Fotos für innpuls.me

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Wasserburg – Renè Alexander Prodell ist 27 Jahre alt und lebt in Wasserburg in der Stiftung Attl in einer Wohngruppe. Der junge Mann ist Autist, was ihn aber nicht davon abhält, sich journalistisch und fotografisch zu engagieren. Vor vielen Jahren hat er seine Leidenschaft für diese Tätigkeit entdeckt. Ab jetzt unterstützt er innpuls.me immer wieder mit fotografischen Beiträgen. Bereits von ihm erschienen ist heute die schöne Aufnahme des Eichkätzchens auf dem Futterhäuschen in unserer Rubrik „Tierisch Gut“.
Wir freuen uns auf Deine Beiträge.
(Beitragsbild: Tonweber Digiart Photography)

Fühlen ohne Filter

Fühlen ohne Filter

Rosenheim / Mecklenburg-Vorpommern„Stell Dich nicht so an. Du musst Dir einfach ein dickeres Fell zulegen“. Leicht gesagt für Menschen, die ihre Umwelt sehr viel intensiver wahrnehmen und Eindrücke anders verarbeiten. 15 bis 20 Prozent der Menschen gelten als hochsensibel. Längst nicht alle wissen davon. Sie sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen quasi ohne Filter und nehmen auch die Launen und Stimmungen ihrer Mitmenschen auf. Weil sie Reize anders verarbeiten, brauchen sie auch mehr Ruhe. Tom aus Mecklenburg-Vorpommern ist so ein Mensch. Im Interview mit Innpuls.me spricht er darüber, wann er bemerkt hat, dass er hochsensibel ist und wie es ihm damit geht.

 

Frage: Tom, wenn jemand zu Dir sagt, Du wärst ein „Sensibelchen“, was löst das in Dir aus?
Antwort:
Früher war ich deshalb beleidigt. Aber heute löst es nichts mehr in mir aus.

 

Frage: Wie macht sich Hochsensibilität bei einem Menschen überhaupt bemerkbar?
Antwort: Eine Frage, die man sehr ausführlich beantworten müsste. Das würde den Rahmen eines Interviews sprengen. Grob könnte man für das erste Verständnis sagen, dass man eine gewisse Überempfindlichkeit bei den Sinneswahrnehmungen und Gefühlen hat.

 

Frage: Wann hast Du bemekrt, dass Du hochsensibel bist?
Antwort:
Bemerkt in gewisserweise schon von Kindesbeinen an. Nur hatte das anders sein als Andere da noch keinen Namen. Den bekam ich durch Zufall erst, als ich im Internet auf das Thema aufmerksam wurde. Da war ich ungefähr 30 Jahre alt.

 

Frage: Definierst Du Hochsensibilität als Krankheit?
Antwort:
Nein, definitiv nicht. Auch wenn es Ähnlichkeiten mit dem Asperger Syndrom gibt.

 

Frage: Wenn Du deinen Mitmenschen erzählst, dass Du hochsensibel bist, wie reagieren sie im Allgemeinen darauf?
Antwort:
Die meisten haben noch nie etwas davon gehört. Sie sind mir gegenüber sehr aufgeschlossen und wollen meist mehr darüber erfahren.

 

Frage: Du bist auch blind. Von Geburt an?
Antwort:
Nein, ich bin erst mit Mitte 30 an Retinitis Pigmentosa erblindet.

 

Frage: Blind und hochsensibel. Gute oder schlechte Kombi?
Antwort:
Für mich eine wunderbare Kombi. Die Hochsensibilität gleicht quasi manche Defizite aus, die durch die Blindheit entstehen.

 

Frage: Wie sieht Dein Alltag aus?
Antwort:
Wie die jedes Anderen auch.

 

Frage: Wie nimmst Du Deine Mitmenschen wahr?
Antwort:
Über die verbliebenen Sinne, den Verstand und emotionale Schwingungen, die ich empfange.

 

Frage: Was tust Du, wenn Du merkst, dass es jemanden nicht gut geht?
Antwort:
Entweder ich spreche ihn direkt darauf an oder eher durch die Blume. Ich versuche dann, meine Hilfe anzubieten, insofern es möglich ist und man es zulässt.

 

Frage: Wie verarbeitest Du die vielen Eindrücke, die auf Dich einprasseln?
Antwort:
In dem ich am Ende des Tages die Erlebnissse und Gefühle noch eine ganze Weile nachklingen lasse, um sie nicht mit in den Schlaf zu nehmen.

 

Frage: Du bist auf der Social-Media-Plattform Twitter sehr aktiv. Was gefällt Dir daran?
Antwort.
Twitter ist für mich eine Art Tagebuch, indem ich Fragmente meiner Gedanken hinterlasse.

 

Frage: Aber auch auf Twitter sind unglückliche Menschen unterwegs, oder?
Antwort:
Ja, wesentlich mehr als Glückliche. Es ist eine Vielfalt an verschiedenen Menschen mit den verschiedensten Lebensgeschichten und Problemen.

 

Frage: Haderst Du manchmal mit Deinem Schicksal?
Antwort:
Früher sehr oft. Heute, wenn überhaupt, dann mal fünf Minuten alle paar Monate in bestimmten Situationen.

 

Frage:  Was wünscht Du Dir von deinen Mitmenschen?
Antwort:
Sehr viel mehr Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt.

 

Frage: Was wünscht Du Dir für Dich selbst?
Antwort: Gesundheit und dass ich noch vielen Menschen helfen darf und kann.
(Quelle: Interview Karin Wunsam / Beitragsfoto: re)

Einen informativen und einfühlsamen Infoblock zum Thema von einem Betroffenen findet Ihr hier:

Auszeit: Kraft tanken im hohen Norden

Auszeit: Kraft tanken im hohen Norden

Rosenheim / NorwegenDie Rosenheimer Seelsorgerin und Autorin Hannelore Maurer betreut Menschen in den schwersten Stunden ihres Lebens – als Notfallseelsorgerin und Trauerbegleiterin. In diesem Sommer nahm sie sich in Norwegen eine Auszeit von ihrer zum Teil sehr belastenden Arbeit, um Kraft zu tanken. Nun teilt sie ihre Impressionen und Gedanken mit Euch.

Das Arctic Circle Centre (Polarkreiszentrum). Fotos: Hannelore Maurer

Wie es ist, tagtäglich mit Tod, Leid, Krankheit und Sorgen konfrontiert zu werden, kann man sich nur schwer vorstellen. Aber die Rosenheimer Seelsorgerin und Autorin Hannelore Maurer hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menchen in ihren schwersten Stunden beizustehen.
Wichtig ist es für Seelsorger, sich immer wieder einmal bewusst eine Auszeit zu nehmen, um wieder zu sich selbst zu finden. „Ich persönlich brauche dann immer viel Stille, in der die Seele wieder nachkommen kann und in der ich noch manche Erlebnisse aus Trauerbegleitung und Notfallseelsorge aufarbeiten kann“, erzählt Hannelore Maurer. Für sie sei „Stille“ auch der Ort, an dem ihr Gott ganz besonders nah sei: „Im Grunde unseres Herzens ist er ja schon da und wartet darauf von uns gefunden zu werden.“

Regenbogen im hohen Norden.

Seit langer Zeit ist die Rosenheimerin großer Norwegen-Fan: „Ich liebe die manchmal rauhe, menschenleere Landschaft mit den Fjorden, den Bergen und Seen.“
Die Reise zum Norkap mit insgesamt 8500 Kilometern hin und zurück, Fahrt durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, war aber ihr ganz großer Traum, der in diesem Sommer nun endlich zum Ziel führte.

Pilgerweg von
Oslo nach Trondheim

Am kühlen Polarkreis war sie auf dem Königsweg unterwegs, dem alten Pilgerweg von Oslo nach Trondheim. Besonders beeindruckt habe sie die Klosterruine von Munkeby, in dem die Zisterzienster im 13. Jahrhundert versucht haben, den Wikingern den Glauben zu verkünden.

Steinfiguren am Polarkreis.

Zum Foto mit den Steinfiguren am Polarkreis schreibt Hannelore Maurer:

An der Stelle, an der man in Norwegen den Polarkreis überschreitet, steht das arctic circle center. Es ist eine Tradition, dass Reisende, die diese Grenze erreichen, dort kleine Steinfiguren aufrichten. Davon hatte ich vorher bereit gehört. Als ich aber dort ankomme, übertrifft das, was sich vor mir auftut, alle Erwartungen: Kleine Steinfiguren soweit das Auge reicht! So etwas habe ich noch nie zuvor irgendwo gesehen. Still und auch innerlich berührt stehe ich davor und baue an einem der kleinen Türme weiter. So habe auch ich meine „Spuren“ an diesem Ort hinterlassen. Die Tradition der Steinfiguren stammt von den Samen, den Einwohnern der Region Lappland, die damit in den menschenleeren Gegend als Nomaden ihre Wege markiert und damit Wegweiser füreinander angelegt haben. Ich muss an meine Arbeit zuhause denken. In der Seelsorge kommen viele Menschen zum Gespräch, die ihren Weg nicht mehr finden und ich hoffe, dass ich dann im neuen Arbeitsjahr wieder ein guter Wegbegleiter sein kann. Der eigentliche Wegweiser ist Gott selber, der mir immer wieder seine Spuren zeigt…“

Für unsere kleinen Leser hier Wissenswertes über Norwegen kindgerecht erkärt: