Innpuls-Tagebuch – Hinter den Schlagzeilen: Wenn der Weg zur Wiesn zum Dauerthema wird

Innpuls-Tagebuch – Hinter den Schlagzeilen: Wenn der Weg zur Wiesn zum Dauerthema wird

Rosenheim – Rund um den öffentlichen Nahverkehr zur Zeit des Rosenheimer Herbstfestes kommt erneut Bewegung in eine Diskussion, die seit 2023 regelmäßig neu geführt wird. Ein Antrag der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur Ausweitung und dauerhaften Verankerung des sogenannten „Promille-Express“ im Wiesn-Fahrplan sorgt für eine Neuauflage eines bekannten Themas (wir berichteten).

Eintrag vom Freitag, 22. Mai 2026

Mensch, wie die Zeit vergeht.
Wie weit das Jahr schon fortgeschritten ist, merkt man in Rosenheim oft an ganz bestimmten Dingen. Die ersten warmen Abende, die Biergärten werden voller – und irgendwann kündigt sich das Herbstfest wieder ganz von selbst an. Und damit auch ein Thema, das die Stadt seit Jahren begleitet: der sogenannte „Promille-Express“.

Am gestrigen Donnerstag erreichte uns ein neuer Antrag der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Wieder geht es um den Wiesn-Nachtverkehr, wieder um Fahrzeiten, Linien und Verlässlichkeit – und wieder um die Frage, wie Besucher sicher zum Herbstfest und anschließend wieder nach Hause kommen.

Ein Begriff mit vielen Interpretationen

Der „Promille-Express“ ist in Rosenheim längst mehr als nur ein Fahrplanangebot. Er ist ein Begriff, der seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird damit oft der gesamte Nacht- und Spätverkehr zur Wiesnzeit bezeichnet. Die Stadt versteht darunter jedoch konkrete Shuttle- und Busverbindungen zwischen Innenstadt, Bahnhof und Festgelände. Diese unterschiedliche Definition zieht sich seit Jahren durch die Debatte – und sorgt immer wieder für Verwirrung. Die Diskussion um Begriff und Bedeutung des „Promille-Express“ nimmt dabei fast schon unfreiwillig komische Züge an.

Dabei war das Angebot lange Zeit eine feste Größe im Herbstfestbetrieb. Über Jahrzehnte gehörten zusätzliche Nachtfahrten zum Standard. Für viele Besucher war es selbstverständlich, nach einem Wiesnbesuch sicher und unkompliziert nach Hause zu kommen.

Der Einschnitt 2023

Ein spürbarer Wendepunkt kam 2023. Damals wurde wenige Wochen vor Beginn des Herbstfestes bekannt, dass der Promille-Express in der bisherigen Form nicht angeboten werden kann. Als Grund wurde der bundesweite Fahrermangel genannt – es habe sich kein Betreiber finden lassen.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Denn plötzlich ging es nicht nur um Fahrpläne, sondern auch um Erwartungen, Gewohnheiten und die Frage, wie selbstverständlich ein solcher Service eigentlich ist.
In den Folgejahren wurde das Angebot mehrfach angepasst, diskutiert und neu strukturiert. Linienführungen änderten sich, Fahrzeiten wurden verändert, der Begriff selbst blieb dabei jedoch stets ein Streitpunkt.

Bereits 2025 hatten die Grünen einen ähnlichen Antrag eingebracht. Damals wurde er von der Tagesordnung genommen und später nichtöffentlich behandelt.
Nun folgt ein neuer Anlauf – mit dem Ziel, den erweiterten Nachtverkehr zur Wiesnzeit dauerhaft fest im Fahrplan zu verankern. Auch Sonntagsangebote spielen dabei wieder eine Rolle.

Zwischen Ausnahmezustand und Alltag

Vielleicht liegt genau hier der Kern der Debatte. Die Herbstfestzeit ist in Rosenheim eine besondere Zeit. Nicht umsonst wird sie oft als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet. Die Stadt verändert sich spürbar, tausende Menschen sind unterwegs, Straßen und Plätze sind stark frequentiert.

Gerade in dieser Zeit müsste der öffentliche Nahverkehr besonders zuverlässig und verständlich funktionieren.
Vertrauen entsteht nicht durch komplizierte Begriffsdefinitionen oder wechselnde Linienpläne, sondern dadurch, dass Menschen sich darauf verlassen können, wie sie zur Wiesn kommen – und wieder zurück.

Ein Thema bleibt dabei aus meiner Sicht besonders wichtig: die Einbindung der Stadtteile. Während Innenstadtlagen oft gut erreichbar sind, ist die Situation in den Außenbereichen deutlich schwieriger. Auch die Frage der Sonntage spielt eine Rolle. Vor der Pandemie gab es hier ein deutlich breiteres Angebot, das gerade von Familien gerne genutzt wurde.

Pragmatische Lösungen statt Dauerdebatte

Vielleicht wäre genau dieses Thema ein guter Auftakt für den neu gewählten Stadtrat und die Stadtspitze: weniger Grundsatzdiskussion, mehr pragmatische Lösungen.

Denn irgendwann sollte aus einer jahrelangen Diskussion wieder das werden, um was es im Kern geht:  Ein verlässlicher, verständlicher und sicherer Weg zum Herbstfest – und wieder nach Hause.

Liebe Grüße aus der Redaktion
Karin

Grüne wollen Wiesn-Promille-Express zurückbringen

Grüne wollen Wiesn-Promille-Express zurückbringen

Rosenheim – Gut 30 Jahre erfreute sich in Rosenheim zur Herbstfestzeit der „Promille-Express“ großer Beliebtheit.  2023 war mit diesem Service Schluss. Nun will die Stadtratsfraktion von Bündnis90 / Die Grünen die nächtlichen Spezialfahrten zurückbringen. 

Begründet wurde das Ende des Promilleexpress im Jahr 2023 von Seiten der Stadt mit dem deutschlandweiten Fahrermangel (wir berichteten). Die Aufregung danach war groß. In einer Ausschusssitzung wurde dann sogar darüber diskutiert, was nun eigentlich der „Promilleexpress“ ist (wir berichteten). Umgangssprachlich werden zur Herbstfestzeit gerne alle Nachtbuslinien so bezeichnet. Doch bei der Stadt sieht man das wesentlich differenzierter. „In Wirklichkeit ist der Promille-Express lediglich die Verbindung Stadtmitte zum Herbstfesteingang Kaiserstraße und zurück“, lautete die Definition in einer Stellungnahme an Innpuls.me.
Für die Rosenheimer Grünen bedeutet der Promille-Express in erster Linie einen „erweiterten Fahrplan“, wie aus einem aktuellen Antrag an die Stadtverwaltung hervorgeht. Darin aufgeführt sind auch schon mögliche Zeiten und Take:

    • Montag bis Mittwoch: Erweiterung der Nachverkehrslinien bis 23.30 Uhr
    • Donnerstag: Erweiterung der Nachtverkehrslinien im Stundentakt bis 2 Uhr
    • Freitag und Samstag: Erweiterung der Nachtverkehrslinien im Stundentakt bis 4 Uhr
    • Sonntag Inbetriebnahme der Nachtverkehrslinien tagsüber von 12 bis 23.30 Uhr.

Zusätzlich wünschen sich die Grünen für den Promille-Express einen reduzierten Fahrpreis von 1,50 Euro als zusätzlichen Anreiz für die Nutzung. „Hierbei wäre eine Kooperation mit den Brauereien und dem wirtschaftlichen Verband sowie gegebenenfalls der Nachclubbetreiber denkbar“, heißt es dazu in ihrem Antrag. In einer der kommenden Sitzungen wird darüber diskutiert.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Info: Rosenheimer Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen/ Beitragsbild: Archiv aez)

Mit dem Bus zur Wiesn und wieder zurück? – Auch heuer gibt es da Probleme

Mit dem Bus zur Wiesn und wieder zurück? – Auch heuer gibt es da Probleme

Rosenheim –  Am Sonntag mit dem Bus zum Herbstfest und wieder zurück. Oder nach dem Wiesnbesuch noch auf ein Getränk in eine Bar und dann mit dem Öffentlichen wieder nach Hause. Beides wird auch heuer in Rosenheim nicht  – beziehungsweise nur sehr eingeschränkt möglich sein. 
Bus mit Promille-Express-Aufkleber. Foto: Archiv Innpuls.me
Dieses Foto entstand 2023 – Da machten Aufkleber an den Bussen noch auf den Promilleexpress aufmerksam. Foto: Archiv Innpuls.me

Autofahren und Alkohol – das ist eine schlechte Kombi. Eine gute Alternative war da gut 30 Jahre lang in Rosenheim der sogenannte „Promilleexpress“. Die nächtlichen Spezialfahrten während der Herbstfestzeit erfreuten sich großer Beliebtheit, wie auch unser Archivfoto aus dem Jahr 2019 zeigt.
Im vergangenen Jahr war mit diesem Service dann Schluss. Begründet wurde diese Entscheidung von Seiten der Stadt mit dem deutschlandweiten Fahrermangel.
Die Aufregung danach war groß. Im Ferienausschuss 2023 wurde dann sogar darüber diskutiert, was nun eigentlich der „Promilleexpress“ ist (wir berichteten). Umgangssprachlich werden zur Herbstfestzeit gerne alle Nachtbuslinien so bezeichnet. Doch bei der Stadt sieht man das wesentlich differenzierter, wie es nun auch aktuell wieder in einer Stellungnahme zum Thema „Busverkehr zur Herbstfestzeit“ an Innpuls.me heißt: “ In Wirklichkeit in der Promilleexpress lediglich die Verbindung Stadtmitte zum Herbstfesteingang Kaiserstraße und zurück“.

Foto: Ganz schön eng wurde es in der Vergangenheit im Promilleexpress. Foto: Archiv aez
Dieses Foto entstand im Jahr 2019. Da wurde es im Promilleexpress oftmals ganz schön eng Foto: Archiv aez

Viel wichtiger als diese Definitionsfrage ist aber, wie es denn nun generell mit den Busverbindungen zur Herbstfestzeit aussieht. Und da wird es erneut wieder nicht viel mehr geben als das reguläre Angebot:  Nach Auskunft der Stadt fährt der  „Promille-Express“ ab 20.01 Uhr im Halbstundentakt durchgängig  vom Herbstfesteingang Kaierstraße über Stadtmitte zum Bahnhof und der Ringlinie Aising / Pang  (Linie 421 und 422) und wieder zurück.

Erneut keine Sonntagsfahrten

Sonntagsfahrten wird es auch heuer nicht geben. Eine Anwohnerin aus dem Rosenheimer Stadtteil Hohenofen kann das nicht verstehen. Schließlich seien die Busse in der Vergangenheit immer gut nachgefragt gewesen – an allen Wiesn-Tagen. Sie denkt dabei nicht nur an Hohenofen, sondern auch an die vielen Tausend Menschen in den anderen Stadtteilen im Rosenheimer Süden wie beispielsweise Pang, Aising, Happing, Kastenau, Heilig Blut, Westerndorf am Wasen, Oberwöhr und Schwaig. „Am mittleren Sonntag sind das Erntedankfest und am Abend der Blasmusik-Abend im Flötzinger-Festzelt. Da ist den ganzen Tag über viel los“, sagt sie. Ihr Mann pflichtet ihr bei. „Wir hatten eigentlich gedacht, dass sich mit der Übernahme des Stadtverkehrs durch die Stadt die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert“, sagt er. Doch dem sei nicht so – im Gegenteil. Beide wollen sich deshalb erst einmal noch überlegen, ob sie das Herbstfest heuer an den Sonntagen überhaupt noch besuchen.

Auch für Nachtschwärmer bleibt es schwierig

Keine Alternative ist der Bus auch für Herbstfest-Besucher, die nach dem Schankschluss in den Bierburgen den Abend noch in den Bars und Clubs in der Stadt ausklingen lassen wollen. Der bisher letzte Kurs in den Rosenheimer Süden um 0.37 Uhr wurde in diesem Jahr sogar gestrichen. Damit ist von Montag bis Samstag bereits um 0.10 Uhr die letzte Fahrt. Zwar gibt es um 1.30 Uhr noch eine letzte Verbindung. Dieser Bus bedient aber nicht mehr die gesamte Strecke. Auch auf der stark genutzten Kolbermoorer Linie gibt es nicht mehr Fahrten als im Vorjahr, als noch der Regionalverkehr Oberbayern den Stadtverkehr organisiert hatte.. Wer nach Happing und in die Kastenau möchte, muss sich ebenfalls sputen: Letzte Abfahrt ist um 0.49 Uhr. Wer wie früher möglich um 2 Uhr, 3 Uhr oder sogar 4.30 Uhr noch den Bus nehmen will, bleibt dann wortwörtlich auf der Strecke. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Busbetrieb in den späten Nachtstunden hinein vom Rosenheimer Publikum nicht in Anspruch genommen wird. Daher wird es dieses Jahr keine Ausweitung der Fahrzeiten kommen;“ heißt es dazu als Begründung von der Stadt Rosenheim.

Auch 1-Euro-Tickets an den Samstagen gibt es nicht mehr

Ebenfalls Vergangenheit ist das 1-Euro-Ticket an den Samstagen, für das die Stadt noch 2023 während der Herbstfestzeit geworben hat (wir berichteten) Mit Einführung des MVV-Tarifs Ende 2023 wurde es wieder eingestellt. „Die Stadt Rosenheim ist Ende des Jahres 2023 dem MVV beigetreten. Damit geht auch die Tarifbindung des MVV positiv wie negativ einher. Das 1-Euro-Ticket kann daher nicht mehr angeboten werden“; so die Antwort der Stadtverwaltung auf diese Frage.
Bleibt wieder oft nur das reguläre Taxi. Aber auch bei dieser Alternative gibt es Probleme: Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) verkehrt täglich lediglich bis 1 Uhr in der Nacht und bedarf einer Voranmeldung. Die Anmeldefrist wurde zudem von 30 auf 60 Minuten erhöht. Wer also um 1 Uhr einfahren will, muss sich spätestens um 24 Uhr anmelden – und etwas tiefer in die Tasche greifen als bisher. Eine Fahrt in die äußeren Stadtteile kostet inzwischen 5 Euro pro Person.
(Quelle Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Foto: aez, Foto: Archiv Innpuls.me)