In der aktuellen
Pressemitteilung des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege zur Preisverleihung werden auch Stimmen von Betroffenen veröffentlicht, die den Verlust des ehemaligen Gasthofs kommentieren. Ein Einsender schreibt, dass „leider sang- und klanglos immer mehr Gebäude der vergangenen Baukultur verschwinden und dafür seelenlose Bauten entstehen. Dieses Gasthaus ist mir noch immer in guter Erinnerung. Auch in Kienberg stand ein schöner großer Bauernhof am Ortseingang, jetzt ist es nur noch ein geschredderter Steinhaufen.“ Ein anderer meint, „jeder Abbruch ist ein kultureller Verlust, den die Menschen vor Ort meist erst merken, wenn es zu spät ist. Außerdem wird oft unnötig graue Energie vernichtet.“
Zur Wahl des ehemaligen Gasthofs zum zweiten Platz erklärte der Bayerische Landesverein für Heimatpflege wörtlich: dass es sich um „ein traditionsreicher Gasthof mit Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert, ein Treffpunkt für Vereine, Feste und das gesellschaftliche Leben“ handelte und „nach rund zehn Jahren Leerstand 2025 abgerissen“ wurde. Auf dem Gelände entstehen künftig ein Neubau mit Biergarten und Veranstaltungssaal, ein Nahversorger, eine Bankfiliale sowie Wohnungen. Die Fertigstellung wird in etwa zwei Jahren erwartet.
Oberbayerische Abrisse im Blick
Das Lechnerhaus in Prien, das den ersten Platz beim „Abriss des Jahres 2025“ belegte, entstand Ende des 19. Jahrhunderts für die einflussreiche Unternehmerfamilie Lechner und symbolisierte die örtliche Industriekultur. Nach wechselnder Nutzung stand es ab 2006 leer und verfiel. Auf dem Grundstück sollen künftig Wohnungen entstehen, konkrete Zeitpläne gibt es noch nicht.
Fachwerkhaus in Winkelhaid auf Platz drei
Auf dem dritten Platz landete ein fränkisches Fachwerkhaus in Winkelhaid, ein Wohnstallhaus aus der Zeit um 1600. Nach Veräußerung des Grundstücks an einen Bauträger wurde das Gebäude im Inneren offenbar mutwillig zerstört, wodurch es seine Denkmaleigenschaft verlor und zum Abriss freigegeben wurde.
Die Beispiele aus Prien, Aising und Winkelhaid verdeutlichen nach Einschätzung des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege eine fatale Entwicklung: Historische Gebäude würden zunehmend der maximalen Grundstücksverwertung weichen. Selbst die Denkmaleigenschaft biete nicht immer Schutz, wie der Fall Winkelhaid besonders schmerzlich zeige.
Gasthaus Bichler in Ramerberg Anwärter für „Abriss des Jahres“ 2026?
Auch in Ramerberg (ebenfalls Landkreis Rosenheim) beobachtet der Landesverein derzeit einen bevorstehenden Abriss: Das Gasthaus Bichler soll offenbar durch sieben Doppelhäuser ersetzt werden, was bei den Bewohnern großes Bedauern auslöst. Ob der Gasthof auf der „Abriss des Jahres“-Liste 2026 stehen wird, bleibt abzuwarten.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Infos: Pressemitteilung Landesverein für Heimatfplege / Beitragsbild: Fotomontage Archiv Innpuls.me)