Hoch hinaus: Flugpremiere für Bartgeier Wiggerl

Hoch hinaus: Flugpremiere für Bartgeier Wiggerl

Berchtesgaden / Hilpoltstein / Bayern – Nachdem vergangenen Dienstag mit Vinzenz bereits der erste der beiden dieses Jahr vom LBV und dem Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten jungen Bartgeier-Burschen seinen Jungfernflug absolviert hat, hat es ihm am Sonntagmorgen Geiermännchen Wiggerl gleichgetan.

 „Um 7.25 Uhr ist Wiggerl aus der eingezäunten Felsnische im Klausbachtal abgehoben, wie ein Profi losgesegelt und hat seinen ersten Flug sehr gut gemeistert. Mit einem Alter von 120 Tagen liegt der Erstflug des Bartgeiers genau im Durchschnitt“, freut sich LBV-Projektleiter Toni Wegscheider. Somit sind die beiden Ausflüge der Bartgeier im vierten Projektjahr geglückt. „Dass nun auch der achte Bartgeier unseres Wiederansiedlungsprojekts erfolgreich ausgeflogen ist, freut das gesamte Team ungemein. Das ist ein weiterer Schritt zur Verbreitung dieser seltenen Art in den Ostalpen“, betont Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.
Der Ausflug von Vinzenz in der vergangenen Woche hätte Wiggerl zum baldigen Start in die Lüfte motivieren sollen. Dieser Effekt konnte in den bisherigen Projekt-Jahren oft beobachtet werden. So flog Nepomuk im zarten Alter von nur 107 Tagen im Vorjahr gleich einen Tag nach Sisi aus. Doch in diesem Jahr zeigte Wiggerl auch einige Tage nach Vinzenz Abflug keine Reaktion, es seinem Artgenossen gleich zu tun. Deshalb öffnete das Projekt-Team am Samstag, von Wiggerl unbeobachtet, den Absperrzaun. So sollte Vinzenz wieder der Zugang zur Auswilderungsnische ermöglicht werden. Einfach dort punktgenau zu landen, wäre ihm in diesem frühen Flugstadium nur schwer möglich gewesen. „Vinzenz Anwesenheit in der Nische und sein erneuter Abflug sollten Wiggerl dazu animieren, selbst zu starten. Schnell stattete der bereits ausgeflogene Bartgeier seinem Kollegen in der Nische zu Fuß einen Besuch ab“, berichtet Toni Wegscheider. Vom erneuten Aufeinandertreffen angeregt startete Wiggerl am nächsten Tag zu seinem Jungfernflug.

Wiggerl überraschte eine Gams

Kurios war der unfreundliche Empfang am ersten Landeplatz von Wiggerl. Eine in der Nähe stehende Gams war sichtlich irritiert von seinem Erscheinen und setzte zu einer halbherzigen Attacke mit ihren Hörnern an. Ohne auch nur berührt zu werden, flog der Geier sofort wieder ab und landete sicher auf einem Felsturm. Es ist zu erwarten, dass Wiggerl in den nächsten Tag stark vom Entwicklungsvorsprung von Vinzenz profitiert. Dieser hat etwa bereits einen der vom Team angelegten Futterplätze entdeckt und erweist sich außerdem als außergewöhnlich guter Flieger. Schon in den ersten Tagen nach dem Erstflug kreiste er weit in der Auswilderungsregion herum und parierte mit erstaunlicher Wendigkeit den Luftangriff eines Steinadlers.
Projektmitarbeitende werden auch in den kommenden Wochen immer vor Ort sein und das Verhalten der beiden jungen Bartgeier weiterhin genauso intensiv überwachen wie bisher. Auch wenn die jungen Bartgeier ihre Erstflüge souverän absolviert haben, werden die beginnenden Übungsflüge es beiden Vögeln bereits nach wenigen Wochen ermöglichen, elegant in den Gipfelregionen des Nationalparks zu kreisen. „Naturfotografinnen und Naturfotografen werden angehalten, großen Abstand zu den beiden Bartgeiern zu halten. Nationalpark-Ranger sind vermehrt im Einsatz, um die jungen Bartgeier vor aufdringlichen Gästen zu schützen“, so Ulrich Brendel.

Offizielle Bartgeier-Führungen

Am offiziellen Bartgeier-Infostand im Nationalpark an der Halsalm, der auf einer Wanderroute liegt, können sich in den kommenden Wochen alle Besuchenden täglich von 10 bis 16 Uhr bei den Projektmitarbeitenden erkundigen, wo genau sich Wiggerl und Vinzenz gerade aufhalten und wo man sie beim Beobachten am wenigsten stört. Sowohl der LBV als auch der Nationalpark Berchtesgaden bieten jeden Dienstag und Donnerstag kostenlose Bartgeier-Führungen an, für die jedoch eine Anmeldung erforderlich ist. Informationen gibt es unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de im Bereich Veranstaltungen sowie unter bartgeier@lbv.de.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Bartgeier Vinzenz hebt ab zum Jungfernflug

Bartgeier Vinzenz hebt ab zum Jungfernflug

Berchtesgarden / Landkreis Rosenheim – Aufbruchsstimmung in Bayerns Bartgeier-Nische: Geier Vinzenz ist am gestrigen Dienstag (26.6.2024)  um 6.40 Uhr mit ein paar kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte gestartet und elegant aus der eingezäunten Felsnische gesegelt (siehe Video).

Ab jetzt kann Bargeier Vinzenz die Lüfte erobern. Video: Copyright LBV

Damit ist bereits der siebte Vogel dieser bedrohten Art im Gemeinschaftsprojekt vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden ausgeflogen. Vor knapp vier Wochen am 29. Mai wurden die beiden Bartgeier-Burschen Wiggerl und Vinzenz vom Projektteam im Klausbachtal ausgewildert. Artgenosse Wiggerl wird voraussichtlich in den nächsten Tagen ebenfalls die Auswilderungsnische verlassen. Auch diesen Erstflug kann jede und jeder mit etwas Glück live per Webcam auf der Webseite des LBV oder des Nationalparks Berchtesgaden mitverfolgen.

Vinzenz ist hat im Vorfeld viel geübt

Im Vergleich zum Alter der meisten anderen ausgewilderten jungen Bartgeier im europäischen Wiederansiedelungsprogramm war Vinzenz mit 115 Tagen beim ersten Flug relativ jung. Im Durchschnitt fliegen junge Bartgeier im Alter von 120 Tagen aus. „Dass dieses Jahr Vinzenz der erste unserer beiden Geier sein würde, der die Lüfte erobert, hatten wir bereits kurz nach der Auswilderung erwartet. Er war von Anfang an extrem engagiert beim Üben seiner Flügelschläge, führte täglich dreimal so viele Schläge wie Wiggerl aus und brachte es kurz vor seinem Ausflug auf über 400 Flügelschläge pro Tag“, sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider.
Ihrem Instinkt folgend haben die beide Bartgeier in den vergangenen Wochen von Tag zu Tag mehr Übungsflügelschläge absolviert. Hunderte solcher Schläge und täglicher Flattersprünge wirken wie ein intensives Training der Flugmuskulatur als Vorbereitung für den Erstflug. „Beide Geier haben ähnlich viel geübt wie die sechs bereits ausgewilderten Vögel. Dabei legte Vinzenz von Anfang an gut vor: Mit 304 Schlägen an einem Tag innerhalb der ersten Woche überholte er sogar die bisherige Spitzenreiterin Recka, die damals nach 4 Tagen stolze 262 mit den Flügeln schlug“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.

Sintflutartiger Dauerregen zum Start

Die ersten Wochen in der Felsnische waren geprägt von teilweise sintflutartigem Dauerregen, sodass die Nische nicht immer trocken war. Auch wenn der Regen Einfluss auf die Aktivität der beiden Jungvögel hatte, macht er ihnen nicht übermäßig viel aus. „Bartgeier kommen problemlos mit Nässe und kälteren Temperaturen zurecht. Das Konturgefieder lässt einen Großteil des Wassers abperlen und die darunterliegenden, wollartigen Daunenfedern halten sie gut warm“, erklärt Toni Wegscheider.

In den vier Wochen lebten die beiden Bartgeier-Männchen weitgehend friedlich zusammen, sind dabei aber deutlich distanzierter als die Jungvögel aus den Vorjahren. So gab es immer mal wieder kleine Streitigkeiten um die schönsten Futterhappen. Auch der unfreiwillige Sturz von Wiggerl aus der Nische nach einer Auseinandersetzung mit Vinzenz vor zwei Wochen führte zu keinerlei Verletzungen. „Alles in allem handelt es sich um ein recht moderates Verhalten zweier Jungvögel untereinander, vor allem im Vergleich mit den ersten beiden Projektjahren. Die Größe der Nische und die ausreichende Nahrungsversorgung sind zwei Schlüsselgrößen, die sich ganz allgemein positiv auf die Beziehungen auswirken dürften“, so Ulrich Brendel.

Futter in der Umgebung ist ausgelegt

In Vorbereitung auf den ersten Ausflug hat das Bartgeier-Team von Nationalpark und LBV einen Futterplatz unterhalb der Nische bereits vor einigen Tagen bestückt. Der Platz ist fußläufig für Vinzenz erreichbar, da seine die Flugfähigkeit in den ersten Tagen noch sehr eingeschränkt ist. Projektmitarbeitende werden auch in den kommenden Wochen immer vor Ort sein und das Verhalten der beiden jungen Bartgeier weiterhin genauso intensiv überwachen wie bisher.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re / Video: Copyright LBV)

Schrecksekunde in der Bartgeiernische

Schrecksekunde in der Bartgeiernische

Berchtesgaden / Hilpoltstein – Schrecksekunde in der Bartgeiernische in Berchtesgaden: Jungvogel Wiggerl fiel rückwärts über die Felskante aus der Nische und 30 Meter hinab in steiles Gelände. Fliegen kann er derzeit noch nicht.

Zu dem Vorfall kam es am vergangenen Montag (10.6.2024). Am späten Nachmittag kam es zwischen den beiden Ende Mai ausgewilderten Jungvögeln Vinzenz und Wiggerl in in ihrer Felsnische zu einer kleinen aber völlig normalen Auseinandersetzung. Als Wiggerl ausweichen wollte, passiert es. Er fiel aus der Nische und stürzte ab. Sich abzufangen war dem Junggeier nicht möglich, da diese Vögel in diesem Alter noch nicht fliegen können.
Schnell konnte aber aufgeatmet werden. Nur kurze Zeit nach dem Sturz barg das Projektteam von LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und Nationalpark Berchtesgaden den Vogel unverletzt und brachten in sicher zurück in die eingezäunte Nische.

„Da Projektmitarbeitende tagsüber die Nische von einem Beobachtungsplatz durchgehend überwachen, konnten sie nach Wiggerls Sturz sofort ein Expertenteam von LBV und Nationalpark informieren, das bereits kurze Zeit später für eine erste Einschätzung der Situation vor Ort sein konnten“, erklärt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Aus der Ferne analysierten die Fachleute die Position des Vogels und sein Verhalten. Dabei wurde schnell klar, dass sein Sitzplatz in einer stark durch Steinschlag gefährdeten Felsrinne lag, was sofortiges Handeln erforderte.

Wiggerl sollte deshalb umgehend seinen Standort wechseln, indem der Geier entweder vorsichtig in sichereres Gelände getrieben oder eingefangen und in die Felsnische zurück transportiert wird. „Auch bei anderen Auswilderungsprojekten im Alpenraum und bei natürlichen Bruten ist es schon vorgekommen, dass junge Bartgeier mal aus dem Horst fallen. Dank des intensiven Austausches mit internationalen Experten waren wir auf ein solches Ereignis vorbereitet“, so Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.

Wiggerl war nach dem Sturz sichtlich geschockt

Während ein kleines, alpinerfahrenes Team zur Rettung Wiggerls in den Steilhang unterhalb der Nische aufstieg, informierten es die weiter entfernten Beobachter per Funk über das Verhalten des Geiers und das unübersichtliche Gelände. „Immerhin hat uns Wiggerl den Gefallen getan, dass er in einer Regenpause, bei noch ausreichend Tageslicht und in eine einigermaßen zugängliche Felsumgebung abgestürzt ist“, scherzt Toni Wegscheider im Nachhinein. Als sich das Kletter-Team näherte, machte der junge Geier keine Anstalten zur Flucht. Er saß sichtlich geschockt über den Vorfall zusammenkauert auf einem Felsvorsprung. So konnten ihn die Experten ohne große Gegenwehr mit einer übergeworfenen Decke einfangen. In einer Transportkiste ging es dann wieder hinauf in die Nische, in der Artgenosse Vinzenz die Rückkehr von Wiggerl reglos beobachtete. Nach einem kurzen Gesundheitscheck zog sich das Expertenteam sofort wieder zurück und beobachtete aus größerer Distanz die Wiedereingewöhnung des Geiers in seine vertraute Umgebung ohne weitere Auffälligkeiten.

„Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, wie wichtig unser großer Betreuungsaufwand für die Bartgeier ist. Jeder einzelne Vogel hat eine enorme Bedeutung für die erfolgreiche Rückkehr der Art in die Alpen, sodass wir mit hohem Personal- und Technikeinsatz für eine größtmögliche Sicherheit der Jungtiere sorgen wollen“, so Ulrich Brendel. Die Überwachung durch mehrere Livekameras in der Nische und die ständige Beobachtung der Vögel vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung durch Nationalpark-Praktikanten und LBV-Mitglieder in einem Unterstand vor Ort, sorgten bislang stets für einen glücklichen Ausgang kritischer Situationen. Brendel weiter: „Das Faszinierende am Bartgeier ist, dass Jungvögel mit nur 90 Lebenstagen ausgewildert werden können und dabei ihr lebenswichtiges biologisches Programm für ihr künftiges Leben bereits vollkommen gespeichert haben. Dennoch ist in dieser ersten Lebensphase, vom Besetzen der Felsnische, über die ersten Flugversuche bis hin zum Verlassen des Gebietes eine intensive Betreuung durch Projektmitarbeitende unerlässlich“.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Bartgeier-Auswilderung: „Wiggerl“ und „Vinzenz“ erobern die Alpen

Bartgeier-Auswilderung: „Wiggerl“ und „Vinzenz“ erobern die Alpen

Berchtesgaden / Hilpoltstein / Bayern – Die Geier sind wieder los. Zum vierten Mal haben der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden am heutigen Mittwochvormittag (29.5.2024) zwei junge, noch nicht flugfähige Bartgeier in einer Felsnische im Klausbachtal erfolgreich ausgewildert. Das Besondere in diesem Jahr: Zum ersten Mal konnten zwei Männchen aus dem europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerk für die deutsche Auswilderung zur Verfügung gestellt werden. Bei einem Festakt verkündete der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder feierlich die Namen der beiden Vögel „Wiggerl“ und „Vinzenz“. Seit 2021 konnten nun bereits acht Bartgeier ausgewildert werden. 140 Jahre nachdem der Mensch sie ausgerottet hat, fliegen die gefährdeten Giganten nun wieder durch die Lüfte der deutschen Alpen. Das Gemeinschaftsprojekt ist auf mindestens zehn Jahre angelegt und soll die zentraleuropäische, alpine Population und dabei vor allem die Wiederansiedlung dieser seltenen Vogelart in den Ostalpen entscheidend unterstützen.

In den drei ersten Projektjahren wurden bereits fünf Bartgeier-Damen und ein Männchen ausgewildert. „Wir freuen uns, dass wir nun erstmals gleichzeitig zwei Männchen vom internationalen Bartgeierzuchtprogramm für unsere Auswilderung erhalten haben, nachdem wir bisher fast ausschließlich Weibchen in den Nationalpark entlassen haben. Es ist bemerkenswert, mit welchem Einsatz Naturschützer aus verschiedenen Ländern sich dafür einsetzen, dass der Bartgeier in Europa wieder heimisch wird“, betont der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Der finnische „Wiggerl“ ist im Zoo von Helsinki geboren und „Vinzenz“ stammt aus der Richard-Faust-Bartgeier-Zuchtstation im österreichischen Haringsee.

Mit Bavaria, dem 2021 ausgewilderten Bartgeier, ist bereits ein Vogel des Projekts ganz in der Nähe des Nationalparks sesshaft geworden. Sie hat dort möglicherweise bereits ein Revier gegründet, in dem fremde Weibchen bald nicht mehr geduldet werden. Potenzielle Brutpartner sind entscheidend für den Erfolg des Wiederansiedlungsprojekts. „Die Projektvögel können auf ihren Flügen durch den europäischen Alpenraum auch andere wildlebende Bartgeier kennenlernen und sich mit ihnen verpaaren. Bartgeier sind erst mit 5 bis 7 Jahren geschlechtsreif. Meist dauert es auch einige Jahre bis eine Brut glückt. Vor 2030 rechnen wir deshalb noch nicht mit Bruterfolg in den deutschen Alpen“, sagt der Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.

Zum Festakt kamen Bartgeier-Fans aus ganz Deutschland

Beim offiziellen Festakt, bei dem Bartgeier-Fans aus ganz Deutschland und aus weiten Teilen der Alpenregionen versammelt waren, gratulierte im Kreis der geladenen Gäste auch der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. „Die Bewahrung der Schöpfung und der Artenschutz sind unsere Verpflichtung. Die Auswilderung von Bartgeiern ist ein einzigartiges Naturschutzprojekt. Bartgeier sind faszinierende Tiere. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie in den Alpen ausgerottet, heute beläuft sich die Population auf 300 Exemplare. Die Taufe von „Wiggerl“ und „Vinzenz“ war ein ganz besonderer Moment der Freude und Demut. Herzlichen Dank an den LBV und alle Ehrenamtlichen für das großartige Engagement und die Leidenschaft. Komme immer sehr gern in den wunderschönen Nationalpark Berchtesgaden“, sagt Ministerpräsident Dr. Markus Söder.

Bayerische Namen für die neuen Bartgeier

Der finnische Vogel wurde per Luftfracht nach Wien transportiert. Am Vortag der Auswilderung ging es dann gemeinsam mit dem Bartgeier aus der nahegelegenen Zuchtstation Haringsee per Auto weiter nach Berchtesgaden. Heute wurden beide Greifvögel von den Expertinnen und Experten des Nationalparks und des LBV erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der österreichische Bartgeier erhielt den Namen „Vinzenz“. Dieser Name wurde von der Nationalparkverwaltung für die Gemeinde Ramsau vergeben – nach dem Schutzpatron der Nationalparkgemeinde, den sie auch im Wappen trägt. Der in Finnland geborene Junggeier trägt nun den Namen „Wiggerl“, die Koseform von Ludwig. Er wurde von Familie Kainz aus München vergeben, die langjährige und großzügige Spender des LBV sind. Da seit dem Vorjahr bereits eine „Sisi“ in den Alpen segelt, soll sich nun ein „Ludwig“ zu ihr gesellen. Der Name orientiert an der bayerischen Geschichte. So war Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn die Großcousine des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern.

Aufstieg in die Auswilderungsnische

Anschließend setzten die Nationalpark- und LBV-Mitarbeitenden die beiden noch nicht flugfähigen Junggeier in Tragekisten und trugen sie auf Kraxen den Berg zur Auswilderungsnische hinauf. „Nach dem geglückten Aufstieg haben wir unsere beiden neuen Schützlinge in zuvor vorbereitete Nester aus Fichtenzweigen und Schafwolle gesetzt. Anschließend wurden den Vögeln die GPS-Sender angelegt, sie wurden noch einmal untersucht und erstes Futter aus Rehknochen in der Nähe platziert. Direkt danach haben wir uns zurückgezogen, um den beiden Geiern eine gute Eingewöhnung in ihre neue Heimat zu ermöglichen“, erklärt LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

In der Felsnische auf 1.300 Metern Höhe werden die 88 und 89 Tage alten Bartgeier von nun an ohne menschlichen Kontakt weiter aufwachsen und ihre Flügel trainieren. Wissenschaftler werden die Vögel in den kommenden Monaten rund um die Uhr von einem nahegelegenen Beobachtungsplatz aus und durch installierte Infrarotkameras und einen Livestream überwachen. „Die durchgehende Beobachtung ermöglicht uns, Unregelmäßigkeiten sofort zu erkennen. So können wir den beiden Vögeln einen optimalen Schutz bieten“, so Toni Wegscheider. Das Auslegen von Futter ohne direkten menschlichen Kontakt erfolgt je nach Bedarf im Abstand von mehreren Tagen.

Jungfernflug in den nächsten Wochen

Der selbständige erste Ausflug der beiden Vögel dürfte nach ausgiebigen Flugübungen in etwa vier Wochen stattfinden. „Dann sind ihre Flügel stark genug, um mit einer Spannweite von bis zu 2,90 Metern ihre rund fünf Kilo Körpergewicht in die Luft zu heben“, sagt Ulrich Brendel. Danach werden sie noch bis in den Spätsommer in der näheren Umgebung der Felsnische im Nationalpark anzutreffen sein, bevor sie dann endgültig aufbrechen, um den europäischen Alpenraum zu erkunden. Bis dahin legt das Team bei Bedarf weiterhin Nahrung aus und überwacht die Bartgeier.

Live-Webcam in Felsnische

Wie sich die beiden Bartgeier-Jungs entwickeln und wie sie ihre ersten Flugübungen machen, kann jede und jeder im Internet verfolgen. Über die weltweit einzige Bartgeier-Live-Webcam werden die Geschehnisse in der Auswilderungsnische auf der Webseite des LBV unter www.lbv.de/bartgeier-webcam sowie unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de übertragen. In den darauffolgenden Monaten und Jahren kann auch der weitere Lebensweg der beiden Vögel mitverfolgt werden. Dank der GPS-Sender auf den Rücken der Vögel können Interessierte auf einer Karte unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen beobachten, wo die Bartgeier künftig unterwegs sind.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Copyright Markus Leinter-LBV) 

Bartgeier Vinzenz hebt ab zum Jungfernflug

Von den Seen in die Berge: Ein finnischer Bartgeier für Berchtesgaden

Hilpoltstein / Berchtesgaden / Bayern – Dichte Wälder, tausende Seen und heiße Saunen: Aus Finnland kommt in diesem Jahr auch gefiederter Zuwachs für Deutschlands Bartgeierprojekt. Auch 2024 wildern der bayerische LBV und der Nationalpark Berchtesgaden wieder zwei junge Bartgeier in Bayern aus. Einer von ihnen kommt dieses Jahr aus Helsinki.

„Erstmals stammt einer unserer kleinen Bartgeier aus dem Zoo von Helsinki. Die Verstärkung aus Finnland für die alpine Geierpopulation zeigt, wie groß der Aufwand und wie beeindruckend die Vernetzung im europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerk der Vulture Conservation Foundation ist“, sagt der LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Der zweite Bartgeier stammt aus dem Richard-Faust-Zentrum im österreichischen Haringsee, in dem auch schon der 2023 ausgewilderte „Nepomuk“ geschlüpft ist. Ende Mai wird das gemeinsame Projekt-Team die beiden Jungvögel in die bewährte Felsnische im Nationalpark Berchtesgaden setzen.
Das Küken des nördlichsten Bartgeierzuchtpaars Europas ist am 2. März zur Welt gekommen. „Wir kennen das Schlupfgewicht und das Geschlecht des Kükens bisher noch nicht. Da es in Helsinki meist sehr kalt ist, wollten die dortigen Experten den Jungvogel nicht aus dem warmen Nest der Eltern nehmen, um ihn zu untersuchen und eine Blutprobe zur Geschlechtsbestimmung zu entnehmen“, berichtet Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Der kleine Partakorppikotka, wie die finnische Bezeichnung für Bartgeier lautet, wird erst im Alter von etwa 90 Tagen genau in Augenschein genommen. Dann wird er für den Transport nach Berchtesgaden aus der elterlichen Voliere geholt und per Frachtflug von Helsinki nach Wien gebracht. Seine älteren Geschwister aus den Vorjahren wurden in Andalusien und auf Korsika ausgewildert.
Das am 3. März im Richard-Faust-Zentrum in Haringsee, der ältesten Bartgeierzuchtstation der Welt, geschlüpfte Küken, ist mit beeindruckenden 178 Gramm bisher der schwerste Jungvogel im bayerischen Wiederansiedlungsprojekt. „Eine frisch geschlüpfte Amsel wiegt gerade einmal sechs Gramm. Dieser Vergleich macht die gewaltigen Dimensionen eines Bartgeiers – sogar schon als Küken – deutlich“, staunt Toni Wegscheider. Der österreichische Junggeier wird nicht von seinen leiblichen Eltern, sondern von einem Ammenpaar aufgezogen. Seine biologischen Eltern kümmern sich schon um ein weiteres, zuvor geschlüpftes Bartgeierküken. Da Geschwisterküken bei Bartgeiern von Natur aus sehr aggressiv gegeneinander sind und immer nur das Stärkere überlebt, wurde das zweite Küken einem Paar ohne eigenen Nachwuchs untergeschoben. „Diese Adoptionen sind im Erhaltungszuchtprogramm üblich und sehr erfolgreich. Für dieses Ammenpaar ist es allerdings das erste Küken, entsprechend aufgeregt sind sowohl die Zieheltern als auch das Pflegepersonal vor Ort“, erklärt Ulrich Brendel. Bisher verläuft die Aufzucht reibungslos, sodass erwartet wird, dass der Jungvogel erfolgreich aufwächst.
Ende Mai werden die beiden neuen jungen Bartgeier in derselben Felsnische im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert, in der bereits in den vergangenen Jahren ihre Artgenossen in die Wildnis der Ostalpen entlassen wurden. „Ab dem Sommer werden sie selbständig das Fliegen lernen und die Weiten der Alpen erobern, um dort in einigen Jahren hoffentlich zu brüten. So soll die zentraleuropäische, alpine Population dieser stark gefährdeten Vogelart gestärkt werden“, so Toni Wegscheider.

Neuer Rekord in Europa: 44 Bartgeier-Küken geschlüpft

Die ersten vier Bartgeier im Gemeinschaftsprojekt von LBV und Nationalpark Berchtesgaden stammten aus Spanien. Im Vorjahr kamen „Sisi“ und „Nepomuk“ in Österreich zur Welt. Mehr als 40 Zoos und spezialisierte Zuchtstationen haben sich der Nachzucht des früher in Europa weitestgehend ausgerotteten Bartgeiers verschrieben. Im Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wurden dieses Jahr 44 Küken ausgebrütet, ein neuer Rekord. Von diesen sind 25 für zehn verschiedene Auswilderungsplätze etwa in Spanien, Frankreich, der Schweiz und Berchtesgaden eingeplant. Die restlichen Vögel verbleiben zur weiteren Nachzucht im EEP.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Bartgeier Vinzenz hebt ab zum Jungfernflug

Raus aus dem Ei: Europas Bartgeier-Küken schlüpfen

Berchtesgaden / Hilpoltstein – Raus aus dem Ei: LBV und der Nationalpark Berchtesgaden erwarten die nächsten Jungvögel für die diesjährige Auswilderung.

Für die meisten Vogelarten ist der Frühling die ideale Zeit, um Eier zu legen und zu brüten. Nicht so für den Bartgeier, die seltenste Geierart Europas. Er beginnt bereits im Hochwinter mit der Brut. In ihrem alpinen Lebensraum halten auch Minustemperaturen, tagelanger Schneefall und Lawinenabgänge die Bartgeierpaare nicht davon ab, ihre Eier zu legen und sie 52 Tage lang auszubrüten. „Im Gegensatz zu den Altvögeln können die Küken noch keine Knochen verdauen. Deshalb hat sich diese Vogelart so entwickelt, dass die kleinen Bartgeier bereits gegen Ende des Winters schlüpfen, wenn ein reichhaltiges Angebot an in Lawinen verunglückten Wildtieren wie Gämsen und Steinböcken zu finden ist“, sagt der LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Dank der Anpassung der Schlupfzeit an die Schneeschmelze ist sichergestellt, dass genügend Aas vorhanden sind, mit dem die Eltern ihre Jungen füttern können.

„Jungvögel müssen sofort getrennt werden“

Obwohl die Bartgeier in Zoos und Zuchtstationen weniger rauen Wetterbedingungen ausgesetzt sind als ihre Artgenossen in den Alpen, läuft auch bei diesen Vögeln das über Jahrtausende entwickelte Verhalten gleich ab. Bereits Anfang Dezember legte ein Weibchen im österreichischen Richard-Faust-Zentrum das erste Ei der aktuellen Brutsaison. Die erfahrenen Paare wechseln sich beim Ausbrüten der mehr als faustgroßen Eier routiniert ab. Vor allem gegen Ende der Brutzeit sind die Experten in den verschiedenen Einrichtungen besonders wachsam. „Schlüpfen zwei Jungvögel in einem gemeinsamen Nest, müssen sie sofort getrennt werden, da sie von Natur aus sehr aggressiv gegeneinander sind und immer nur das stärkere Küken überlebt. Das ist auch verständlich, denn bei insgesamt fast vier Monaten Nestlingszeit in der Natur und den Unmengen an Futter, die ein heranwachsender Geier fressen muss, könnten die Eltern niemals zwei Junge gleichzeitig aufziehen“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.
Im Zuchtprogramm ist es dank eingespielter Expertenteams möglich, das jeweils schwächere Küken einem anderen, kinderlosen Bartgeier-Ammenpaar zu übergeben und von diesem ohne menschlichen Kontakt aufziehen zu lassen. „Im Idealfall verdoppelt sich so der Bruterfolg jedes Paares. Die Küken werden dann an eines der europäischen Auswilderungsprojekte – etwa nach Berchtesgaden – abgegeben oder sichern innerhalb des EEP den Fortbestand der Art“, so Ulrich Brendel. Die kleinen Bartgeier, die jetzt aus den Eiern schlüpfen, werden wahrscheinlich sehr verschiedene Lebenswege einschlagen. Aber jeder auf seine Weise kann einen wichtigen Beitrag für die Zukunft dieser beeindruckenden Art leisten.

Küken aus freier Wildbahn

Da Bartgeier im gesamten Alpenraum seit 1986 ausgewildert werden, kommt es jedes Jahr zu einigen Dutzend erfolgreichen Bruten im Freiland. Vor allem in den Westalpen, wie in Frankreich und der Schweiz, aber auch vereinzelt in Österreich schlüpfen in diesen Tagen die Jungen. „Die bisher in Berchtesgaden ausgewilderten Geier werden sich hoffentlich in einigen Jahren, wenn sie geschlechtsreif sind, ebenfalls mit Artgenossen verpaaren und den noch recht geringen Bestand dieser faszinierenden Vogelart in den Ostalpen stärken“, sagt Toni Wegscheider.

Alpine Entdeckungstour der bereits ausgewilderte Bartgeier

Die 2021 ausgewilderte Bavaria ist bereits im Salzburger Tennengebirge sesshaft geworden, direkt östlich des Nationalparks Berchtesgaden. In zwei Jahren könnte sie dort mit einem Partner einen ersten Brutversuch starten. Die noch jüngeren Bartgeier Recka, Dagmar, Sisi und Nepomuk folgen dagegen noch ihrem Entdeckungsdrang. Sie erkunden die Alpen auf der Suche nach wilden Artgenossen und verendeten Huftieren als Nahrung und legen dabei manchmal Hunderte von Kilometern pro Tag zurück. Einige dieser Vögel werden schließlich auch in die Umgebung des Nationalparks zurückkehren und sich in einer geeigneten Gebirgsregion der bayerischen oder österreichischen Berge niederlassen. Bis der Bartgeier endgültig wieder in Bayern heimisch geworden ist, werden noch einige Jahre vergehen. Der bisherige Projektverlauf stimmt die Beteiligten des LBV und des Nationalparks Berchtesgaden jedenfalls zuversichtlich, dass dieses Ziel in nicht allzu ferner Zukunft liegt.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)