Wilde Bartgeier zu Besuch im Nationalpark Berchtesgaden

Wilde Bartgeier zu Besuch im Nationalpark Berchtesgaden

Berchtesgaden / Hilpoltstein / Bayern – Aktuell stattet ein unbekannter Bartgeier dem Nationalpark Berchtesgaden einen Besuch ab. Bereits zum dritten Mal in den letzten Monaten konnte damit ein Bartgeier in Südostbayern gesichtet werden, der nicht aus dem Auswilderungsprogramm des LBV stammt.

„Junge Bartgeier orientieren sich in ihrer Wanderphase in den ersten Lebensjahren stark am Vorkommen von Artgenossen. Daher freut es uns sehr, dass die Präsenz unserer Geier auch wilde, herumstreifende Junggesellen in die Region lockt. Das ist ein weiterer Erfolg im gemeinsamen Projekt diese faszinierende Vogelart wieder nach Deutschland zurückzubringen“, so LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider.
„Dank der hochauflösenden Bilder eines Naturfotografen konnten wir anhand der Gefiederdetails ermitteln, dass der derzeitige Besucher 1,5 Jahre alt ist. Da der im Frühling 2022 geschlüpfte Vogel keinen Beinring, keine Federmarkierung und keinen Sender trägt, handelt es sich um einen in der Wildnis geborenen Bartgeier aus dem Alpenraum“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. In diesem Jahr sind mindestens 49 Geierküken erfolgreich aus Horsten in Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz ausgeflogen. Die Herkunft des wilden Gastes lässt sich jedoch nicht genauer bestimmen, da junge Bartgeier höchst mobil sind. Vögel aus dem bayrischen Auswilderungsprojekt sind beispielsweise bereits bis in die äußersten Westalpen in Frankreich und in die Ostalpen bis kurz vor Wien geflogen.

Mindestens der dritte Bartgeier der nicht aus dem Auswilderungsprogramm stammt 

Der derzeit im Projektgebiet des Nationalparks anwesende wilde Bartgeier ist mindestens der dritte Vogel in diesem Jahr, der nicht aus dem deutschen Auswilderungsprogramm stammt. Im Juli sichtete das Projektteam in der Nähe des Königssees den in der Schweiz ausgewilderten Bartgeier BelArosa, im September einen weiteren unbekannten Geier in der Nähe der Auswilderungsnische. „Die Präsenz unserer dieses Jahr ausgewilderten Bartgeier in Berchtesgaden scheint umherstreifenden Junggeiern geeignete Lebensräume anzuzeigen. Diese sogenannte soziale Attraktion kennen auch die Experten aus anderen Auswilderungsgebieten im Alpenraum“, freut sich Toni Wegscheider. Derartige Entwicklungen lassen sich jedoch nur durch die Meldung gesichteter Bartgeier nachvollziehen. Daher bittet das Projektteam auch weiterhin Naturinteressierte und Wandernde mögliche Bartgeierbeobachtungen mit Foto oder Video zu melden an www.lbv.de/bartgeier-melden.
Ob der wilde Besucher nun einige Zeit im Nationalpark Berchtesgaden bleibt oder bald wieder weiterzieht, lässt sich nicht abschätzen. „Der junge Geier hat sicherlich Sichtkontakt zum derzeit wieder in der Auswilderungsregion fliegenden Nepomuk. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden sich zusammentun und eine Weile gemeinsam nach Nahrung suchen“, so LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Schon mehrfach wurden in Bayern ausgewilderte Geier zusammen mit Artgenossen beobachtet: so war die 2022 geschlüpfte Dagmar mit drei weiteren Junggeiern in der Schweiz im August unterwegs. Auch die Projektvögel Recka und Sisi fliegen derzeit gelegentlich zusammen in den österreichischen Zentralalpen.
In den Wintermonaten dienen vor allem durch Steinschlag, Lawinen, Krankheit oder Absturz umgekommene Gämsen und Steinböcke als Nahrung für die vollkommen auf Aas angewiesenen Bartgeier. „Erst vor kurzem wurde in der Nähe der Auswilderungsnische ein abgestürztes Gamskitz entdeckt. Wenn Steinadler, Fuchs und Kolkrabe die Weichteile verzehrt haben, werden sich die Geier die Knochen holen“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Die Bewegungsmuster auf den GPS-Sendern der Vögel zeigen deutlich, dass sie immer wieder Suchflüge von einigen Stunden bis wenigen Tagen unternehmen und gefundene Wildtierkadaver teils wochenlang nutzen. So kann sich der auf Knochen spezialisierte Bartgeier zum Beispiel drei bis vier Wochen von der hohen Kaloriendichte des Knochenmarks eines einzelnen Steinbockgerippes ernähren.

Nepomuk auch zu Gast im Nationalpark Berchtesgaden

Im Oktober kehrte der neun Monate alte Nepomuk nach seinem ersten weiten Flug in die Zentralalpen überraschend wieder in der Auswilderungsregion des Klausbachtals zurück. „Auffällige Senderdaten veranlassten uns Anfang Oktober nach Nepomuk im Gelände zu suchen. In den Hohen Tauern entdeckten wir den geschwächt wirkenden Junggeier, der sich offenbar zu nahe an den Brutplatz eines anderen Bartgeier-Paares gewagt hat und mehrfach von diesem angegriffen wurde“, berichtet Toni Wegscheider. Für den Fall einer ernsthaften Verletzung waren Vorbereitungen für eine eventuelle Behandlung bereits getroffen. Trotz seines angeschlagenen Zustands kehrte Nepomuk selbstständig in den vertrauten Nationalpark Berchtesgaden zurück. Das Projektteam beobachtete ihn intensiv und stellte eine stetige Erholung fest. Die Futterplätze wurden vorsorglich erneut bestückt, was allerdings bald wieder beendet werden konnte. Nepomuks Flugfähigkeiten sind wieder vollständig hergestellt, sodass seinem nächsten Aufbruch in die Alpen nichts im Wege steht. Seit Projektbeginn können Interessierte die Flugrouten der fünf bayerischen Bartgeier durch die Alpen dank der auf dem Rücken der Vögel angebrachten GPS-Rucksäcke online auf einer Karte mitverfolgen unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen.

Junge Bartgeier gehen auf Endeckungstour

Junge Bartgeier gehen auf Endeckungstour

Hilpoltstein / Bayern – Auf geht´s in die Alpen: Ausgewilderte Bartgeier haben den Nationalpark Berchtesgaden verlassen und fliegen Richtung Alpen.

Der Ende Mai durch den bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und den Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderte Bartgeier Nepomuk ist am 16. September aus seinem bisherigen Aufenthaltsgebiet im Nationalpark aufgebrochen und erkundet nun den österreichischen Nationalpark Hohe Tauern. Nur einen Tag später folgte die ebenfalls in diesem Jahr ausgewilderte Bartgeierdame Sisi in dieselbe Region der österreichischen Zentralalpen. „Es freut uns ungemein, dass Nepomuk, der jünger und deutlich kleiner als seine Gefährtin Sisi ist, nun als erster den großen Schritt hinaus in die Wildnis der Alpen wagt“, sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Wie alle jungen Bartgeier werden die beiden Vögel in den nächsten Jahren über weite Teile des Alpenbogens fliegen und dabei tausende Kilometer zurücklegen. Damit ist die dritte Saison im gemeinsamen Auswilderungsprojekt des Bartgeiers in Bayern weitgehend abgeschlossen. Dank GPS-Sendern auf dem Rücken der Vögel können Bartgeier-Fans die Flugrouten aller bisher ausgewilderten Geier durch Europa online mitverfolgen unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen.

Nepomuk startet mit 107 Tagen seinen Jungfernflug

Im Juni startete das zierliche Bartgeiermännchen Nepomuk außergewöhnlich früh zu seinem Jungfernflug im Alter von nur 107 Tagen. Im Durchschnitt brechen junge Bartgeier erst nach 120 Tagen zum ersten Flug auf. Obwohl Nepomuk sich in der ersten Phase seiner Flugübungen sichtlich schwer tat mit Sisi mitzuhalten, holte er seinen Rückstand bald auf. „Im Spätsommer war Nepomuk deutlich entdeckungsfreudiger als seine Artgenossin Sisi. 100 Kilometer Flugstrecke pro Tag waren bei seinen Ausflügen bis nach Tirol und in die Salzburger Kalkalpen keine Seltenheit“, so Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. Nun legte Nepomuk eine beachtliche Distanz von über 300 Kilometer nach Süden in die Zentralalpen des österreichischen Nationalparks Hohe Tauern zurück.
Wie schon Recka, Dagmar und Bavaria aus den ersten beiden Projektjahren werden Nepomuk und Sisi nun mindestens zwei bis drei Jahre den Alpenraum durchstreifen und dabei Ausschau nach Nahrung und anderen Bartgeiern halten. Sie fliegen dabei durch Gebiete von bis zu 10.000 Quadratkilometern. Um sesshaft zu werden und ein Revier zu gründen, kehren die meisten Bartgeier allerdings wieder in ihre Herkunftsregion zurück. Das Bartgeier-Team von LBV und Nationalpark Berchtesgaden ist also optimistisch, beide Vögel in einigen Jahren wieder im weiteren Umfeld des Nationalparks beobachten zu können. „Auch wenn wir durch die GPS-Sender die Flugrouten aller Geier gut überwachen können, bitten wir darum, Bartgeiersichtungen an bartgeier@lbv.de zu melden. Am besten mit einem Foto, denn selbst auf einem Handybild lassen sich oft überraschend viele Details finden“, so Toni Wegscheider.

Sisi bricht nur einen Tag nach Nepomuk auf

In diesem Jahr war für die Experten besonders spannend, dass Sisi nur einen Tag nach Nepomuk aus dem Nationalpark aufgebrochen ist. In den bisherigen beiden Projektjahren dauerte es jeweils einige Wochen bis nach dem ersten Bartgeier auch dessen Artgenosse dauerhaft abgeflogen ist. „Zum Ende ihrer Zeit im Nationalpark kreisen die Geierjungvögel zwar noch direkt über den bestückten Futterplätzen, finden nun aber in den umliegenden Bergen so viel natürliches Aas, dass sie auf die zusätzlichen Futtergaben durch unsere Team verzichten können“, erklärt Dr. Roland Baier. Als reine Aasfresser suchen Bartgeier beispielswiese nach toten Gämsen oder den Überresten anderer, verendeter Wildtiere, deren Knochen sie verwerten.
Bis etwa 2030 sollen im Nationalpark Berchtesgaden jährlich zwei bis drei Bartgeier ausgewildert werden, um langfristig einen Brutbestand dieses imposanten, einst vom Menschen ausgerotteten Alpenbewohners aufzubauen. Da beide Geier in den nächsten Wochen immer noch gelegentlich in ihr bisheriges Aufenthaltsgebiet im Nationalpark Berchtesgaden zurückkehren werden, finden die kostenlosen Bartgeierwanderungen von LBV und Nationalpark Berchtesgaden noch bis auf weiteres statt.

Offizielle Bartgeier-Führungen

Am offiziellen Bartgeier-Infostand im Nationalpark an der Halsalm, der auf einer Wanderroute liegt, können sich alle Gäste täglich von 10 bis 16 Uhr bei den Projektmitarbeitenden erkundigen, wo genau sich Sisi und Nepomuk gerade aufhalten und wo man sie beim Beobachten am wenigsten stört. Sowohl der LBV als auch der Nationalpark Berchtesgaden bieten jeden Dienstag und Donnerstag kostenlose Bartgeier-Führungen an, für die jedoch eine Anmeldung erforderlich ist. Informationen gibt es unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de im Bereich Veranstaltungen.

Zum Projekt:
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen. Mehr Informationen zum Projekt unter www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: re)

Sisi und Nepomuk sind sehr lernfähig

Sisi und Nepomuk sind sehr lernfähig

Berchtesgaden / Hilpoltstein  / Bayern – Die in diesem Jahr vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Bartgeier Sisi und Nepomuk haben sich laut LBV  beeindruckend entwickelt, nachdem sie Ende Juni überraschend früh ihre Felsnische verlassen und zu ihren ersten Flügen aufgebrochen sind.

„Wie üblich in diesem Projekt müssen sich die beiden Vögel ohne elterliche Unterstützung völlig selbständig entwickeln. Bei der Nahrungssuche, der Wahl sicherer Schlafplätze und dem Trainieren ihrer Flugfähigkeiten beweisen diese beiden eine bemerkenswerte Lernfähigkeit“, sagt der LBV-Bartgeier-Experte Toni Wegscheider. Die drei in den Vorjahren ausgewilderten Bartgeier sind ebenfalls wohlauf und erkunden die Alpen. Dank GPS-Sendern auf dem Rücken der Vögel können Bartgeier-Fans die Flugrouten der Geier durch Europa online mitverfolgen unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen.

Flüge werden immer eleganter und sicherer

Die Projektmitarbeitenden von LBV und Nationalpark Berchtesgaden zeigen sich mit der Entwicklung von Sisi und Nepomuk sehr zufrieden. „Beide haben bereits wenige Tage nach ihren Erstflügen in der Halsgrube selbstständig und fernab der von uns eingerichteten Futterplätze ein natürlich verendetes Wildtier entdeckt und daran gefressen. Derartiges Verhalten hat bei den Vorgängerinnen teilweise Monate gedauert“, sagt Toni Wegscheider. Sisi zeigt schon sehr jung erfreuliche Flugfähigkeiten und segelt gelegentlich auf über 2.000 Meter Höhe in die Gipfelregionen der Reiteralm im Nationalpark Berchtesgaden. Ihre Flüge werden immer eleganter und sicherer. „Der acht Tage jüngere Nepomuk hingegen verhält sich eher vorsichtig und bleibt noch nahe an der Auswilderungsnische. Täglich können Wandernde ihn dort bei vielen kurzen Flügen beobachten, bei denen er sich oft am Verhalten von Sisi orientiert. Er folgt ihr zu dem von uns ausgelegtem Futter oder zu Ruheplätzen“, so Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.
Zwei von drei im Gebiet der Nische regelmäßig von LBV-Mitarbeitenden und Nationalpark-Rangern bestückten Futterplätze haben die beiden Bartgeier schon entdeckt. Als Aasfresser üben die beiden Vögel neben dem Fressen großer Knochen auch das Zerlegen von Nahrungsstücken. „Das Bartgeier-Team konnte beobachten, wie Sisi und Nepomuk bereits Knochen in ihren Krallen transportieren. Dieses Verhalten stellt eine wichtige Vorstufe zum später ausgeübten Abwurf von großen Knochen aus deutlicher Höhe auf Felsen dar, durch den zu große Stücke in schnabelgerechte Teile zerbrochen werden können, eine für Bartgeier essenzielle Fähigkeit“, erklärt Ulrich Brendel.

Vögel haben zueinander eine enge Bindung

Außergewöhnlich im Rahmen des europaweiten Auswilderungsprojekts ist die weiterhin enge Bindung der beiden Vögel zueinander. „Sisi und Nepomuk reichen sich gelegentlich gegenseitig Futterstücke, schlafen oder ruhen nahe beieinander und zeigen ab und zu elegante Synchronflüge“, berichtet Toni Wegscheider. Bartgeier sind grundsätzlich Einzelgänger, doch in den ersten Jahren sind Jungvögel tendenziell sozial und bilden gelegentlich für einige Zeit kleine Trupps aus zwei bis drei Vögeln, um sich zum Beispiel gegenseitig bei der Nahrungssuche zu helfen. Alle bisher im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Jungvögel haben ein auffällig friedliches Miteinander entwickelt. Die Bartgeier-Experten führen das auf die recht große Auswilderungsnische zurück, bei der sich die Vögel bei Reibereien recht gut aus dem Weg gehen können.

Weltenbummlerin Dagmar tourt durch Frankreich, Italien und die Schweiz

Die 2022 im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderte Dagmar übersiedelte nach ausgiebiger Inspektion des österreichischen und italienischen Alpenraumes Ende März in die Schweiz, wo sie hauptsächlich im Bereich zwischen Engelberg und Grindelwald sowie den Viertausendern Schreckhorn, Mönch und Jungfrau unterwegs war. „Heranwachsende Bartgeier haben einen großen Wanderdrang und erschließen sich dabei immer wieder neue Nahrungsquellen. Die GPS-Daten von Dagmar zeigen uns regelmäßige, teils streckenreiche Erkundungsflüge mit bis zu 400 Kilometer Leistung pro Tag. Sobald sie einen Kadaver findet, bleibt sie einige Wochen in dessen Gegend“, sagt Toni Wegscheider. Mitte Juni zog es Dagmar nach Süden Richtung Genfer See und schließlich in die französischen Alpen rund um die Gipfel und Täler des Nationalpark La Vanoise. Sie besuchte auch öfter das angrenzende Aostatal auf italienischer Seite. Aktuell ist die reiselustige Bartgeierdame nun wieder in die Schweizer Berge zurückgekehrt.

Bavaria und Dagmar unterwegs im Tennengebirge

Während Dagmar intensiv die Alpenländer erkundet, sind ihre beiden Artgenossinnen Recka und Bavaria vergleichsweise standorttreu und überraschend gesellig. Seit Anfang März bilden die beiden eine „Wohngemeinschaft“ am südwestlichen Rand des österreichischen Tennengebirges nahe des Nationalparks Berchtesgaden. „Die im Vorjahr ausgewilderte Recka durchstreifte bereits im Winter die wildreichen Hänge und Rinnen des Salzachtals, und auch unser ältester Bartgeier Bavaria war immer wieder im Gebiet zwischen Bluntautal, Jenner und dem angrenzendem Tennengebirge unterwegs“, berichtet Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Im Juni verbrachte Recka auch einige Tage im Dachsteingebirge sowie am Wilden Kaiser, doch sie kehrte nach kurzer Zeit ins Tennengebirge und zu Bavaria zurück.

Offizielle Bartgeier-Führungen
Am offiziellen Bartgeier-Infostand im Nationalpark an der Halsalm, der auf einer Wanderroute liegt, können sich alle Gäste täglich von 10 bis 16 Uhr bei den Projektmitarbeitenden erkundigen, wo genau sich Sisi und Nepomuk gerade aufhalten und wo man sie beim Beobachten am wenigsten stört. Sowohl der LBV als auch der Nationalpark Berchtesgaden bieten jeden Dienstag und Donnerstag kostenlose Bartgeier-Führungen an, für die jedoch eine Anmeldung erforderlich ist. Informationen gibt es unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de im Bereich Veranstaltungen sowie unter bartgeier@lbv.de.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Wilde Bartgeier zu Besuch im Nationalpark Berchtesgaden

„Sisi“ und „Nepomuk“ ausgewildert

Berchtesgaden/Hilpoltstein – Bereits zum dritten Mal haben der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden zwei junge, noch nicht flugfähige Bartgeier in einer Felsnische im Klausbachtal erfolgreich ausgewildert. Zuvor erhielten die beiden neuen Bartgeier im Rahmen eines Festakts ihre Namen „Sisi“ und „Nepomuk“.

Das auf zehn Jahre angelegte Projekt soll die zentraleuropäische, alpine Population dieser seltenen Vogelart stärken und mit den Beständen auf dem Balkan und in Kleinasien verbinden. Die Rückkehr des völlig harmlosen Greifvogels in die deutschen Alpen bildet so einen wichtigen geografischen Lückenschluss für die Art. Seit 2021 fliegt der Bartgeier wieder durch die Lüfte der deutschen Alpen, über 140 Jahre nach seiner Ausrottung durch den Menschen.
„Ein weiterer wichtiger Schritt in der Auswilderung des majestätischen Bartgeiers im östlichen Alpenraum ist geschafft. In den kommenden Jahren werden wir diese faszinierenden Vögel zunehmend häufiger in Bayern erleben dürfen“, freut sich der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Die beiden Jungvögel aus dem europäischen Zuchtprogramm stammen erstmals aus Österreich. „Sisi“ ist im Alpenzoo Innsbruck geschlüpft, „Nepomuk“ in der Richard-Faust-Bartgeier-Zuchtstation Haringsee. Er wurde in den vergangenen Wochen vom Bartgeierpaar des Nürnberger Tiergartens adoptiert und großgezogen. Auch der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden Dr. Roland Baier freut sich: „Der Bartgeier steht als Knochenverwerter an letzter Stelle in der Nahrungskette und ist bis heute ein fehlendes Glied im immerwährenden Kreislauf aus Werden und Vergehen im Nationalpark. Mit der Auswilderung des Bartgeiers wird unsere ursprüngliche Artenzusammensetzung wiederhergestellt. Die beiden Jungvögel sind außerdem ein schönes Geschenk zum 45. Nationalparkgeburtstag.“

„Erfolgsprojekt geht in die dritte Runde“

Beim offiziellen Festakt, zu dem auch Bartgeier-Fans aus ganz Deutschland und aus weiten Teilen der Alpenregionen angereist waren, gratulierten im Kreis der geladenen Gäste auch die stellvertretende Landrätin Elisabeth Hagenauer und der Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums Dr. Christian Barth. „Das Erfolgsprojekt geht in die dritte Runde: Zwei weitere Bartgeier werden in Bayern ausgewildert. Der LBV und der Nationalpark Berchtesgaden leisten wertvolle Arbeit für mehr Artenvielfalt in Bayern. Unser gemeinsames Ziel: Die Bartgeier sollen in Bayern wieder heimisch werden. Das Bayerische Umweltministerium unterstützt das Artenschutzprojekt bis Ende 2023 mit rund 610.000 Euro“, sagt Dr. Christian Barth.

Zum ersten Mal Bargeier-Männchen ausgewildert

Zum ersten Mal im Projekt wurde mit „Nepomuk“ ein Bartgeier-Männchen ausgewildert. „An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen für den Artenschutz ist. Zentrale Koordination, Naturschutz vor Ort sowie die Arbeit von Zoologischen Gärten und Zuchtstationen gehen hier Hand in Hand“, sagt die Kuratorin des Tiergartens Nürnberg Diana Koch.

Ankunft der Geier in Berchtesgaden

Nachdem die beiden noch nicht flugfähigen Vögel am Vortag aus Innsbruck und aus dem Tiergarten Nürnberg nach Berchtesgaden gebracht worden waren, wurden sie dann erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Amtschef Dr. Christian Barth übernahm hierbei die feierliche Verkündung der beiden Bartgeiernamen. Das Bartgeiermännchen trägt den Namen „Nepomuk“. Das Radiopublikum vom Bayern 2 hatte über 500 Vorschläge eingereicht, aus denen eine Jury aus Vertretern des Nationalparks Berchtesgaden sowie vom Bayerischen Rundfunk schließlich den Namen für den jungen Geier ausgewählt hat. Der Name „Sisi“ für den Vogel aus Innsbruck wurde von Dagmar Knigge und André Turiaux, zwei großzügigen Spendern des LBV, vergeben, weil der Name die Verbindung zwischen Österreich und Bayern gut zum Ausdruck bringt.
Anschließend trugen Mitarbeitende von Nationalpark und LBV die beiden Junggeier in Tragekisten den Berg zur Auswilderungsnische hinauf. Ab Erreichen des weglosen Geländes in der sogenannten Halsgrube war nur noch ein kleines Team aus Experten, Trägern und Nationalpark-Rangern zugelassen. Der anspruchsvolle Steilhang und die Querung über Felsplatten in die eigentliche Nische hinein waren auf den letzten Metern mit Sicherungsseilen versehen, auch trugen alle Beteiligten wegen der Steinschlaggefahr Helme. „Nach dem geglückten Anstieg haben wir Sisi und Nepomuk in zuvor vorbereitete Nester aus Fichtenzweigen und Schafwolle gesetzt. Anschließend wurden sie noch einmal untersucht und das erste Futter aus Gamsknochen in der Nähe platziert. Danach haben wir uns direkt zurückgezogen, um den beiden Geiern die Eingewöhnung in ihre neue Heimat zu ermöglichen“, erklärt LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

Die 6 mal 20 Meter große eingezäunte Felsnische liegt in etwa 1.300 Metern Höhe. Dort werden die rund 90 Tage alten Bartgeier von nun an ohne menschlichen Kontakt weiter aufwachsen und das Fliegen üben. Wissenschaftler*innen werden die Vögel in den kommenden Wochen rund um die Uhr von einem nahegelegenen Beobachtungsplatz aus durch installierte Infrarotkameras und einem Livestream überwachen. „Die durchgehende Beobachtung ermöglicht uns, Unregelmäßigkeiten sofort zu erkennen. So können wir den beiden Vögeln einen optimalen Schutz bieten“, so Toni Wegscheider. Das Auslegen von Futter ohne direkten menschlichen Kontakt erfolgt je nach Bedarf im Abstand von mehreren Tagen.

Jungfernflug in den nächsten Wochen

Der selbständige erste Ausflug der beiden Vögel dürfte nach ausgiebigen Flugübungen in etwa vier bis fünf Wochen stattfinden. „Dann sind ihre Flügel stark genug, um mit einer Spannweite von bis zu 2,90 Meter ihre rund sechs Kilo Körpergewicht in die Luft zu heben“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Danach werden sie vor ihrem endgültigen Aufbruch zur Erkundung des europäischen Alpenraums noch bis in den Spätsommer in der näheren Umgebung der Felsnische im Nationalpark anzutreffen sein. Dort legt das Team bei Bedarf auch weiterhin Nahrung aus und überwacht die Bartgeier.

Live-Webcam in Felsnische

Interessierte können die Entwicklung und Flugübungen der beiden Bartgeier in den kommenden Wochen und Monaten wie bereits in den Vorjahren im Internet mitverfolgen. Die Geschehnisse in der Auswilderungsnische werden live auf der Webseite des LBV unter www.lbv.de/bartgeier-webcam sowie unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de mit der aktuell weltweit einzigen Bartgeier-Live-Webcam übertragen. Die ersten Flugversuche und der weitere Lebensweg der beiden Vögel können anschließend in den nächsten Monaten und Jahren ebenfalls im Internet mitverfolgt werden. Dank der GPS- Sender auf dem Rücken der Bartgeier werden die zukünftigen Flugrouten der Vögel auf einer Karte unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen dargestellt.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

 

Ammen-Bartgeier wird ausgewildert

Ammen-Bartgeier wird ausgewildert

Nürnberg / Berchtesgaden / Hilpoltstein – Vom Tierpark Nürnberg in die Berchtesgadener Alpen: Ende Mai werden zum dritten Mal zwei junge Bartgeier in Berchtesgaden ausgewildert.

Der ursprünglich hierfür vorgesehene Jungvogel aus der österreichischen Richard-Faust-Bartgeier-Zuchtstation Haringsee kann jedoch nicht in die Felsnische entlassen werden. Sein Federkleid ist für die Auswilderung noch nicht weit genug entwickelt. Doch es gibt gute Nachrichten aus dem Tiergarten Nürnberg: Ein Adoptivküken aus der gleichen österreichischen Zuchtstation hat seit Mitte März Unterschlupf bei dem Bartgeierpaar im Nürnberger Tiergarten gefunden und wird den freigewordenen Platz einnehmen. Ebenfalls in Berchtesgaden ausgewildert wird ein zweiter Bartgeierjungvögel, der aus dem Alpenzoo Innsbruck stammt. Der Tiergarten ist Partner im gemeinsamen Projekt von dem bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden in Zusammenarbeit mit der internationalen Vulture Conservation Foundation (VCF).

Da ein Bartgeierpaar aus der Zuchtstation Haringsee in Österreich sogar zwei Eier erfolgreich ausgebrütet hatte – Bartgeier aber immer nur einen Jungvogel großziehen – wurde das zweite Junge den Nürnberger Bartgeiern, bei denen es in diesem Jahr leider nicht mit der eigenen Brut geklappt hat, Mitte März als Ammenvogel zugewiesen. Im Alter von sechs Tagen übergaben ihn die Pfleger aus Haringsee auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes EEP (EAZA ex-situ Programme) in die Obhut des Nürnberger Tiergartens und seines Bartgeierpaares. Die beiden Vögel haben das Küken gut angenommen und es in der 2016 eröffneten Voliere aufgezogen, die der Tiergarten mit Unterstützung des Vereins der Tiergartenfreunde e.V. gebaut hat.

Küken so groß wie eine Taube

„Als das Küken zu uns kam, wog es gut 240 Gramm und war etwa so groß wie eine Taube“, sagt Tierpfleger und Revierleiter Thorsten Krist. „Beide Altvögel haben sich fürsorglich darum gekümmert: das Männchen hat es gehudert, das heißt gewärmt, und das Weibchen hat es gefüttert.“ Vier Tage später wog es bereits knapp 400 Gramm. „Da wussten wir, dass alles in Ordnung ist“, sagt Krist. Inzwischen wiegt der junge Bartgeier zwischen drei und vier Kilo, vor einer Woche hat er das Nest verlassen und frisst selbstständig.
Wenn eines der Küken – wie im Fall des Adoptivgeiers in Nürnberg – von einem Ammenpaar aufgezogen wird, erhöht sich die Anzahl der Tiere, die für eine Auswilderung in Frage kommen oder innerhalb des europäischen Zuchtprogramms für den Fortbestand dieser Art sorgen können. Außerdem werden die adoptierten Küken von Artgenossen aufgezogen, was sich positiv auf das Verhalten der Tiere auswirkt. „Wir freuen uns sehr, dass trotz naturbedingten Unwägbarkeiten beim Geiernachwuchs in den Zuchtstationen der Auswilderung in Berchtesgaden in diesem Jahr nichts im Wege steht. Das europaweite Bartgeiernetzwerk – besonders mit unserem fränkischen Partner, dem Tiergarten Nürnberg – unterstützt mit seiner professionellen Arbeit die Rückkehr dieser faszinierenden Art“, sagt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.
„Die Nachzucht gefährdeter Tierarten ist ein wichtiges Element des Artenschutzes. Allein in dieser Brutsaison sind bisher über 30 Geierküken in Zoos und Zuchtzentren geschlüpft, das ist ein tolles Ergebnis. Und natürlich freuen wir uns sehr, dass ein junger Geier aus Nürnberg in Kürze im Nationalpark ausgewildert wird“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Baier.

Der Tiergarten Nürnberg hält – mit nur kurzen Unterbrechungen – bereits seit 1965 Bartgeier. „Das Bartgeiermännchen im Tiergarten Nürnberg ist eines der ältesten im EEP“, sagt der stellvertretende Direktor und biologische Leiter des Tiergartens Nürnberg, Jörg Beckmann. „Auch wenn es in diesem Jahr mit dem eigenen Nachwuchs nicht geklappt hat, konnte unser Paar dennoch die überaus wichtige Rolle der Adoptiveltern erfüllen.“
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

 

Österreichische Bartgeier für Bayern

Österreichische Bartgeier für Bayern

Berchtesgaden / Österreich – Große Freude bei dem bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden: Auch 2023 wird es zwei junge Bartgeier aus dem europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerk der Vulture Conservation Foundation (VCF) – diesmal aus dem Nachbarland Österreich – für die Auswilderung der gefährdeten Vogelart in Bayern geben.

„Die vier bereits ausgewilderten Bartgeier der ersten beiden Projektjahre stammten aus Spanien. In diesem Jahr werden wir zwei Jungvögel aus Österreich erhalten, die die Population der majestätischen Art in den Ostalpen langfristig stärken soll“, sagt der LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Zwei kleine Bartgeier wachsen momentan im Alpenzoo Innsbruck sowie in der Richard-Faust-Bartgeier-Zuchtstation Haringsee auf.. Das gemeinsame Projekt-Team aus Bartgeier-Expert*innen wird sie Ende Mai in eine vorbereitete Felsnische im Nationalpark Berchtesgaden setzen, bis sie nach ca. drei bis vier Wochen zu ihren ersten Flügen aufbrechen.

Bartgeier-Küken haben bis jetzt noch keinen Namen

„Die bisher nur unter ihren Zuchtbuchnummern BG1168 und BG1171 bekannten Küken stammen aus zwei für die alpine Bartgeierwiederansiedlung äußerst geschichtsträchtigen Orten“, berichtet LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. BG1168 ist in Haringsee am 23. Februar geschlüpft und BG1171 hat am 26. Februar in Insbruck das Licht der Welt erblickt. Dem Alpenzoo Innsbruck gelang es in den 1970er Jahren weltweit zum ersten Mal Bartgeier in Gefangenschaft erfolgreich zu züchten und legte damit den Grundstein für Auswilderungen.
Die Richard-Faust-Bartgeier-Zuchtstation Haringsee ist eines der wenigen auf Bartgeier spezialisierten Zuchtzentren in Europa. 1986 führten die Greifvogelexpert*innen dort die weltweit erste Bartgeierauswilderung durch. Dr. Àlex Llopis Dell, Leiter des europäischen Bartgeier-Zuchtprogramms sagt: „Eine möglichst große genetische Vielfalt der lokalen Bartgeierpopulationen in den europäischen Freilassungsgebieten ist wichtig, um Inzucht zu vermeiden. Die beiden österreichischen Küken sind eine gute Ergänzung zu den vier aus Spanien stammenden, nah verwandten Jungvögeln, die bisher in Berchtesgaden ausgewildert wurden.“

Jungen Bartgeierpaaren passieren oft Fehler

Über Europa verteilt sind dieses Jahr mehr als 35 Bartgeierküken geschlüpft. Trotz dieses sehr guten Bruterfolgs in den vielen beteiligten Zoos und Zuchtstationen gab es Herausforderungen: Eine ungewöhnliche hohe Zahl von Bartgeierpaaren haben deutlich früher oder später als üblich ihre Eier gelegt. Mehrere Paare, die über viele Jahre erfolgreich brüteten, waren in diesem Jahr zu alt und fielen aus. Jungen Bartgeierpaaren passieren dagegen bei den ersten ein bis zwei Bruten häufig Fehler. Deshalb überwachen die internationalen Bartgeier-Teams diese Brut aufwändig. „Es ist komplex, die Jungvögel in die verschiedenen Auswilderungsgebiete oder zum Verbleib innerhalb des Zuchtprogramms zuzuweisen. Faktoren wie genetische Linie, Schlupfdatum oder Geschlecht spielen hier eine erhebliche Rolle. Der Schlupf der Küken gibt auch den Zeitpunkt der Auswilderung vor. In diesem Jahr werden die beiden Junggeier etwas früher, bereits Ende Mai, in Berchtesgaden ausgewildert“, sagt der Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel.

Das Geschlecht der beiden österreichischen Bartgeierküken ist noch unbekannt. „Ob nach bisher vier weiblichen Bartgeiern in diesem Jahr auch einmal ein Männchen dabei ist, wird sich erst nach Auswertung der Blutproben der Küken zeigen. Äußerliche Merkmale, um Männchen und Weibchen zweifelsfrei zu unterscheiden, gibt es bei dieser Art nicht“, erklärt Ulrich Brendel. Das Geschlecht der ausgewilderten Tiere ist momentan nicht von großer Bedeutung, weil im gesamten Alpenraum einige Dutzend Jungvögel aus natürlichen Bruten der letzten Jahre auf Partnersuche sind. Immer wieder werden solche Wildvögel auch in den bayrischen Bergen gesichtet.

Die bisher in Berchtesgaden freigelassenen Bartgeier finden in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit Anschluss an den wildlebenden Bartgeierbestand, um mit einem Partner ein eigenes Revier zu gründen. „Unsere ausgewilderten Mädels Bavaria, Recka und Dagmar sind sozusagen im Grundschulalter und haben daher noch kein Interesse an Männchen. Ob sie sich in einigen Jahren mit einem zukünftig von uns dazugesetzten Burschen oder einem Wildvogel zusammentun, spielt für den Bestand letztlich keine Rolle“, so Toni Wegscheider.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Copyright Richard-Faus-Bartgeier-Zuchtstation)