Diese Pflanze wächst fast nur am südlichen Chiemseeufer

Diese Pflanze wächst fast nur am südlichen Chiemseeufer

Prien / Landkreis Rosenheim – Seltene Pflanze: „Der Östliche Teufelsabbiss wächst deutschlandweit fast nur am südlichen Chiemseeufer. Ein Artenhilfsprogramm soll das vom Aussterben bedrohte Gewächs schützen. 

Ortstermin südlich von Prien: Botaniker verschiedener Behörden und Institutionen haben sich auf Einladung von Dr. Fridtjof Gilck vom Bayerischen Artenschutzzentrum (BayAZ) im Landesamt für Umwelt (LfU) getroffen. Der Grund ist eine vom Aussterben bedrohte blassblaue Blume.
„In Franken gibt es einzelne kleine Vorkommen, doch ansonsten wächst Succisella inflexa, der Östliche Teufelsabbiss, nur am südlichen Chiemseeufer. Die Bestände hier gelten als westlichstes natürliches Vorkommen dieser ansonsten in Ost- und Südosteuropa lebenden Art“, erklärt Gilck, der am BayAZ für botanische Artenhilfsprogramme zuständig ist.

Blütenfarbe heller, Blütenkopf kugeliger

Vom häufigeren Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) unterscheidet sich die seltene Pflanze durch ihre hellere Blütenfarbe und den kugeligen Blütenkopf. Wer sichergehen will, muss jedoch den Blütenkopf genauer unter die Lupe nehmen: „Der Gewöhnliche Teufelsabbiss hat an den Kelchen schwarze Borsten, der Östliche Teufelsabbiss hat dies nicht“, sagt Christian Niederbichler, der 2023 und 2024 die Flächen am Chiemsee kartiert hat. Seine ersten Ergebnisse lassen hoffen, dass es noch nicht zu spät ist und die Art mit den richtigen Maßnahmen in Bayern und damit auch in Deutschland vor dem Aussterben gerettet werden kann.

Wie lassen sich Bestände des Östlichen Teufelsabbisses erhalten?

Wie aber lassen sich die Bestände des Östlichen Teufelsabbisses erhalten, beziehungsweise sogar vergrößern? Das ist die zentrale Frage des Artenhilfsprogramms. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang vor allem der optimale Mähzeitpunkt von nassen Streuwiesen, deren Mahdgut früher als Einstreu für Vieh im Herbst und Winter genutzt wurde. Darüber tauschten sich beim Ortstermin Experten von LfU, der Regierung von Oberbayern, der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, den unteren Naturschutzbehörden Rosenheim und Traunstein, der Gebietsbetreuung und der regionalen Landschaftspflegeverbände aus. Aufbauend auf den frischen Kartierdaten soll die Pflege vor Ort neu organisiert werden und weitere Maßnahmen zum Schutz und zur Unterstützung der Art ergriffen werden.

Der Östliche Teufelsabbiss braucht vor allem für den Nachwuchs offene und lichte Stellen. Ohne regelmäßige Mahd verschilfen und verbuschen Streuwiesen schnell und gehen damit als artenreicher und wertvoller Lebensraum verloren. Der eher spät blühende Östliche Teufelsabbiss braucht jedoch Zeit, um Samen zu bilden und sich vermehren zu können. Das macht die Festlegung eines passenden Mahdtermins schwierig. Christian Niederbichler erinnert sich an alte Landnutzungspraktiken, nach denen Streuwiesen am Chiemsee früher vereinzelt auch im Frühsommer gemäht wurden. Dies könnte in Ausnahmefällen zur Zurückdrängung des Schilfs eine geeignete Maßnahme sein, sofern die frühe Mahd nicht in Konflikt mit anderen hochgefährdeten Arten wie beispielsweise Wiesenbrütern steht.

Auch der förderrechtliche Rahmen spielt eine Rolle: Einige Flächen werden über das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) gefördert. Biodiversisätsberaterin Bettina Gschlößl vom Landratsamt Traunstein und ihre Rosenheimer Kollegen besprechen mit Landwirten und Bewirtschaftern geeignete Mahdtermine und passende Förderprogramme. „Kommendes Jahr stehen für einige der Flächen neue VNP-Verträge an“, berichtet Gschößl. Dann werden auch neue Mahdtermine diskutiert und die Weichen gestellt, damit diese spezielle blassblaue Blume weiterhin am Chiemsee eine Heimat hat.
(Quelle: Pressemitteilung Bayerisches Landesamt für Umwelt / Beitragsbild:  Dr. Fridtijof Gilck/LfU)

Die Zeit des Weihnachtskaktus

Die Zeit des Weihnachtskaktus

Rosenheim / Bayern / Deutschland – Jetzt ist wieder die Zeit des Weihnachtskaktus. Pünktlich zum Fest begeistert das ansonsten eher unscheinbare Gewächs mit großer Blütenpracht.

Die Geschichte des Weihnachtskaktus (Schlumbergera) als Zimmerpflanze beginnt im Jahr 1850. Damals gelang es einem englischen Gärtner zwei bis dahin noch kaum bekannte Kakteenarten zu kreuzen. Das eigentliche Zuhause der Schlumbergera sind die tropischen und subtropischen Wälder im Südosten Brasiliens. Dort ist sie aber mittlerweile nahezu ausgestorben.
Kaum eine andere Pflanze passt so gut zum Gedanken der Nachhaltigkeit. Denn anders als Christbaum oder Weihnachtsstern wandert die Schlumbergera nicht gleich nach dem Fest auf den Kompost. Ganz im Gegenteil – in vielen Familien wird er von Generation zu Generation weitervererbt oder weitergereicht, nicht selten auch in Form eines kleinen Stecklings.

Direkte Sonneneinstrahlung und 
Staunässe mag der Weihnachtskaktus nicht

Seine prächtigen Blüten pünktlich zum Weihnachtsfest zeigt der Weihnachtskaktus aber nur, wenn er die richtige Pflege bekommt. Er mag keine direkte Sonneinstrahlung und auch keine Staunässe. Keinesfalls darf man ihn direkt über die Heizung stellen.
Wichtig ist eine jährliche Ruhephase. Damit der Kaktus genau an Weihnachten blüht, sollte man schon ab September weniger gießen und dann für etwa sechs Wochen auf eine kühle Umgebungstemperatur bei rund 17 bis 20 Grad achten.
Sobald die ersten Knospen sprießen, kann man der Pflanze wieder langsam mehr Wasser geben. Nach der Blüte soll die Pflanze für etwa vier Wochen nicht gegossen werden. Denn dann befindet sich der Kaktus in der Ruhephase.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Gisela Schreiner)

Einbeere ist Blume des Jahres

Einbeere ist Blume des Jahres

Rosenheim – Wie jedes Jahr hat die Loki-Schmidt-Stiftung in Hamburg auch für 2022 die Blume des Jahres gekürt: Es ist die Einbeere (Paris quadrifolia). Für die vier Gebietsbetreuer in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein kam die Wahl überraschend. Sie ist bei genauerer Betrachtung aber mehr als gerechtfertigt, denn die Blume des Jahres 2022 steht für einen besonderen Lebensraum und Artenvielfalt.

 

„Ein bisschen überrascht war ich schon“, gibt Gebietsbetreuer Patrick Guderitz zu, „wenn man ein wenig darüber nachdenkt, ist es aber eine gute Wahl!“ Die Einbeere gehört in unseren Breiten nicht zu den gefährdeten Pflanzen, ist also beispielsweise nicht auf der Roten Liste Bayerns verzeichnet. Sie steht aber stellvertretend für einen ganzen Lebensraum, eine ganze Artengemeinschaft. Die Einbeere kommt vor allem in alten (Buchen-) Wäldern vor und von denen gibt es tatsächlich immer weniger. Diese alten Wälder wiederum bieten mit ihren abwechslungsreichen Strukturen und artenreichen Unterwuchs viele sogenannte „ökologische Nischen“ für seltene und gefährdete Arten. Ökologische Nischen nennt man Bereiche mit speziellen Lebensbedingungen, die oftmals nur von angepassten und darum eher selteneren Arten genutzt werden können.

Die Einbeere findet man vor allem
in alten Buchenwäldern

Beispielsweise haben diese Wälder auch einen hohen Anteil an Totholz. Hier können sich Spechte ansiedeln, welche die abgestorbenen Äste und Bäume bearbeiten. Das hat damit zu tun, dass es sich natürlich auch der Specht gerne einfach macht. Totes Holz ist eben weicher und damit um ein vielfaches leichter zu bearbeiten als Bäume, die „voll im Saft stehen“. Spechthöhlen wiederum bieten Unterschlupf für andere Vogelarten sowie Fledermäuse und Insekten. Die Einbeere kann somit stellvertretend für diesen Lebensraum der alten Buchenwälder stehen.
Dirk Alfermann, der Gebietsbetreuer des Chiemsees, ergänzt: „Auch die Pflanzengemeinschaft selber, in der die Einbeere in der Regel vorkommt, beherbergt die eine oder andere seltene und gefährdete Art. Man denke da nur an die verschiedenen Orchideenarten wie das Rote (Cephalanthera ruba) und das Weiße (C. damasonium) Waldvöglein oder die Waldhyazinthe (Platanthera bifolia).“ Severin Sebald, Alpen-Gebietsbetreuer im Landkreis Traunstein, ist zufrieden mit der Wahl. „Gerade die Alpen gehören in der montanen Stufe zum Hauptverbreitungsgebiet der Einbeere. Auch hier profitieren natürlich zahlreiche Arten von den Strukturen und Lebensräumen, für welche die Einbeere stellvertretend stehen kann.“ Aber nicht nur in den Alpen, auch im Vorland, also an den Eiszeitseen und in den Wäldern um den Chiemsee herum ist die Art zu finden. „Aber ich bilde mir schon ein, dass man sie schon mal häufiger gesehen hat“, ergänzt Carmen Neumann, Alpen-Gebietsbetreuerin für den Landkreis Rosenheim. „Das kann aber auch damit zu tun haben, dass man nun durch die Ausweisung als Blume des Jahres sensibilisiert ist. Nichtsdestotrotz, vielleicht merkt man erst jetzt, dass sich etwas an den Beständen getan hat.“ „Vermutlich dann aber eher nicht zum Besseren“, gibt Alfermann zu bedenken. „Die Pflanze selber ist sehr schön mit ihrer sternförmigen Blüte und den symmetrisch angeordneten Blättern. Wenn Du sie einmal bewusst erkannt hast, begegnet sie dir immer wieder im Unterwuchs. Sie ist unverwechselbar.“ Den Namen hat sie übrigens von der einzelnen Beere, die sie ausbildet. „Früher wurde sie auch als Pestbeere gegen verschiedene ansteckende Krankheiten verwendet. Heute wird sie nur noch in der Homöopathie genutzt“, fügt Neumann an.

Vier Blätter stehen für
einen Prinzen und drei Göttinnen

Woher der lateinische Gattungsname „Paris“ kommt, ist nicht abschließend geklärt. Eine Theorie besagt, dass er sich auf das lateinische „par“ – also „gleich“ bezieht, wegen des regelmäßigen Aufbaus der Pflanze. Die schönere Theorie jedoch bemüht die griechische Mythologie. Hier steht die Frucht im Zentrum für den Zankapfel und die vier Blätter für den Prinzen Paris und die drei streitenden Göttinnen Athene, Hera und Aphrodite.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim / Beitragsbild: re)

Hier noch ein Video zur Blume des Jahres:

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Weitere Informationen
Kartoffel ist Giftpflanze des Jahres

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Bayern / Deutschland – Seit dem Jahr 2005 präsentiert der Botanische Sodnergarten in Hamburg- Wandsbek jedes Jahr die Giftplanze des Jahres. Die Wahl für das Jahr 2022 scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, weil sie aus unserer Küche nicht wegzudenken ist: die Kartoffel. „Mit der Wahl der Kartoffel zur Giftplanze des Jahres wollen wir auf die Giftwirkung in den grünen Planzenteilen und Früchten aufmerksam machen“, heißt es in der Begründung. Man solle die Kartoffel als Botschafterin dafür nehmen, dass es mit wenigen Grundkenntnissen problemlos möglich ist, unfallfrei mit Giftpflanzen in Haus und Garten zu leben.

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