Gewässerschutz durch innovatives Grünland- und Maismanagement

Gewässerschutz durch innovatives Grünland- und Maismanagement

Stephanskirchen / Landkreis Rosenheim- Beim Feldtag des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim ging es diesmal um nachhaltigen Gewässerschutz durch innovatives Grünland- und Maismanagement. 

Durchgeführt wurde der Feldtag bei den Betrieben von Johann Hamberger in Stephanskirchen und Josef Linner in Pelham.
Bis 2028 will die bayerische Staatsregierung den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel halbieren. Um die Praxistauglichkeit im Landkreis Rosenheim festzustellen, legt das AELF Rosenheim zusammen mit dem Betrieb Hamberger bereits das dritte Jahr in Folge einen Schauversuch zur Pflanzenschutzmittelreduktion an.

In unterschiedlichen Parzellen wurden unter anderem rein chemische mit rein mechanischen Varianten – hier kam sowohl ein Zinkenstriegel als auch Hackgerät zum Einsatz –sowie deren Kombination auf die Unkrautbekämpfungsleistung verglichen. Trotz der feuchten Witterung und der damit verbundenen Frohwüchsigkeit der Unkräuter konnte in allen Parzellen eine zufriedenstellende Unkrautbekämpfungsleistung erreicht. Auffällig war jedoch eine gewisse Restverunkrautung innerhalb der Maisreihe bei den Parzellen, in denen eine rein mechanische Unkrautbekämpfung stattgefunden hat. Mit dem Hackgerät kann die Unkrautbekämpfung zuverlässig nur zwischen den Maisreihen sichergestellt werden. Das Samenpotenzial wird sich dadurch unweigerlich im Boden erhöhen und in den Folgejahren zu möglicher Konkurrenz bei den Kulturpflanzen führen.
Entscheidend für den Erfolg der mechanischen Varianten ist auch die Verfügbarkeit der Technik (Striegel und Hacke) vor Ort, um bei witterungsbedingt engen Zeitfenstern – es soll nach der Maßnahme ein bis zwei Tage trocken sein, damit die Unkräuter vertrocknen können – den optimalen Zeitpunkt zu erwischen.

Im Vergleich zur chemischen Variante, bei der mit einer Überfahrt eine sichere Bekämpfung der Unkräuter gewährleistet wurde, war bei der mechanischen Variante ein dreimaliges Überfahren der Fläche notwendig. Zusätzlich lockert der Einsatz des Hackgerätes den Boden, was vorteilhaft für die Pflanzenentwicklung aber nachteilig für die Erosionsgefahr bei Starkregen ist. Jeder Betrieb muss für seinen Standort, seine Bodenverhältnisse und seine Fruchtfolge in Abhängigkeit der Witterung eine passende Lösung finden, so Hamberger.

Die Wiesenrispe – ein hervorragendes Gras, aber anspruchsvoll

Auf dem Betrieb Linner wurde ein Grünlanderneuerungsversuch mit dem Ziel der Etablierung von Wiesenrispe vorgestellt. Die Wiesenrispe vereint gleich mehrere Vorteile für Landwirtschaft und Umwelt. Zum einen ist sie ein sehr wertvolles Futtergras. Zum anderen wurzelt Sie sehr tief und kann Sie längere Trockenperioden besser überstehen. Bei Starkregen kann die Wiesenrispe durch ihr sehr starkes Wurzelwerk und die Schaffung einer dichten Grasnarbe eine höhere Wasserinfiltration in der Wiese gewährleisten und damit Bodenerosion verringern.
Wieso ist es dann nicht bereits in den Wiesen im Landkreis verbreitet? Die Wiesenrispe befindet sich tatsächlich in geringen Anteilen – dies ist von der Bewirtschaftung abhängig – im Wirtschaftsgrünland. Die Erhöhung des Anteils gestaltet sich jedoch sehr schwierig, da die Wiesenrispe in der Jugendentwicklung sehr viel empfindlicher ist als das zum Beispiel ebenfalls sehr wertvolle deutsche Weidelgras. In Beständen mit diesem geht es regelrecht unter. Deshalb lässt es sich nahezu nur durch eine Neuansaat der Grünlandnarbe etablieren, und auch nur dann, wenn es etwa 14 Tage vor allen anderen Arten gesät wird bzw. nicht im gleichen Saatschlitz wie die übrigen Gräser liegt. Die Möglichkeiten zur Etablierung hat Josef Linner bei der Führung durch seinen Bestand erläutert. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Wiesenrispe für eine erfolgreiche Etablierung entweder den zeitlichen oder räumlichen Vorsprung braucht. Besonders vielversprechend mit hohen Anteilen an Wiesenrispe präsentierte sich am Feldtag die Parzelle, bei der im Anschluss an die Drillsaat mit einer Wiesenmischung die Wiesenrispe mit dem Grünlandstriegel flächig übergesät wurde. Trotz der Erneuerung im Herbst 2023, konnten bereits zu Beginn der Vegetationsperiode 2024 gute Grünlanderträge und Qualitäten geerntet werden, so Linner.
(Quelle: Pressemitteilung Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim / Beitragsbild: Copyright Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim)

Grünland klimafit machen

Grünland klimafit machen

Rosenheim – Rund 150 Landwirte, Studierende der Landwirtschaftsschule Rosenheim und Interessierte waren zum traditionellen „Rosenheimer Pflanzenbautag“ in den Gasthof Höhensteiger nach Westerndorf-St. Peter gekommen. Hier ein Bericht der Veranstaltung.
 
 
Herr Dr. Georg Kasberger, Behördenleiter des AELF Rosenheim stellte in seinen einleitenden Worten fest, dass es in den letzten Jahren auch im Landkreis Rosenheim, besonders im nördlichen Teil zu längeren Trockenperioden und den damit verbundenen negativen Folgen für die Landbewirtschaftung kam. Veronika Koder (AELF Rosenheim) konnte diese Feststellung mit der Auswertung der Wetterdaten 2024 im Vergleich zum langjährigen Mittel (30-jähriger Durchschnitt) bestätigen. So zeigte sich im Juni letzten Jahres ein großes Defizit an Niederschlag (100 mm) im Vergleich zum langjährigen Mittel. Als Folge kam es zu Trockenstress und Ertragsausfällen im Grünland. Wie zukünftig mit Wetterextremen, insbesondere langanhaltende Trockenheit im eigentlich niederschlagreichen Voralpenland umgegangen werden kann, war Thema des Referenten Andreas Klingler von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Raumberg – Gumpenstein, Steiermark.
 
Strategien für eine zukunftsfähige Grünlandbewirtschaftung
 
Andreas Klingler stellte in seinem Fachvortrag Ergebnisse aus praxisnaher Forschungsarbeit in Österreich und aus den seit 2012 durchgeführten Freiland-Klimaversuchen im Grünland an der höheren Lehr- und Forschungsanstalt vor und übertrug wesentliche Erkenntnisse auf das Rosenheimer Land.
Gerade der Standortfaktor Boden mit einer ausgewogenen Nährstoffversorgung, ein angepasstes Grünlandmanagement, zum Beispiel mit Schnitthöhen von bis zu 8 Zentimetern und Vermeidung von Bodenverdichtung bei organischer Düngung sowie die Sortenwahl der Grünlandmischungen tragen zu einer nachhaltigen Grasnarbe bei, die Stresssituationen, wie Trockenheit, besser verträgt. Bei der Bestandszusammensetzung wies Klingler darauf hin, dass wertvolle Futtergräser und Leguminosen wie dt. Weidelgras oder Weißklee durch ihr flaches Wurzelsystem auf regelmäßige Niederschläge angewiesen sind. Andere Arten wie Knaulgras und Rotklee können durch ihr tiefer ausgebildetes Wurzelsystem besser mit Trockenstress umgehen. Auffällig bei den wissenschaftlichen Ergebnissen sei die hohe Resilienz, das heißt gute Erholungsfähigkeit von dt. Weidelgras und Weißklee, so der Referent. Zwar entstehen bei Trockenheit hohe Ertragsverluste, da diese Arten in einen Ruhemodus schalten würden, erklärte Klinger, bei wiedereinsetzendem Niederschlag trieben diese aber sehr schnell wieder aus. Qualitativ – beim Rohproteingehalt – verschlechtere sich nach den Beobachtungen in Österreich der Aufwuchs nach Trockenstress nicht. Große Bedeutung wies Andreas Klingler einem nachhaltigem Grünlandmanagement im Alpenraum auf den Almen zu, um einer raschen Verbuschung beziehungsweise. Waldentstehung bei steigenden Temperaturen, Wetterextremen und längerer Vegetationsperioden vorzubeugen. Entscheidend für die Region Rosenheim wird nach seinen Worten künftig eine flexible, situativ angepasste Nutzung des Dauergrünlands bei zunehmenden Wetterextremen werden.
 
Wiesenrispe erfolgreich im Grünland etablieren
 
Johannes Überacker (AELF Rosenheim) präsentierte erste Ergebnisse zum Praxisversuch der Grünlanderneuerung mit dem Ziel die Wiesenrispe zu etablieren. Im Vergleich zum dt. Weidelgras ist die Wiesenrispe wesentlich unempfindlicher gegenüber Trockenheit bei gleichzeitig hoher Schnittverträglichkeit. Allerdings ist es eine Herausforderung diese im bestehenden Grünlandbestand aufgrund der langsamen Jugendentwicklung zu etablieren. Die ersten Versuchsergebnisse deuten auf eine Wahl des Saattermins im Herbst, aufgrund der geringeren Konkurrenz der Altnarbe hin. Bereits die Taufeuchte im Herbst 2023 reichte aus, um die Qualitätsmischungen zu etablieren.
Aktuelle Informationen zum Maisanbau und Pflanzenschutz lieferte Mathias Mittereiter vom AELF Rosenheim. Zunächst wurden für die Region empfohlene Maissorten vorgestellt. Der Wegfall von Herbiziden Wirkstoffgruppen unter anderem im Mais und Getreide, veränderte rechtliche Anwendungsauflagen und verlange von den Rosenheimer Landwirten Anpassungen.
 
Wie funktioniert pflugloser Maisanbau im Landkreis Rosenheim?
 
Johannes Überacker stellte in einem weiteren Beitrag die Erfahrungen aus den Praxisversuchen von Landwirten zum gewässerschonenden Maisanbau vor, die in enger Zusammenarbeit mit dem AELF Rosenheim erfolgten. Für erosionsgefährdete Ackerflächen wie z.B. KWasser2 Feldstücke erörterte er mögliche Lösungsansätze: Engsaat des Maises, Hangteilung quer des Feldstückes sowie Mulchsaat des Maises in die Zwischenfrucht. Josef Linner, Demonstrationsbetrieb für Gewässerschutz des AELF Rosenheim stellte seine Praxiserfahrungen aus den langjährigen Versuchen zum pfluglosen Maisanbau ergänzend vor. Gegenüber der gepflügten Parzelle wiesen, die mittels Grubber bzw. Fräse bearbeiten Parzellen eine verbesserte Wasserinfiltration und somit geringere Erosion bei einem möglichen Starkregenereignis auf. Entscheidend bei der Saatbettvorbereitung von Mais seien die Witterungsbedingungen, um die Zwischenfrucht bzw. Altverunkrautung zu bearbeiten. Der Betrieb Linner setzt hierzu auf mehrmalige Bodenbearbeitungsschritte und auf eine anschließende Saat mit Kreiselegge. Eine weitere Möglichkeit Erosion im Maisacker zu verringern, ist die Einsaat einer Untersaat. Dies lässt sich in der Praxis auch beim mechanischen Hacken durchführen. Nach den Vorträgen und dem Dank an die Referenten und die Praxisbetriebe Linner (Pelham), Fischer (Alteiselfing), Hamberger (Stephanskirchen), des AELF Rosenheim konnten die Besucher beim Mittagessen den informativen Vormittag ausklingen lassen.
(Quelle: Pressemitteilung AELF / Beitragsbild: von Links Anna Bruckmeier (Bereichsleiterin Landwirtschaft, AELF Rosenheim), Mathias Mitterreiter (AELF Rosenheim), Andreas Klingler (HBLFA Raumberg- Gumpenstein), Josef Grandl (Vorsitzender des vlf Rosenheimer Land), Dr. Georg Kasberger (Behördenleiter AELF Rosenheim), sowie Veronika Koder und Johannes Überacker vom AELF Rosenheim. Copyright AELF)
Rosenheimer Pflanzenbautag 2024

Rosenheimer Pflanzenbautag 2024

Rosenheim / Landkreis Rosenheim – Am morgigen Donnerstag (8.2.2024) veranstaltet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Rosenheimer Pflanzenbautat 2024 im Gasthof Höhensteiger in Westerndorf St. Peter von 9 bis 12.30 Uhr.  Dabei geht es diesmal darum, wie man Trockenperioden begegnen kann. Der Eintritt ist frei und richtet sich vor allem an Landwirte.

In den vergangenen Jahren haben die Grünlandbestände auch im Landkreis Rosenheim unter den teilweise länger anhaltenden Trockenperioden stark gelitten. Nicht nur schwindende Erträge, sondern auch das Ausbleiben wertvoller Futtergrößer stellen die Milchviehfütterung damit vor zunehmende Herausforderungen. Wie man künftig auf ein sich verändertes Klima auch im Grünland reagieren kann, soll am Pflanzenbautag diskutiert werden. 
Beginn ist um 9 Uhr. Dr. Georg Kasberger, Behördenleiter am AELF Rosenheim führt in das Thema ein. Danach hält Andreas Klinger von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein einen Vortrag zum Thema „Zukunftsfähiges Grünland“. Anschließend gibt es Raum zur Diskussion. Und nach einer Pause geht es weiter mit Informationen zum Mausanbau und Pflanzenschut von Mathias Mitterreiter vom AELF Rosenheim. Johannes Überacker vom AELF berichtet dann zum Abschluss über Erfahrungen aus den Praxisversuchen 2023. 
(Quelle: Pressemitteilung AELF / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Besuch in der Gärtnerei der Stiftung Attl: Leben zum Blühen bringen

Besuch in der Gärtnerei der Stiftung Attl: Leben zum Blühen bringen

Attel / Landkreis Rosenheim – Auch im Winter herrscht reger Betrieb in der Gärtnerei in Attel (Landkreis Rosenheim). Es wird Feldsalat geerntet, Rosenkohl vom Strunk entfernt und Knoblauch geputzt und gewaschen. Dr. Georg Kasberger und Dr. Anja Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim besuchen die Gärtnermeister Andreas Rauch und Rainer Steidle, um einen Einblick in die Produktionsabläufe und das Angebot an Wintergemüse zu erhalten.

Denn auch in den Wintermonaten steht eine große Auswahl verschiedener Gemüsearten mit einem hohen Nähr- und Gesundheitswert zur Verfügung. Neben lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen enthalten typische Wintergemüsearten wie Rucola, Endiviensalat oder Rosenkohl beispielsweise auch Bitterstoffe, die gut für Verdauung, Stoffwechsel und Kreislauf sind. Die Attler Gärtnerei lagert im Winter 20-25 t Gemüse ein. Bei einem Blick in die gekühlten Lagerräume können sich die Besucher von der Vielfalt überzeugen. Hier werden Sellerie, Weiß-, Spitz- und Blaukraut, Wirsing, Zuckerhut, Kohlrabi, Pastinaken, schwarzer Rettich, Karotten und rote Rüben in den Varianten rot, gelb und geringelt aufbewahrt. In den Gewächshäusern stehen frischer Feldsalat, Portulak, Rucola und verschiedene Asiasalate auf den Beeten. Gerade die Asiasalate bieten im Winter eine gute Alternative oder Ergänzung zu anderen Salaten, da sie nicht kälteempfindlich sind und einen würzigen Geschmack haben.

Motto in zweierlei Hinsicht zu verstehen

„Wir verstehen unser Motto „Leben zum Blühen bringen“ in zweierlei Hinsicht“, erklärt der Abteilungsleiter Andreas Rauch: „Zum einen pflegen wir unsere Pflanzen, damit sie optimal gedeihen. Zum anderen geht es uns aber auch darum, dass wir die Menschen mit Assistenzbedarf so behandeln, dass sie sich ihren Bedürfnissen entsprechend entfalten können.“ Etwa 50 Betreute der Stiftung Attl arbeiten in der Gärtnerei mit. Für die zahlreichen Helfer bedarf es viel händischer Arbeiten, so dass die Gärtnermeister die rund 9 ha große Fläche der Gärtnerei sehr schonend bewirtschaften können. Es kommt dabei wenig Technik zum Einsatz, was beispielsweise auch einen späteren Erntezeitpunkt ermöglicht. Dadurch steigt wiederum der Nährstoffgehalt im Gemüse und auch die Haltbarkeit verlängert sich. Bodenschonung und Pflanzenstärkung durch händische Unkrautbekämpfung und den Einsatz von Mineralien und pflanzlichen Extrakten führen zu widerstandsfähigen Pflanzen mit geringem Düngebedarf. Vom Ergebnis dieses ganzheitlichen Ansatzes profitieren die Kunden der Verkaufsstelle der Gärtnerei, dem Attler Markt. Hier können sie auch im Winter eine Vielfalt an regionalem und saisonalem Gemüse aus Eigenanbau erwerben und somit zu einem nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln beitragen.

Unterstützung der Direktvermarktung

Das AELF Rosenheim unterstützt Direktvermarkter von Gemüse und anderer landwirtschaftlicher Produkte durch Beratung und Qualifizierungsmaßnahmen. Ansprechpartnerin ist Dr. Juliana Freiin von Berlepsch unter Telefon 08031/3004-1203.
(Quelle: Pressemitteilung AELF/ Beitragsbild: AELF, zeigt:Dr. Georg Kasberger (AELF Rosenheim), Andreas Rauch, Rainer Steidle (beide Attler Gärtnerei) und Dr. Anja Mayr (AELF Rosenheim) bei der Besichtigung der Wintersalate im Gewächshaus der Attler Gärtnerei)

Urlaub auf dem Bauernhof – auch im Winter

Urlaub auf dem Bauernhof – auch im Winter

Bernau / Landkreis Rosenheim – Auf dem Schleipfnerhof in Bernau (Landkreis Rosenheim) ist es im Winter eher ruhig. Dr. Anja Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim nutzt diese Zeit, um sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der „Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein e.V.“ Donat Fischer und seiner Frau über die vergangene Saison und die Auslastung in der kalten Jahreszeit auszutauschen.

Dr. Anja Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der „Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein e.V.“ Donat Fischer und seiner Frau Martina Fischer auf dem Schleipfnerhof in Bernau. Foto: AELF

Dr. Anja Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der „Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein e.V.“ Donat Fischer und seiner Frau Martina Fischer auf dem Schleipfnerhof in Bernau. Foto: AELF

Das Ehepaar Fischer hat einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb und betreibt außerdem Ferienwohnungen mit 5-Sterne-Klassifizierung. Mit dem zweiten Standbein im Tourismus ist der Schleipfnerhof keine Ausnahme: Von den rund 3000 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Rosenheim haben knapp 200 Betriebe Ferienwohnungen oder Gästezimmer.

Im Winter mehr vom Stallbetrieb erleben

Der Hof liegt idyllisch inmitten von Wiesen und Wald mit einem traumhaften Blick auf den Chiemsee. Was im Sommer sehr gut angenommen wird, ist im Winter weniger nachgefragt. Die Ferienwohnungen sind zwar zwischen Weihnachten und Neujahr belegt, aber bis zu den Faschingsferien hat der Betrieb wenig Buchungen. „Dabei könnte man bei uns ganz bewusst auch einfach Zeit mit der Familie verbringen und die Ruhe genießen“ betont Martina Fischer. Außerdem könnten die Gäste im Winter mehr vom Stallbetrieb mitbekommen, da die Tiere im Gegensatz zum Sommer nicht auf der Weide sind. Das Betriebsleiterpaar möchte auch den Winter am Chiemsee für Urlauber attraktiv machen. Um die vielen ganzjährigen Angebote in der Region besser zu vermarkten, möchten die Fischers die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Tourismusverband und anderen Anbietern weiter ausbauen. Auch die direkte Ansprache der Zielgruppe soll intensiviert werden.

Qualifizierungen für landwirtschaftliche Unternehmer

Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der Urlaub auf dem Land durchaus gefragt ist, weil die Menschen die Ursprünglichkeit, die ländliche Lebensweise mit ihren Brauchtümern und Traditionen sowie den Einblick in die landwirtschaftliche Produktion schätzen. Ein wohldurchdachtes Konzept ist dennoch nötig, um den Betriebszweig erfolgreich zu machen. „Das ist nichts, in das man einfach so reinschlüpfen kann. Man muss schon seine eigenen Ideen entwickeln, die zu einem passen.“ sagt Donat Fischer. Die Ferienwohnungen auf dem Schleipfnerhof wurden vorab gut geplant und durchgerechnet. Unterstützung bekamen die Fischers dabei vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim. Bei Beratungen und Seminaren erhielten sie Informationen zum notwendigen Bedarf an Arbeitskräften, außerdem bekamen sie Anregungen zur Einrichtung und Ausstattung der Wohnungen, zur Preiskalkulation, zum Marketing oder zu möglichen Zusatzangeboten. Auch die Mitgliedschaft bei der Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein hält Donat Fischer für sehr hilfreich. Sie bietet den Betrieben eine weitere Vermarktungsplattform und unterstützt die Mitglieder mit Schulungen und wichtigen Informationen.
Der Tourismus in der Region ist für bäuerliche Betriebe auch in Zukunft ein wichtiges Einkommensstandbein. Zusätzliche, regelmäßige Fortbildungen und die Nutzung des Beratungsangebotes des AELF bringen das notwendige Handwerkszeug, um den Urlaub auf dem Bauernhof fit für die Zukunft zu machen.
Nähere Auskünfte zu Qualifizierungsmaßnahmen für den Aufbau oder die Weiterentwicklung des Betriebszweiges erteilt das AELF Rosenheim. Ansprechpartnerin ist Dr. Anja Mayr, Telefon: 08031/3004-1210.
(Quelle: Pressemitteilung AELF / Beitragsbild: Symbolfoto re / Foto: AELF, zeigt: Dr. Anja Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der „Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein e.V.“ Donat Fischer und seiner Frau Martina Fischer auf dem Schleipfnerhof in Bernau)

Rosenheimer Milchviehtag zog viele Interessierte an

Rosenheimer Milchviehtag zog viele Interessierte an

Rosenheim – Zahlreiche Landwirte und Hofnachfolger folgten der Einladung des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung Rosenheimer Land (vlf) und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim (AELF) zum Milchviehtag im Gasthof Höhensteiger in Westerndorf-St. Peter (Rosenheim). Sepp Grandl, Vorsitzender des vlf Rosenheimer Land, freute sich über den vollbesetzten Saal. Er sieht den Rosenheimer Milchviehtag als gute Möglichkeit, sich für die künftigen Herausforderungen Denkanstöße zu holen und sich über Neues auszutauschen.

Im ersten Vortrag ging Georg Baumann, Fütterungsberater vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung (LKV) auf die Besonderheiten im Jahr 2023 ein, hochwertiges Grundfutter trotz schwieriger Witterungsverhältnisse zu gewinnen. Das nasskalte Frühjahr bescherte den Landwirten einen heiklen Erntebeginn. In den kurzen Zeitfenstern, in denen ein erster Schnitt im Grünland möglich gewesen wäre, war häufig die Befahrbarkeit der Böden nicht gegeben. Aufgrund der Nässe konnte die Silage nicht ausreichend anwelken. Dies hat schlechte Verdichtungsmöglichkeiten und Probleme bei der Gärung zur Folge. Um dennoch hohe Qualitäten und schmackhafte Silagen erzeugen zu können, sei die Verwendung von Siliermitteln dringend notwendig. Gute Silagequalitäten tragen dazu bei, den Einsatz von Kraftfutter zu reduzieren, Kosten zu senken, eine wiederkäuergerechte Fütterung zu ermöglichen und damit die Gesundheit der Tiere zu gewährleisten.

30 Prozent Ernteverluste bei der Maisernte

Herausforderungen brachten auch Sturm und Hagel in der Region mit sich. Die Landwirte mussten teils 30 Prozent Ernteverluste bei der Maisernte in Kauf nehmen. Die Hitzewelle im August und September war nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Tiere eine Belastung. Um besser durch heiße Zeiten zu kommen, betonte Baumann die Wichtigkeit von Ventilatoren in Ställen und von Unterständen für Weidetiere. Abschließend wies er auf die notwendige Parasitenbekämpfung insbesondere bei Weide- und Almtieren hin, um den Rindern eine optimale Gesundheit zu ermöglichen.
Im zweiten Vortrag des Tages behandelte Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbandes der Milcherzeuger Bayern e. V., das Thema „Die Zukunft der Milchwirtschaft in unserer Grünlandregion“. Der Blick in den Milchmarkts sei häufig wie ein „Blick in die Kristallkugel“. Daher ist es ihm ein Anliegen, immer vorsichtig und realistisch zu bleiben. Handel und Verbraucher würden vermehrt auf Tierwohl und Nachhaltigkeit achten, das Verhalten der Kunden wird dabei aber auch durch den Preis gesteuert. Dr. Seufferlein wies darauf hin, dass die Milchanlieferung in Deutschland seit einigen Jahren um etwa 0,8 – 1% jährlich abnehme. Auch die Nachfrage nach Biomilch durch die Verbraucher sei zurückgegangen, was eine verringerte Preisspanne zwischen biologisch und konventionell erzeugter Milch zur Folge hatte. Der Bio-Markt ist laut Seufferlein aber weiterhin nur schwer einschätzbar. Neben dem Verbrauchertrend zu pflanzlichen Ersatzprodukten statt Frischmilch wirkt sich auch die Diskussion um Klima und Tierhaltung auf den Milchmarkt aus. Das angekündigte Verbot der Anbindehaltung ist ein „heißes Thema“ in der Milchviehhaltung. In Bayern wären hier rund 13. 000 kleinere Betriebe betroffen. Eine Lösungsmöglichkeit, um in solchen Betrieben eine tierwohlgerechtere Haltung zu schaffen, könnte hier die sogenannte Kombi-Haltung sein, welche den Rindern mindestens 120 Tage pro Jahr Auslauf in Form von Weide, Laufhof und /oder Buchten bietet. Die konkreten Regelungen sind in der politischen Diskussion bei der Neugestaltung des Tierschutzgesetzes. Von Seiten des Lebensmitteleinzelhandels besteht hier großer Druck auf die Politik. Dr. Seufferlein gab daher für Betriebe, die weitermachen wollen, die klare Empfehlung zum Laufstall.

Als letzter Referent berichtete Landwirt August Spötzl in seinem Vortrag „Mein Stallbau: vom Projekt zur Realisation“ von den Herausforderungen, denen er während der Planung und Umsetzung seines Laufstalls gegenüberstand. Er startete mit der provokanten Frage „Sind unsere Ställe zu billig?“. Damit wollte er darauf hinweisen, dass bei der Planung eines Laufstalls oft wichtige Details übersehen werden. Nach seiner Meinung gehe es immer um die Kernfragen „Wie geht es der Kuh?“ und „Wie geht es dem Bauern?“ mit dem neuen Stall.
(Quelle: Pressemitteilung AELF / Beitragsbild: AELF, zeigt von links:  Anna Bruckmeier (Bereichsleiterin Landwirtschaft im AELF), Dr. Hans-Jürgen Seufferlein (Geschäftsführer des Verbandes der Milcherzeuger Bayern e. V.), Gusti Spötzl (Landwirt), Dr. Georg Kasberger (Behördenleiter AELF), Sepp Grandl (VLF-Vorsitzender), Georg Baumann (Fütterungsberater LKV), Monika Schaecke (Sachgebietsleiterin Landwirtschaft AELF und Moderatorin der Veranstaltung)