenktafel sei im Zusammenklang mit der städtischen Erinnerungskultur zu sehen und ergänze ein persönlich würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Karin Wunsam)

Hier der Wortlaut der Erinnerungstafel:

„Ab 1933 beherrschten die Nationalsozialisten auch in Rosenheim alle Bereiche des täglichen Lebens. 
Vordergründig ging es zunächst vielen Menschen besser.
Aber um welchen Preis?
Politische Gegner, Juden, Homosexuelle, Behinderte, Asoziale, Sinti und Roma wurden in Konzentrationslagern gedemütigt, gequält, ermordet. Vereine und Gewerkschaften wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet. Religiöse Praktiken und Äußerungen mussten linientreu sein oder wurden eingeschränkt.
Wer anders dachte, anders fühlte oder anders leben wollte, wurde stigmatisiert. Jegliche Kritik am Regime war verboten, wurde unterdrückt, verfolgt und bestraft. Wer sich nicht anpassen wollte, erlitt berufliche Nachteile.
Am schlimmsten traf es die Rosenheimer Juden. Sie wurden ausgegrenzt, geächtet und entrechtet. Ihre Geschäfte wurden boykottiert und „arisiert“, ihre wirtschaftliche Existenz zerstört. Wer Glück hatte, konnte emigrieren oder mittellos fliehen.
Einige Schicksale von Rosenheimer Juden sind ungeklärt. Es gibt aber auch traurige Gewissheit: Moses, Taube und Klara Fichtmann, Max Fischer, Rosalie und Adele Obernbreit sowie Fritz und Mirjam Block mit ihren Kindern Elisabeth, Arno und Gertrud wurden aus unserer Stadt deportiert und in Vernichtungslager ermordet.
Auch in Rosenheim funktionierte das System des Unrechts, nicht nur auf Grund von Befehl und Gehorsam, von Behörden und Beamten.
Auch in Rosenheim haben zu viele Menschen mitgemacht, haben boykottiert und denunziert. Und viel zu Viele haben einfach weggeschaut.
Wir dürfen nie wieder wegschauen!“

Die Erinnerungstafel im Mittertor in Rosenheim
Mittertor, Rosenheim, 1954

Mittertor, Rosenheim, 1954

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1954. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist das Mittertor in Rosenheim

Das Mittertor ist das Wahrzeichen der Stadt und dementsprechend oft wurde es auch schon in früheren Zeiten fotografiert. Dieses Foto aus dem Jahr 1954 entstand in Richtung hin zum Max-Josefs-Platz. Das Schuhhaus Reindl auf der rechten Seite gibt es auch heute noch, das Schuhhaus Sigl auf der linken Seite dagegen längst nicht mehr.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext Karin Wunsam)

Mittertor, Rosenheim, 1973

Mittertor, Rosenheim, 1973

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1973. Auf der alten Aufnahme sehen wir das Mittertor in Rosenheim.

Das Mittertor ist das einzig erhaltene von früher sechs Toren, die den Markt Rosenheim bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts schützten. Das Erdgeschoss und der Torbogen stammen noch vom ersten Torbau aus dem 14. Jahrhundert. Die oberen Stockwerke und der Turm wurden in der jetzigen Form nach dem großen Marktbrand von 1641 errichtet.
Das Mittertor ist eines der Wahrzeichen de Stadt Rosenheim und ist ein dementsprechend beliebtes Fotomotiv. Jedes alte Foto bringt aber auch immer wieder neue Details und vor allem auch Veränderung im Laufe der Jahre ans Licht.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam / Info: museum.rosenheim.de)

Mittertor, Rosenheim, 1937

Mittertor, Rosenheim, 1937

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1937. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist der Ludwigsplatz mit Mittertor und Heimat-Museum in Rosenheim.

Das Städtische Museum Rosenheim hieß zu dieser Zeit noch Heimat-Museum und unten am Gebäude gab es einen Laubengang, unter dem Blumen und Gebinde verkauft wurden.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)

Mittertor, Rosenheim, 1959

Mittertor, Rosenheim, 1959

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1959. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist das Mittertor in Rosenheim im tiefsten Winter.

Aktuell schneit es in Rosenheim leicht. Aber von diesen Schneemassen sind wir derzeit noch weit entfernt.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)